Pläne nehmen konkrete Formen an 

AWG will Gelben Sack durch Verpackungstonne ersetzen

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Die Wertstofftonne bleibt das mittelfristige Ziel, aber der Weg dorthin ist mühsam. AWG-Geschäftsführer Andreas Nieweler will im ersten Schritt die Verpackungstonne einführen.

Bassum - Von Anke Seidel. Der Abschied vom ungeliebten Gelben Sack nimmt konkrete Formen an: Die AWG (Abfall-Wirtschafts-Gesellschaft) will ihn zum 1. Januar 2019 durch eine Verpackungstonne ersetzen. Ein Ziel, an dem AWG-Chef Andreas Nieweler mit Hochdruck arbeitet. Zurzeit stellt er den Kreistagsfraktionen das Konzept vor, das ein Zwei-Stufen-Modell beinhaltet.

Andreas Nieweler weiß, dass ein großer Teil der Bürger auf diese Tonne wartet: „Bis zu 80 Prozent von ihnen sagen, wir wollen den Sack nicht mehr“, hat ein Modellversuch der AWG gezeigt. Doch so einfach ist der Wunsch nach der Tonne nicht zu erfüllen, denn dabei spielt das Duale System Deutschland (DSD) eine zentrale Rolle – und genau das steckt offensichtlich in einer verzwickten Lage: „Es gibt mittlerweile zehn Lizenznehmer solcher Dualen Systeme“, so der AWG-Chef.

Ihr Verhältnis untereinander ist schwierig und das System insgesamt, so berichtet die Fachpresse „Euwid Recycling und Entsorgung“ unter Berufung auf die Deutsche Umwelthilfe, von „falschen Mengenmengen“ und „Betrügereien im großen Stil“ geprägt. Nur ein Drittel der Verpackungen wird tatsächlich recycelt, hat die AWG recherchiert. Der größte Teil wird energetisch verwertet – sprich einfach verbrannt.

Wie schwierig die Zusammenarbeit mit dem Dualen System ist, beweist die Praxis: „Eines der zehn Systeme wird uns als Verhandlungspartner zugelost – und das muss sich dann mit den anderen Systemen abstimmen“, sagt Nieweler. Denn alle drei Jahre schreibt das Duale System die Sammlung und Sortierung der Gelben Säcke neu aus. Den aktuellen Sammelauftrag hat die Arbeitsgemeinschaft aus AWG und dem Unternehmen Stenau im westfälischen Ahaus gewonnen, der Vertrag läuft bis Ende 2018. Die Sortierung der Gelben Säcke übernimmt die Firma GAR in Kastendiek. Ihr Auftrag läuft ebenfalls noch bis Ende 2018.

„Im Mittelpunkt steht der Service-Gedanke“

Die Ausschreibung für die neuen Verträge soll im April kommenden Jahres erfolgen. Zuvor will die AWG mit den Dualen Systemen über die flächendeckende Verpackungstonne verhandeln. Der AWG-Aufsichtsrat unterstützt das aktuelle Konzept einmütig: Ein klares Signal, dass der Kreistag dem Konzept und damit der Verpackungstonne zustimmen wird.

Schwarze Tonne, gelber Deckel – so könnte der solide Ersatz für den hauchdünnen Wertstoffsack ab 1. Januar 2019 aussehen. „Im Mittelpunkt steht der Service-Gedanke“, sagt der AWG-Geschäftsführer. Trotzdem: Eine Wertstofftonne, in die Bürger auch die entsorgte Plastik-Rührschüssel, die alte Bratpfanne oder defektes Kinderspielzeug werfen können, hat die AWG zum genannten Datum bewusst nicht im Blick.

Ein Beweis für das Misstrauen des kreiseigenen Entsorgungs-Unternehmens gegenüber den Dualen Systemen: „Wir wissen nicht, ob diese Wertstoffe dann verwertet oder verbrannt werden“, blickt Nieweler auf diese Haushaltsabfälle aus Plastik und Metall, in der Fachbranche „stoffgleiche Nichtverpackungen“ genannt. Außerdem müsste die AWG – und am Ende der Bürger – anteilig die Kosten für Sortierung und Verwertung tragen.

Wertstofftonne seit 2012 im Blick

Gleichwohl bleibt die Wertstofftonne das mittelfristige Ziel und soll (Stufe zwei des Konzepts) erneut thematisiert werden, „wenn das Duale System finanziell und verwertungsmäßig transparenter wird“. Im Vorfeld der folgenden Ausschreibung, also 2021, soll die Einführung erneut diskutiert werden.

Schon 2012 - und im weiteren Verlauf auch 2015 - hatte Nieweler die Wertstofftonne fest im Blick. Dafür müsse das Finanzierungssystem des Dualen Systems mit dem kommunalen verknüpft werden, sagte er damals – und sprach von einem „gordischen Knoten, den der Gesetzgeber durchschlagen muss“. Auf das neue Verpackungsgesetz, das im Frühjahr verabschiedet wurde und am 1. Januar 2019 in Kraft tritt, hatte der AWG-Chef daher große Hoffungen gesetzt. Doch am Ende zeigte er sich schwer enttäuscht: „Ökologisch gesehen wurde eine riesige Chance zu einer zukünftig besseren Wertstoffverwertung vertan. Eine wirklich ökologisch orientierte Entwicklung wird für viele Jahre ausgesetzt“, lautete sein Kommentar dazu.

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