Neuer Ärger im festgefahrenen Streit um Sandgruben-Baustelle in Stühren

Zu viel Schrott im Schotter?

Steine des Anstoßes: Dass im Landschaftsschutzgebiet Sand abgebaut werden soll, ist für viele Anwohner ohnehin ein Ärgernis. Für zusätzliche Irritation sorgt bei Georg Brandt, dass er im Straßenbau-Schotter nicht nur Steine findet.
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Steine des Anstoßes: Dass im Landschaftsschutzgebiet Sand abgebaut werden soll, ist für viele Anwohner ohnehin ein Ärgernis. Für zusätzliche Irritation sorgt bei Georg Brandt, dass er im Straßenbau-Schotter nicht nur Steine findet.

Bassum – Ein Rand aus rotem Schotter säumt seit kurzer Zeit den Abschnitt einer Straße in Gräfinghausen. Der Zufahrtsweg zur neuen Sandkuhle ist mit demselben Material ausgelegt. Offensichtlich Bauschutt. Und der enthält nicht nur Stein.

Beim Gang entlang der Straßenbaustelle bleibt Anwohner Georg Brandt immer wieder stehen, um auf Kabelreste oder Kunststoff-Stücke hinzuweisen. Auch Schaumstoff, der wohl einmal als Dämmung gedient hat, ist am Wegesrand zu finden. Brandt wirft der Baufirma ein „Umweltvergehen in einem Landschaftsschutzgebiet“ vor.

Nach einem langwierigen Verfahren und gegen Anwohnerproteste war Anfang 2020 der Startschuss für weiteren Sandabbau gefallen. Das Stuhrer Unternehmen M+S hat die Genehmigung, auf der 35 Hektar großen Fläche am Hügelgrab Sand abzubauen. Damit die 60 bis 75 Vierzigtonner, die dort täglich Sand abtransportieren sollen, freie Bahn haben, legt die Firma neue Zufahrtswege an und verbreitert ein Stück der öffentlichen Straße.

Das ausgebrachte Material stammt von M+S selbst. Denn die Firma ist auch als Abbruch-Unternehmen tätig. Geschäftsführer Axel Habermann versucht zu beruhigen: „Das kommt alles wieder raus.“ Er erklärt: Die öffentliche Straße müsse von jetzt gut drei auf sechs Meter verbreitert werden. Während die vorhandene Straße über die Jahre festgefahren worden sei, müsse der Untergrund im Bereich der Verbreitung noch verfestigt werden. Der Bauschutt, der jetzt ausgebracht ist, soll also dafür sorgen, dass der Boden unter der Fahrbahn später nicht absackt.

Anwohner Brandt vermutet dagegen, dass der Schotter als Unterfütterung der Fahrbahn eingeplant ist. Dem widerspricht Habermann: Das Material sei als Rotstein dafür gar nicht geeignet. Er betont, dass seine Firma eine aufwendige und teure Lösung für eine dauerhafte Fahrbahn finden will. Auch habe er jüngst Bohrkerne ziehen lassen, um die Beschaffenheit des Untergrunds zu untersuchen.

Bevor es an den eigentlichen Straßenbau geht, sollen also Bagger und Fräsen anrücken. Mit dem Bau sei das Verdener Unternehmen Matthäi beauftragt, so Habermann. Und die werde zur Unterfütterung hochwertiges Material verbauen. Mit dem Baubeginn rechnet Habermann für Ende dieses / Anfang nächsten Jahres.

„Straßen sind aus Dreck gebaut“, heißt es in einem Lied von Marius Müller-Westernhagen. Und tatsächlich ist es üblich, Abbruchmaterial im Straßenbau wiederzuverwenden. Das ist – Stichwort Recycling – vom Gesetzgeber auch so gewollt. Auf den Recycling-Aspekt verweist auch Habermann, wenn er fragt: „Wo soll der ganze Bauschutt denn hin?“

Das Prinzip bei der Wiederverwendung von Bauschutt erklärt Uwe Schindler vom Straßenbauamt in Nienburg: „Beim Abbruch muss getrennt werden.“ So müssten Metalle und Kunststoffe herausgezogen werden. Gleiches gilt für gefährliches Material wie Asbest, das immer noch in manch alter Nachtspeicherheizung verbaut ist.

Auch bei M+S werde sortiert – „mit Prüfzeugnis“, betont der Geschäftsführer. Er räumt aber ein, dass man „immer mal einen Dübel“ im so gewonnen Baumaterial finden werde.

„Fremdstoffe“ werden solche Reste aus Holz, Gummi, Kunststoff oder Textil genannt. Im ländlichen Wegebau sei ein Anteil von 0,2 Prozent zulässig, sagt Juri Gellert, der beim Bauamt Bassum für Straßen- und Tiefbau zuständig ist. Wo mit Prüfsiegel gearbeitet werde, „werden wir im Mittel auch dahin kommen“, auch wenn es streckenweise nach mehr aussehe.

Für Irritation sorgt bei Georg Brandt, dass er im Straßenbau-Schotter nicht nur Steine findet.

Im konkreten Fall ist das Bauamt der Stadt Bassum für die Einhaltung der Regeln zuständig. Dass sich in dem Schotter, der in Gräfinghausen verbaut wurde, „ein kleiner Anteil an Fremdstoffen befindet“, war im Rathaus bereits aufgefallen, bestätigte Bauamtsleiter Martin Kreienhop auf Nachfrage der Kreiszeitung. Es gehe aber keine Gefahr von dem Material aus, betonen sowohl Kreienhop als auch Juri Gellert.

Im roten Schotter befinden sich Fremdstoffe.

Wenn Abbruchmaterial im Straßenbau wiederverwendet wird, sind Proben obligatorisch. Geregelt ist das in einem Empfehlungs-Papier, auf das sich die Umweltministerien von Bund und Ländern geeinigt haben.

An dieses Verfahren hat sich M+S offenbar gehalten. Labors hätten die chemische Zusammensetzung geprüft und nichts zu beanstanden gehabt, bestätigt Juri Gellert. Er sagt, dass „Grenzwerte eingehalten worden sind“.

Also alles eine Frage der Wahrnehmung?

M+S-Geschäftsführer Axel Habermann, betont, dass seine Firma doch „nichts Verbotenes“ tue. Und: „Ich möchte, dass das vernünftig über die Bühne geht.“ Anwohner Brandt hält die Erklärungen von M+S für „Quatsch“. Und kündigt an: „Ich lasse mich nicht abwimmeln.“ Brandt hat kein Vertrauen mehr in die Behörden vor Ort. Er kann nicht nachvollziehen, dass in einem Landschaftsschutzgebiet Sandabbau genehmigt worden ist, und dass dort obendrein archäologische Schätze zerstört werden. Brandt will sich nun an die Landes-Umweltbehörde in Hannover wenden.

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