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Bassum und Twistringen bieten Zuflucht in Kriegszeiten

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Von: Anika Seebacher, Katharina Schmidt

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Die Flüchtlinge haben oft nur wenig bei sich. Seit Kriegsbeginn sind rund 150 000 Menschen aus der Ukraine nach Deutschland geflohen.
Die Flüchtlinge haben oft nur wenig bei sich. Seit Kriegsbeginn sind rund 150 000 Menschen aus der Ukraine nach Deutschland geflohen. © Symbolbild: Sebastian Gollnow/dpa

Seit dem russischen Angriff auf die Ukraine am 24. Februar sind rund 150.000 Ukrainer nach Deutschland geflüchtet. Nach und nach kommen immer mehr Flüchtlinge auch nach Twistringen und Bassum. Die Hilfsbereitschaft in den Städten ist hoch – ebenso wie der Bedarf nach weiterer Unterstützung.

Bassum

Am vergangenen Freitag kamen insgesamt 96 Flüchtlinge mit einem Bus in Diepholz an und wurden von dort in die Städte verteilt. Andreas Abelt vom Ordnungsamt der Stadt Bassum spricht von neun Personen am Freitag und elf Menschen, die Sonntagnacht in Bassum untergebracht wurden. Gestern sollten weitere sechs bis acht Geflüchtete eintreffen. Unterkünfte finden Männer, Frauen und Kinder in Privathaushalten, die von der Verwaltung vermittelt werden. Abelt hat in den vergangenen Tagen Listen zu den Unterbringungsmöglichkeiten erarbeitet und gleicht diese mit Anfragen des Landkreises ab.

Es ist schwer vorhersehbar, wie viele Menschen in den nächsten Tagen kommen“

Andreas Abelt vom Ordnungsamt Bassum

Vorausschauend planen könne man nicht, so Abelt. „Es ist schwer vorhersehbar, wie viele Menschen in den nächsten Tagen kommen. Das müssen wir auf uns zukommen lassen und kurzfristig reagieren“, sagt er. Jeden Morgen gibt der Ordnungsamtsmitarbeiter bis elf Uhr eine Meldung an den Landkreis Diepholz, wie viele Kapazitäten in der Stadt vorhanden sind. „Nur so kann es funktionieren“, sagt Abelt. „Wenn jemand privat eine Fahrt organisiert und Flüchtlinge abholt, können wir nicht so schnell auf den Bedarf reagieren“, erklärt er weiter. Die Planung über den Landkreis helfe deshalb enorm.

Unterkünfte weiterhin gefragt

Auch wenn bereits viele Bassumer ihre Hilfe angeboten haben, „brauchen wir auf jeden Fall weitere Unterkünfte“, sagt Abelt. Denn nicht immer passe der Bedarf zu den Möglichkeiten. „Wir nehmen Rücksicht auf Wünsche und so ist die Unterbringung nicht immer gesichert“, sagt er. Ob und wann die Kommunen auf die Angebote zurückgreifen, ist ebenfalls nicht klar, da die Unterbringungen erst im Bedarfsfall abgerufen werden.

Obwohl ein vorübergehendes Dach über dem Kopf oberste Priorität habe, seien auch andere Hilfen und Sachspenden gern gesehen und können dem Ordnungsamt gemeldet werden. Neben der Verwaltung gibt es in Bassum zahlreiche Privatpersonen, die sich um geflüchtete Ukrainer kümmern. So berichten einige Personen in den sozialen Medien von ihren Gästen und deren Dankbarkeit für die unkomplizierte Aufnahme. Online werden auch auf kurzem Weg Informationen zu Spenden und dem Bedarf an alltäglichen Dingen wie Kleidung oder Betten ausgetauscht.

Kontakt für Hilfe bei der Stadt Bassum

Ansprechpartner für die Mitteilung von Hilfsangeboten für die Unterbringung von geflüchteten Menschen aus der Ukraine bei der Stadt Bassum ist Andreas Abelt. Er ist telefonisch unter 04241/8431 oder per E-Mail an abelt@stadt.bassum.de erreichbar. Infos zur Hilfe für die Ukraine hat die Verwaltung unter www.bassum.de zusammengestellt.

