Pressesprecher Heuermann: Zwischen Brandbekämpfern und den Medien

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Funkgerät, Meldeempfänger, Smartphone und Weste sind die ständigen Begleiter von Dennis Heuermann.

Bassum - Von Julia Kreykenbohm. „Neun Feuerwehrleute waren laut Feuerwehrpressesprecher Dennis Heuermann vor Ort.“ Wohl jeder Zeitungsleser kennt die Einsatzberichte der Feuerwehr. Oft sind es nur einige Zeilen in einem einspaltigen Artikel. Doch hinter ihnen stecken Zeit und Arbeit. Ganz besonders während des extremen Sommers, bei dem die freiwilligen Feuerwehrleute beinahe täglich und mehrfach ausrücken, um ihren Mitmenschen zu helfen. Fast immer mit dabei: der Ansprechpartner für die Presse.

Dennis Heuermann sitzt an seinem Arbeitsplatz in der Kreissparkasse Bassum. Plötzlich piept der Funkmeldeempfänger: „Flächenbrand in Okel“. Oft ist die Durchsage etwas verrauscht, weswegen er das Funkgerät zur Hand nimmt, um sie nochmal zu hören. Da geht auch schon die Meldung mit weiteren Informationen über die Alarm-App auf seinem Handy ein. Diese drei Geräte sind im Grunde Heuermanns ständige Begleiter. Nun muss er entscheiden: Fahre ich hin?

Wenn es seine berufliche Situation erlaubt – er also beispielsweise nicht gerade in einem Kundengespräch ist – steht er auf, informiert seine Kollegen, legt noch den Zettel mit der Aufschrift „Bin im Einsatz“ auf seinen Schreibtisch und geht zum Auto. 

Dort liegen Notizblock, Kamera und die Montur, mit der er sich vom stellvertretenden Kreissparkassenleiter in den stellvertretenden Pressesprecher der Feuerwehr Bassum verwandelt. „Als solcher trägt man zum Glück nicht die dicken Klamotten, die die Kameraden bei jedem Einsatz anziehen müssen“, bemerkt Heuermann mit Blick auf das Thermometer.

Es kommt vor, dass Heuermann der erste am Einsatzort ist

Ein weiterer Punkt, der ihn von seinen Kameraden unterscheidet, ist, dass er nicht so schnell wie möglich zur Einsatzstelle braust. „Als ich das Amt neu übernommen hatte, habe ich das aus Gewohnheit so gemacht, mit dem Ergebnis, dass ich der erste vor Ort war, weil die anderen ja zunächst zum Gerätehaus müssen. Da stand ich dann vor der brennenden Bushaltestelle. Die Leute sagten ,Zum Glück ist die Feuerwehr da’ – aber ich konnte nichts tun“, erinnert sich Heuermann. „Keine schöne Situation.“

Daraus hat er gelernt und lässt sich nun mehr Zeit. Denn als Pressesprecher beteiligt sich Heuermann nicht aktiv am Einsatz. „Wenn ich ankomme, werde ich zum Schatten des Einsatzleiters, nehme Informationen auf und wenn die Presse eintrifft, bin ich ihr Ansprechpartner.“ Auf diese Weise hält er den Feuerwehrleuten den Rücken frei. 

Heuermann macht das Spaß, auch wenn es ihm nicht immer leichtfällt, nur zuzuschauen. „Wer in der Feuerwehr ist, hat ein Helfersyndrom. Wenn man sieht, was die Kameraden machen, möchte man mit anpacken.“

Die Leitstelle entscheidet, ob ein Einsatz presserelevant ist

Ob Heuermann überhaupt alarmiert wird, entscheidet die Leitstelle in Diepholz. Sie bestimmt, ob der Einsatz „presserelevant“ ist – also Medienvertreter zu erwarten sind, was beispielsweise bei einer brennenden Mülltonne unwahrscheinlich ist.

Ist der Brand gelöscht, geht die Arbeit für Heuermann weiter. Er verpixelt, wenn nötig, die Bilder und schreibt einen Bericht. Dabei muss er den „Feuerwehrjargon“ ablegen und darauf achten, auch für Außenstehende verständlich zu formulieren. All das schickt er an die Medien, die Ortsbrandmeister und an die Stadtverwaltung. Etwa 13 Kanäle bespielt er. „Das dauert etwa eine halbe Stunde. Wenn meine Frau Zeit hat, lasse ich sie gegenlesen. In jedem Fall habe ich den Anspruch, so schnell wie möglich zu informieren.“

Schwerer tut er sich bei Verkehrsunfällen mit Todesopfern. „Man überlegt genau, welche Bilder man zur Verfügung stellt und wie man formuliert, um den Angehörigen nicht weh zu tun.“

Umzuschalten ist für Heuermann kein Problem

Dann bringt er noch die Facebookseite auf den neuesten Stand und fährt zurück zur Arbeit, wo er wieder zum Angestellten der Kreissparkasse wird. Das Umschalten falle ihm nicht schwer, doch dieser Sommer verlangt ihm sowie allen Feuerwehrleuten viel ab. „Wir hatten vor kurzem den 80. Einsatz in Bassum. Mit allen Ortsteilen könnten wir auf 100 kommen.“ 

Heuermann ist nicht nur bei Bränden im Stadtgebiet dabei, sondern betreut auch die zwölf Ortswehren. Außerdem ist er in dem Pool der elf Feuerwehrpressesprecher im Nordkreis, die sich gegenseitig vertreten. So kann es sein, dass Heuermann auch mal nach Syke oder Twistringen fährt, wenn die Ehrenamtlichen dort keine Zeit haben.

Heuermann bereut nicht, das Amt des stellvertretenden Pressesprechers vor einem Jahr übernommen zu haben. Erster Pressesprecher ist Andreas Kleinert, der aber in Bremen arbeitet und tagsüber nicht vor Ort sein kann.

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