Werner Nickisch und Günter Meyer freuen sich über die Bassumer Ehrenamts-Medaille

Zwei, die nicht fragen, was sie davon haben

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Werner Nickisch (l.) und Günter Meyer beratschlagen, was als nächstes zu tun ist.

Bassum - Von Frauke Albrecht. 120 Liter Müll sammelten Werner Nickisch und Günter Meyer vergangenen Monat vom Bassumer Sportplatz. Kaum zu glauben, was die Leute so alles wegschmeißen, ärgert sich Meyer über Getränkeflaschen, jede Menge Plastik, leere Zigarrettenschachteln. Er hat auch schon Feuerzeuge, Regenschirme und Mausefallen gefunden.

Es ist ein Kampf gegen Windmühlen. Die beiden Männer räumen auf, jede Woche aufs Neue. Sie treffen sich jeden Dienstag um 7 Uhr und arbeiten bis zum Mittag. Für ihren Einsatz erhielten sie kürzlich die Bassumer Ehrenamtsmedaille, wir berichteten.

Die Ehrung nahm Bürgermeister Christian Porsch vor. „Wie wunderbar ist es, dass niemand auch nur einen einzigen Moment warten muss, bevor er anfangen kann, die Welt zu verbessern“, zitierte Porsch bei der Feierstunde Anne Frank.

Er dankte den Ehrenamtlichen dafür, dass sie, jeder auf seine eigene Weise, die Welt besser machen, statt zu fragen: „Was habe ich davon?“ „Zwei, die nie fragen, was sie davon haben, sind Werner Nickisch und Günter Meyer“, so Porsch. „Der Bürgermeister war es bestimmt, der uns vorgeschlagen hat“, sind die zwei Rentner überzeugt. „Als ich den Brief von der Stadt bekommen habe, dachte ich zuerst, die brauchen bestimmt einen Wahlhelfer“, erzählt Meyer. Sein zweiter Gedanke, nachdem er gelesen hatte, war: „Hoffentlich hat Werner auch Post bekommen.“

Er hatte – und freut sich sehr. „Wir machen das ja nicht für uns, sondern für den Verein“, sagt Nickisch. Deshalb sei es schön, wenn die Öffentlichkeit das Engagement zur Kenntnis nehme.

Die beiden sind ein gutes Gespann. Privat unternehmen sie zwar nichts zusammen, „wir können aber gut miteinander arbeiten“, sagt Meyer.

Er war der erste, der eines Tages die Ärmel hochkrempelte. Günter Meyer ist seit 1955 Mitglied im TSV Bassum, spielte lange Zeit Handball. Als er aus beruflichen Gründen keine Zeit mehr dafür hatte, verlegte er sich aufs Joggen, lief den Bramstedter Kirchweg rauf und runter und ärgerte sich am Sportplatz zunehmend über das viele Laub. „Irgendwann habe ich einfach eine Schubkarre genommen, mit dem Hausmeister, den gab es damals noch, besprochen, wo das Laub hin soll und habe angefangen zu harken“, erzählt er.

Seitdem ist er der gute Geist des Sportplatzes. „Nicht lange überlegen, machen“, lautet seine Devise. Vor etwa zehn bis 15 Jahren bekam er dann Gesellschaft von Werner Nikisch.

Der 75-Jährige ist seit 1972 im TSV und spielte viele Jahre Fußball. „Ich weiß gar nicht mehr, wie es genau war. Ich habe irgendwann mal die Hecke geschnitten“, erinnert sich Nickisch. „Da meinten die anderen noch zu mir: ,Das machst du ab jetzt bestimmt immer.’“ Er habe noch gedacht: Was für’n Quatsch. Doch seine Kumpels behielten Recht.

Die beiden Ehrenamtlichen kümmern sich um alles, was anliegt. Sie sammeln Müll, schneiden die Hecke, kümmern sich um die Platzpflege, mähen Rasen, säubern die Aschebahn, trimmen die Rasenkanten, bessern die Zäune aus und anderes mehr. „Wir haben auch Wasserleitungen gelegt, um die Plätze zu bewässern“, erzählt Meyer.

Früher hätten sie noch Unterstützung von anderen bekommen. „Wir sind die letzten der Truppe“, sagt Nickisch. Er würde sich freuen, wenn ab und an mal wieder einer helfen würde.

Auf den Grund ihres Engagements angesprochen, sagen beide: „Aus Verbundenheit zum Verein.“ Dafür haben sie freien Eintritt zu den Spielen und eine VIP-Karte. Meyer: „Mehr wollen wir nicht.“ Wie lange sie das noch machen wollen? „Bis wir das körperlich nicht mehr können.“

Nickisch ist auch beim Kultur- und Heimatverein aktiv und gehört dort mit zur Ü-60-Gruppe, die regelmäßig das Gelände der Freudenburg pflegt. Außerdem hat er einen großen Garten. Langeweile kommt also bei ihm nicht so schnell auf. „Ich kümmere mich außerdem noch um die Vereinsbusse, ich betanke und reinige sie regelmäßg“, erzählt er.

Als gelernter Maschinenbauer könne er eben gut mit Fahrzeugen und Maschinen aller Art umgehen. Früher hat Werner Nickisch bei Kolbus gearbeitet, später als Schulhausmeister bei der Stadt und beim Landkreis. „Werner hat ein Auge für die Arbeit. Deshalb sagt er auch, was gemacht werden soll. Da habe ich gar kein Problem mit“, erzählt Meyer.

Er selbst hilft nicht nur auf dem Sportplatz, sondern auch in seiner Nachbarschaft. Viele seiner Nachbarn seien etwas älter und könnten nicht mehr den Bürgersteig fegen oder im Winter Schnee schieben. Meyer hilft gern. Für ihn selbstverständlich: „Ich habe ja sonst nichts zu tun.“

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