Tag der Stimme

Werkzeug, Instrument und Stimmungsbarometer: Die Stimme verrät viel über einen Menschen

Frau, die spricht und die Zunge bewegt
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Die Stimme transportiert nicht nur Worte, sondern auch Emotionen.

Bassum – Wir benutzen sie, ohne nachzudenken, unsere Stimme. Sie ist Werkzeug, Instrument, aber auch Stimmungsbarometer. Zum heutigen Tag der Stimme, initiiert von amerikanischen und europäischen Hals-Nasen-Ohren-Ärzten und Logopäden, verrät Stimmtherapeutin Ute Bries, was Stimme über den Menschen aussagt.

Frau Bries, was verrät Ihnen die Stimme eines Menschen?

Oh, die Stimme sagt eine ganze Menge über uns aus. Ich würde sogar sagen, sie sagt mehr als die Worte. Worte sind die Information. Die Stimme aber transportiert unsere Meinung. Da werden Emotionen sichtbar und wir erreichen Menschen energetisch. Das hört sich jetzt vielleicht ein bisschen komisch an, aber Stimme per se ist eine Energie, die wir in den Raum bringen.

Heißt das, Sie können anhand der Stimme auf die Stimmung eines Menschen schließen – auch auf den Charakter?

Ja und nein. Das wäre jetzt ein bisschen grob, aber wenn ein Mensch zu mir kommt, höre ich ihn an als ein Spannungssystem. Es geht um das Zusammenspiel, wie bei einem Mobile. Wenn man an einer Ecke zieht, bewegt sich der ganze Rest und umgekehrt. Ich nenne ein Beispiel: Jemand, der lispelt, dem sage ich in der Sprachtherapie: „Du, pass mal auf, das mit deiner Zunge musst du vielleicht ein bisschen anders machen.“ Dann trainieren wir das. Die Zunge muss woanders hin. Die Stimme wiederum ist die Diva im System. Die sagt: „Ich klinge gut, wenn alle anderen mitspielen.“ Und alle anderen sind in dem Fall nicht nur die Zunge, sondern auch die Atmung und die Atemspannung. Wenn wir angespannt sind, klingen wir hart und streng, wenn wir entspannt sind, klingen wir weich, dann entspannen wir im ganzen Körper, im Denken und im Fühlen. Das alles transportiert die Stimme.

Die Atmung ist also wichtig, kann man sie trainieren?

Auf jeden Fall. Eine wohlklingende Stimme, eine souveräne Stimme kann man trainieren. Viele, die zu mir kommen, wollen eine souveräne Stimme haben. Sie wollen etwas bewirken oder einen bestimmten Job haben. Erst mal geht es darum, zu schauen, wie atmet dieser Mensch? Benutzt er den ganzen Atemraum? Geht es tief bis ins Zwerchfell? Das ist wie beim Werfen eines Balls – wenn Sie richtig werfen wollen, müssen Sie weit ausholen, damit Sie Schwung haben.

Ist das ein typischer Fehler, falsche Atmung?

Absolut. Jeder Mensch hat gute Gründe, warum er macht, was er tut. Wenn wir tief atmen, bewegt sich unser Zwerchfell. Das ist die Gegend, wo wir Flugzeuge im Bauch fühlen, wenn es schlecht läuft und Schmetterlinge, wenn es gut läuft. Wenn wir in die Tiefe atmen, haben wir es immer mit der Region der Gefühle zu tun, dann kann es gut sein, dass sich etwas löst. Anders rum, wenn wir keine Lust haben, etwas zu fühlen, ist es taktisch, aber nicht gesund, eine Möglichkeit, nicht tief zu atmen. Das hat einen psychologischen Aspekt. Alles spielt ineinander – Stimme, Atmung, Körperhaltung, auch die innere Haltung, die ich mir und dem Leben gegenüber einnehme.

Sie sagten, dass sich viele Menschen eine souveräne Stimme wünschen. Wie hört sich die an?

