Neue Motoren für Biogasanlagen sind flexibler – haben aber auch ihren Preis

Fit für die Zukunft

Walter Brunner (links) und Stefan Meinke wollen die Biogasanlage in Nüstedt fit für den Strommarkt der Zukunft machen. Foto: Kreykenbohm

Bassum - Von Julia Kreykenbohm. Kuschelig warm ist es in dem Container, in dem einer der vier Motoren der Biogasanlage in Nüstedt lautstark seinen Dienst versieht. Durch ihn und seine „Kollegen“ wird das gewonnene Biogas zu etwa gleichen Teilen in Strom und Wärme umgewandelt. Und sie sind fleißige Arbeiter, die jeden Tag unter Volllast immer die gleiche Menge produzieren. Selbst dann, wenn der Wind ordentlich pfeift und die Windräder wild rotieren oder die Sonne die Fotovoltaikanlagen-Betreiber jubeln lässt. Wenn also im Grunde genug erneuerbare Energie auf andere Weise gewonnen wird.

Und deswegen rüsten jetzt viele Biogasanlagen-Betreiber um, auf Motoren, die sich bei Bedarf hochfahren und auch wieder drosseln lassen. Auch die vier Landwirte, die gemeinsam die Biogasanlage in Nüstedt betreiben, haben sich dafür entschieden.

Flexibilität ist hier das Stichwort. „Wir wollen auf diese Weise den Anforderungen des modernen Strommarktes gerecht werden“, erklärt Stefan Meinke von der Unternehmensberatung Backmann & Domröse, der die Betreiber berät.

Die Neuerung sei gerade vor dem Hintergrund wichtig, da Atom- und Kohlekraft zunehmend wegfallen. Die erneuerbaren Energien gewinnen an Bedeutung und anders als Wind- und Sonnenenergie könne Biogas gespeichert werden. Umso wichtiger sei es, dass die Anlagen auf verschiedene Situationen, wie zum Beispiel Witterung, reagieren können, so Meinke.

Vier Motoren wandeln in Nüstedt Biogas um. Über eine Leitung wird auch Gas nach Dimhausen gebracht, wo zwei weitere Motoren stehen, die ebenfalls Wärme und Strom produzieren. Einer davon ist bereits durch ein modernes Modell ersetzt worden. Sie sind größer als die alten und kosten bis zu einer halbe Million Euro.

Das ist auch der Grund, warum die Betreiber nicht auf einen Schlag alle Motoren ersetzen wollen. Einen Zwang, das zu tun, gibt es ohnehin nicht. „Betreiber bereits bestehender Anlagen können die Motoren austauschen, wenn sie möchten“, weiß Meinke. Er kennt auch Landwirte, die sich erstmal gegen eine Umrüstung entscheiden. Wer eine neue Anlage bauen möchte, hat hingegen keine Wahl.

Die Biogasanlage in Nüstedt, die 2006 gebaut wurde, ist eine Besonderheit. Sie läuft nämlich nach einem System, das sonst in der Abfallverwertung und nicht in der Landwirtschaft genutzt wird. Das macht sie zu einer Pilotanlage in dem Bereich. „In anderen Anlagen wird mehr Gülle vergoren“, erläutert Hofbesitzer Walter Brunner als einer der Betreiber. „Wir vier Landwirte wollten nicht darauf angewiesen sein, da wir auch gar nicht so viel Gülle zur Verfügung haben.“

Durch seine Arbeit bei der Abfallwirtschaftsgesellschaft (AWG) Bassum war er schon vor langer Zeit auf die Trocken-Fermentation aufmerksam geworden, die keinen hohen Flüssigkeitsanteil braucht.

Während in anderen Anlagen gerührt wird, werde in der Nüstedter Anlage umgepumpt. „Die Technik ist hier etwas aufwendiger. Es werden Mais, Gras, Mist und Wickroggen vergoren.“

18 000 Tonnen wandern im Jahr in die Anlage. Das meiste davon ist Mais. „Sie ist eine Anlage für die Zukunft, weil sie auch mit anderen Stoffen gut zurecht kommt“, glaubt Meinke.

Der produzierte Strom geht in das Netz der Avacon und die Wärme versorgt in Nüstedt drei Höfe, fünf Häuser und eine Hundefuttertrocknung.

In Dimhausen kommen 21 Häuser und eine Trocknungsanlage in den Genuss der Wärme.

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