Aus- und Fortbildungswerkstatt taff hat für August noch freie Plätze

Zeit zum Lernen und Fehler machen

Johanna Matz und David Unger schreiben Programme, die die Maschine dann umsetzen soll.
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Johanna Matz und David Unger schreiben Programme, die die Maschine dann umsetzen soll.

Bassum – Johanna Matz und David Unger sprechen angeregt miteinander. Die beiden Auszubildenden der Firma Stelter stehen vor einer riesigen Maschine der Aus- und Fortbildungswerkstatt „taff“ in Bassum. Sie üben, Programme zu schreiben, damit die CNC-Fräsmaschine weiß, was sie tun soll. Am Ende sollen Werkzeuge rauskommen, die Stelter in seinem Betrieb verwenden kann. „Da kommt es auf tausendstel Millimeter an“, weiß Ausbildungsleiter Markus Tönjes, der die Arbeit seiner Schützlinge im Auge behält.

Solch eine Situation wäre im Betrieb zwar möglich – aber mit viel Aufwand verbunden, den nicht jeder leisten kann, weiß Thomas Roess von der A.H. Meyer Maschinenfabrik aus Twistringen, die zu den Gründungsmitgliedern der Werkstatt gehört. Roess zählt auf: „Jemand – meist der Geselle – muss sich Zeit nehmen, den Azubi zu beaufsichtigen. In der Zeit kann er nichts anderes machen und die Maschine ist auch in Beschlag genommen.“

Von daher seien diese Unterrichtsstunden in der Werkstatt eine Win-Win-Situation für beide Seiten: Der Ablauf im Betrieb geht reibungslos weiter und der Auszubildende kann sich in aller Ruhe ausprobieren, hat immer einen Ansprechpartner – und wenn Fehler passieren, ist das kein großer Verlust. „Die Werkstatt bietet einen Rahmen, den ein Betrieb meist so nicht geben kann. Allein schon, weil nicht alle kleinen und mittelständischen Unternehmen solche Maschinen haben“, sagt Roess. A.H. Meyer habe schon fünf seiner Azubis hier angemeldet und plant, noch mehr zu schicken.

Diese luxuriöse Situation wissen auch Johanna Matz und David Unger zu schätzen. „Es ist viel entspannter als im laufenden Betrieb. Es gibt keinen Druck, man kann auch mal Fehler machen und sich ganz aufs Lernen konzentrieren“, loben die beiden angehenden Zerspanungsmechaniker.

Nebenan sind drei Mitarbeiter der Firma Lubing aus Barnstorf. Sie sind bereits Facharbeiter, werden aber jetzt für das Zerspanungsverfahren fit gemacht. Sie teilen sich den Arbeitsbereich mit zwei weiteren Auszubildenden der Firma Stelter, die den Auftrag haben, innerhalb von 20 Tagen ein Projekt umzusetzen. „Sie bekommen von mir eine Zeichnung, wie das Objekt am Ende aussehen soll. Aber die Arbeitsschritte, welche Maschinen sie dafür verwenden – all das müssen sie selber organisieren und entscheiden“, sagt Tönjes.

In dem Raum für das E-Learning herrscht konzentrierte Stille. Nur ab und zu wird gedämpft gesprochen. Hier bereiten sich zwei Metallbauer von Stahl- und Metallbau Bremer und zwei von der Firma KMH auf ihrer Zwischenprüfung vor. „Gerade in der Corona-Zeit ist dieser Ort für die Azubis eine Hilfe. Diejenigen, die Homeschooling von der Berufsschule aus machen, können herkommen und mit Unterstützung ihre Aufgaben fertigstellen. Das wird gut angenommen“, freut sich Tönjes.

Verwaist sind derzeit die Werkflächen, da diese meist von den Anfängern in Beschlag genommen werden, die die Grundfertigkeiten wie feilen, anreißen und körnen noch trainieren müssen. „Das ist die absolute Basis“, sagt Tönjes. Wer das nicht beherrscht, kommt nicht an die Maschinen.

Aber schon bald werden die Werktische wieder zum Einsatz kommen. 15 neue Auszubildende, die am 1. August beginnen werden, wurden von ihren Betrieben in der Werkstatt angemeldet. „Sechs Plätze sind noch frei“, sagt Derya Vurgun, Netzwerkkoordinatorin von „taff – technische ausbildung für fachkräfte“. Der gemeinnützige Verein betreibt die Werkstatt und freut sich über weitere Firmen, die Mitglied werden und ihren Auszubildenden diese Ergänzung zu der Lehre im Betrieb und dem Unterricht an der Berufsschule bieten möchten. Aber auch Firmen, die nicht Mitglied sind, können einzelne Module für Mitarbeiter buchen – wie das beispielsweise die Firma Lubing macht.

Roess betont: „Jeder kann hier vorbeikommen und mal reinschnuppern. Eltern, Jugendliche oder Schulklassen. Sie können ausprobieren, ob einer der zehn Berufe, die wir hier ausbilden, zu ihnen passen könnte. Wer noch einen Ausbildungsplatz sucht, kann sich auch bei taff direkt bewerben. Der Verein informiert dann seine Mitglieder, dass da jemand auf der Suche ist.“

Derzeit werden zwölf Betriebe und deren 50 Auszubildende betreut. Sieben sind Mitglieder des Vereins. „Es sind immer etwa bis zu zwölf Azubis oder Mitarbeiter gleichzeitig hier. 25 wären möglich“, so Tönjes.

Die Corona-Krise ist – zumindest was die Abläufe angeht – relativ spurlos an der Ausbildungswerkstatt vorbeigegangen, die vor etwa neun Monaten ihre Türen öffnete. „Sie wurde durchgängig betrieben“, sagt Vurgun – wobei natürlich auf die Veränderungen in den Betrieben Rücksicht genommen wurde. „Da die Prüfungen verschoben wurden, haben wir auch die Prüfungsvorbereitungen verlegt“, so Tönjes. Selbstredend achtet die Werkstatt auf die Abstände, dass die Azubis Nasen-Mundschutze tragen. Auch ein Desinfektionsmittelspender wurde aufgestellt.

Wo Corona wirklich reingegrätscht hat, sei die Öffentlichkeitsarbeit. „Wir wollten die Werkstatt durch verschiedene Aktionen bekannter machen, wie einen Tag der offenen Tür oder einen Elternabend“, bedauert Roess. „Die Leute sollen das Konzept verstehen. Es ist ein Angebot für sämtliche Firmen in der Region.“

Kontakt

Wer mehr über die Aus- und Fortbildungswerkstatt erfahren oder sie besuchen möchte, meldet sich bei Derya Vurgun unter 04241/8048370 oder per E-Mail an: vurgun@taff-netzwerk.de. Es gibt ein Video auf youtube.com. Einfach „taff – technische ausbildung für fachkräfte“ in die Suchleiste eingeben.

Von Julia Kreykenbohm

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