Eine souveräne Stimme nutzt den ganzen Resonanzraum, den wir haben. Das hat mit Atemführung zu tun. Wer souverän spricht, weiß genau, wo er eine Pause macht. Er fängt nicht an und plätschert vor sich hin, sondern führt das Wort, setzt Pausen. Er traut sich, mal den Mund zu halten, er lässt die Worte wirken. Menschen, die unsicher sind, haben nicht den Mut, nicht das Vertrauen zu Pausen. Es gibt Menschen, die reden sich um Kopf und Kragen.

Sind es eher Männer oder Frauen, die zu Ihnen kommen?

Bis vor Kurzem hätte ich 50:50 gesagt. Aber derzeit kommen mehr Frauen. Ich habe den Eindruck, dass Frauen sich mehr trauen, zu kommen. Wir haben das Zeitalter der Digitalisierung und viele sitzen zu Hause und wollen wissen, wie sie besser wirken können. Sie wollen besser rüberkommen. Im Web wird das wichtig.

Angeboren oder anerzogen? Wie weit haben wir überhaupt Einfluss auf unsere Stimme?

Na ja, angeboren ist der körperliche Aspekt, ob wir einen großen oder kleinen Kehlkopf haben. Nicht zu unterschätzen ist aber, dass wir das Sprechen durch Nachahmen lernen und auch die Betonung und den Tonfall. Manchmal sitzt man in Familien und weiß ganz genau, wer zu wem gehört. Das hört man. Man kann aber auch eine ganze Menge verändern. Manchmal kommen Menschen zu mir, die haben sich im falschen Geschlecht wieder gefunden. Sie sind schon operiert, aber die Stimme hat sich noch nicht verändert. Der Schritt von der Männerstimme zur Frauenstimme ist schwierig. Da kommt man vielleicht nicht in das Feine, aber man kann spielen, lernen, bewusst zu atmen, etwas Weiches einbringen. Man kann daran arbeiten – aber keine Piepsmaus daraus machen.

Wenn vieles erlernbar ist und das Sprechen mit Nachahmung zu tun hat, sollten Eltern etwas Bestimmtes beachten?

Vorlesen ist immer eine schöne Sache. Kinder verstehen eine ganze Menge, auch wenn sie noch nicht sprechen können, sie bekommen ein Gespür für Sprache. Aber es ist auch wichtig, das Kind Kind sein zu lassen. Ein Kind hat eine ganz organische und natürliche Betonung – im Gegensatz zu vielen Erwachsenen. Da ist oftmals die Betonung nicht mehr da, weil sie sich eine bestimmte Lebendigkeit nicht erlauben.

Wird die Stimme mit dem Alter leiser?

Nicht zwingend. Mit dem Alter steigt die Chance auf Arthrose. Der Kehlkopf hat viele kleine Knorpel und Knöchel, die verkalken können. Dann klappt es nicht mehr mit den feinen und hohen Tönen. Das kann vorkommen. Leiser wird es, wenn Menschen sich angewöhnen und nicht mehr erinnern, auch mal lauter sein zu können. Dann nehmen sie sich zurück und zurück und zurück – und dann sind sie im Alter plötzlich leiser.
Die Stimme ist eine Einladung auf sich zu gucken. Sie funktioniert wie eine Warnlampe, die sagt: Hier guck mal. Da kannst du was verbessern.

Es soll Untersuchungen geben, wonach die Stimme Einfluss auf die Partnerwahl haben soll?

Ja. Das habe ich am eigenen Leib erlebt. Ich hatte jemanden kennengelernt und es passte theoretisch ganz vieles zusammen. Aber ich konnte mit der Stimme nicht. Das ging für mich nicht. Und das hatte nichts damit zu tun, dass ich als Stimmtherapeutin arbeite. Eine Stimme erzeugt Frequenzen und Resonanzen, wenn wir uns damit wohl fühlen, dann finden wir den Menschen sympathisch.

Ute Bries ist Mental-Coach aus Bassum

Zur Person

Ute Bries ist Stimmtherapeutin und Auftrittscoach in Bassum und arbeitet nach der Methode von Schlaffhorst und Andersen. Dahinter steht eine ganzheitliche Atem-, Stimm- und Sprachtherapie. Atem, Stimme und Bewegung ist die Dreieinigkeit. „Wenn wir uns mit unserem Atem verbinden, dann sind wir eins mit unserem ganzen System, mit Körper, Geist und Seele“, sagt Bries

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