Twistringen

Die Mailadresse der Stadt Twistringen für alle Fragen und Hinweise rund um die Ukrainehilfe lautet Ukrainehilfe@twistringen.de. Außerdem ist es nun mit wenigen Klicks möglich, über die Internetseite twistringen-ukraine.de Hilfe für Menschen aus der Ukraine anzubieten. Mittels eines Onlineformulars auf der Homepage kann sich jeder melden, der Flüchtlinge aufnehmen will. Auch wer dolmetschen kann, Sachspenden abzugeben hat oder die Menschen im Alltag unterstützen möchte, ist dort an der richtigen Adresse. Die Stadt Twistringen nimmt im Bedarfsfall Kontakt mit den registrierten Helfern auf und bespricht weitere Details. Sie arbeiten eng mit der privaten Initiative zusammen, die hinter der Internetseite steckt.

Ob per Smartphone oder PC: In Twistringen hat eine Privatinitiative in Zusammenarbeit mit der Stadt die Internetseite twistringen-ukrainehilfe.de erstellt, auf der Helfer sich schnell und unkompliziert melden können.
In Twistringen hat eine Privatinitiative in Zusammenarbeit mit der Stadt die Internetseite  twistringen-ukraine.de  erstellt, auf der Helfer sich schnell und unkompliziert melden können. © Schmidt

Internetseite als zentrale Anlaufstelle

Philipp Rasche hat alles ins Rollen gebracht und die Internetseite ehrenamtlich aufgebaut. „Ich kenne Leute in der Ukraine, mit denen ich mal gearbeitet habe“, erzählt der 31-Jährige, der aus Twistringen kommt und mittlerweile in Bremen wohnt. Er wollte helfen – und kam auf die Idee mit der Internetseite als zentrale Anlaufstelle für alle, denen es ähnlich geht. Von Anfang an war es ihm wichtig, das zusammen mit der Stadt durchzuziehen, „damit alle an einem Strang ziehen und nicht jeder sein eigenes Süppchen kocht“.

Schnell war der Kontakt ins Rathaus geknüpft. Rasche hebt in dem Zusammenhang das Engagement seiner Mutter Ingrid Rasche hervor. Sie habe dort alle Hebel in Bewegung gesetzt.

Die Internetseite samt Logo habe Philipp Rasche in weniger als 24 Stunden erstellt. Er ist Gründer sowie selbstständiger Unternehmens- und Marketingberater, hat also die nötige Expertise. Die Seite zu bauen sei für ihn kein großer Aufwand gewesen, erzählt er. Hervorzuheben sind in seinen Augen vielmehr die Menschen, die sich bereit erklären, Flüchtlinge für mehrere Wochen aufzunehmen. So wie seine Eltern. „Sie sind Vorbilder für mich“, so Philipp Rasche.

Antworten auf wichtige Fragen

Wer Flüchtlingen ein sicheres Dach über den Kopf anbieten oder anderweitig helfen will, findet auf twistringen-ukraine.de auch Antworten auf die wichtigsten Fragen, zum Beispiel wie lange Geflüchtete aufgenommen werden müssen. Auf der Internetseite können Zeiträume ab acht Wochen gewählt werden. Der Seite ist zu entnehmen, dass allein über das Onlineformular schon sechs Personen angeboten haben, Wohnraum zur Verfügung zu stellen. Insgesamt haben sich über die Seite bisher rund 20 Helfer registriert.

Laut Bürgermeister Jens Bley hat die Stadt Twistringen im Zuge der Zuweisung durch die Landesbehörde am Freitag zwei Flüchtlinge aufgenommen, eine weitere Zuweisung sollte am Montag erfolgen, die genaue Zahl stand zum Zeitpunkt des Gesprächs mit der Kreiszeitung noch nicht fest.

Unabhängig davon sind am Sonntag mehr als 30 Flüchtlinge in Twistringen eingetroffen, die die Bürgerinitiative um Linda Peinemann auf eigene Faust nach Deutschland geholt hat (wir berichteten).

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