Seit einem Jahr gibt es kostenlose Beratung für Menschen mit Beeinträchtigungen in Bassum

Zuhören und den Weg weisen

Katrin Kurtz ist jeden zweiten und vierten Donnerstag in der Seniorenberatungsstelle zu finden. Foto: Kreykenbohm

Bassum - Von Julia Kreykenbohm. Die Anfragen sind so verschieden wie die Menschen selbst. Doch im Grunde haben alle etwas gemeinsam, findet Katrin Kurtz: „Sie stehen vor einer Geschichte, die sie nicht erwartet haben und mit der sie nun klarkommen müssen.“ Die Rede ist von Menschen mit körperlicher, geistiger oder seelischer Beeinträchtigung und ihren Angehörigen. Seit einem Jahr gibt es an jedem zweiten oder vierten Donnerstag in der Seniorenberatungsstelle Bassum eine Beratung für sie. Anfangs nutzte kaum jemand das kostenlose Angebot (wir berichteten). Wie ist es heute?

„Es läuft gut“, sagt Katrin Kurtz und lächelt. Gerade eben hat sie noch eine Dame mit einem beeinträchtigten Kind beraten – und das sogar über die eigentliche Zeit hinaus, die um 9 Uhr beginnt und um 12 Uhr endet. „Aber ich werfe ja niemanden einfach raus, wenn man gerade mitten im Gespräch ist.“ Die Frau sei die dritte Hilfesuchende an diesem Tag gewesen. Eine gute Bilanz, findet Kurtz. Aber es dürften in ihren Augen gern noch mehr sein. „Wir sind noch in der Aufbauarbeit und müssen unser Angebot mehr etablieren.“

Die Hauptthemen seien in Bassum ähnlich wie in Syke, Stuhr und Weyhe, wo Kurtz ebenfalls berät. „Es geht um Menschen, die beeinträchtigt sind, in Rente gehen und sich nun fragen, wie sie ihre Freizeit gestalten können. Andere benötigen Hilfe bei Anträgen: Welche muss ich stellen und wie mache ich das? Dann kommen auch oft Eltern beeinträchtigter Kinder. Es ist ein ganz gemischtes Publikum.“ Da Kurtz selber Mutter einer beeinträchtigten Tochter ist, kann sie bei der letztgenannten Gruppe aus ihrem eigenen Erfahrungsschatz schöpfen. Ihr Ziel ist es, die Menschen zu stärken, ob nun durch Informationen oder durch Zusprache. „Ich will sie ermutigen, ihren Weg zu gehen. Nur gehen müssen sie ihn dann selber.“ Manche kämen mit ganz konkreten Fragen zu ihr, andere seien noch dabei, die Situation zu akzeptieren, in der sie sich gerade befänden. Da sei vor allem das Zuhören wichtig. Manchen kann Kurtz nach einem Gespräch helfen, andere kommen öfter. Wieder anderen kann sie die Fragen schon am Telefon beantworten.

„Wir können nicht zaubern, sind keine Therapeuten oder Psychologen. Wir machen auch keine Rechtsberatung“, stellt Kurtz klar. „Aber wir informieren darüber, wo man Hilfe bekommen kann.“ Der Vorsitzenden des Kreisbehindertenbeirats ist es wichtig, dass sich der Blickwinkel der Hilfesuchenden sowie der ihres Umfelds verändert. „Einmal fragte mich beispielsweise jemand, welche Vorteile denn ein Behindertenausweis hat. Da habe ich erstmal erklärt, dass es nicht um Vorteile geht, sondern um einen Ausgleich für Nachteile. Die Unterstützungen für Menschen mit Beeinträchtigungen sind keine Geschenke, sondern sollen ihnen bei dem helfen, was wohl fast jeder Mensch will: Am Leben teilnehmen, mitmachen. Ich will meinen Klienten klarmachen, dass sie nicht als Bittsteller zu den Behörden gehen.“

Für die Zukunft wünscht sich Kurtz, dass noch mehr Menschen ihre Beratung in Anspruch nehmen. „Ich habe manchmal Leute, die sagen: ,Ich weiß gar nicht, ob ich bei Ihnen richtig bin’. Da braucht niemand Sorge zu haben. Jeder kann vorbeikommen, und wenn er nicht bei mir richtig ist, finden wir schon raus, wo er stattdessen hinmuss. Dazu sind wir ja auch da.“

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