„Damals wollte die Welt untergehen“

Vor zehn Jahren: Nichtraucherschutz tiefer Einschnitt in Gaststättenalltag

Landkreis Diepholz - Von Anke Seidel. Für die Gastronomen im Landkreis Diepholz war es vor einem Jahrzehnt ein großer Einschnitt in ihren Alltag: Das Nichtraucherschutzgesetz trieb Tabakkonsumenten damals förmlich von den Theken. Denn Rauchen war künftig nur noch an der Theke möglich, wenn sie in einem Raucherraum stand – der entstand mit dem Gesetz.

„Im Großen und Ganzen hat es sich eingespielt“, sagt Andree Meyer als Vorsitzender des Kreisverbands Grafschaft Hoya im Deutschen Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) nach zehn Jahren Nichtraucherschutzgesetz. Er kann sich noch gut an die Stimmung von damals erinnern: „Da wollte die Welt untergehen, weil man sich nicht vorstellen konnte, wie das funktionieren sollte.“

Der Raucherraum wird, so stellt Meyer klar, nicht nur von Rauchern genutzt: „Bei einer Zigarette wird viel geschnackt. Da kommen auch Nichtraucher.“ In seinem Hotel „Zur Post“ in Neubruchhausen hat er die Gaststätte zum Raucherraum umgewidmet. Besonders zu den Kohlfahrten-Zeiten ist es dort eng: „Da kann man kaum gegen lüften“, schmunzelt Meyer.

Probleme für kleine Kneipen 

Völlig versöhnt ist er mit dem Gesetz noch nicht. „Lieber wäre mir gewesen, wenn wir das hätten selber entscheiden können.“ Gaststätten könne man nicht mit Bahn- oder Flughäfen vergleichen. Das Gesetz sei für Gastronomen ein Eingriff in ihre eigenen oder gepachteten Gaststätten gewesen – und damit in ihren Wirtschaftsbereich. Die klassischen kleinen Kneipen habe es vor enorme Probleme gestellt.

„Wir sind froh, dass wir in Niedersachsen den Raucherraum haben“, sagt Meyer. „Hotelgäste aus anderen Bundesländern, die eine solche Regelung nicht haben, sind hellauf begeistert“. Rechtlich erlaubt sei das Rauchen in Party-Räumen, sofern der Vermieter das zulasse: „Party-Räume fallen nicht unter das Gaststättengesetz.“ Will heißen: Wenn Rauchen ein Feier-Faktor ist, treibt das Gesetz die Gäste in die Party-Räume.

„Die Gastronomie ist auf jeden Gast angewiesen“, sagt Albert Wiedemann, einer der beiden Vorsitzenden im Dehoga-Kreisverband Diepholz-Sulingen. Wiedemann will nicht zu viel sagen, stellt aber grundsätzlich fest: „Am Anfang, wenn etwas neu ist und sich Gewohnheiten ändern, ist es schwierig. Das ist normal, wenn es um Bedürfnisse geht. Da wird viel diskutiert über Möglichkeiten, damit umzugehen.“ Mittlerweile habe sich alles eingespielt.

Gäste passen sich an 

War das Nichtraucherschutzgesetz aus seiner Sicht notwendig? „Nein“, antwortet der Hotelier aus Wagenfeld. „Seit es Tabak gibt, ist doch in Gastwirtschaften geraucht worden.“ Probleme gebe es heute nicht mehr. Die Gäste seien mit dem Raucherraum zufrieden.

Wilhelm Nordloh, ebenfalls Vorsitzender des Dehoga-Kreisverbands Diepholz-Sulingen, erinnert sich durchaus an unzufriedene Gäste von damals, als das Gesetz in Niedersachsen schon in Kraft war und im Nachbar-Bundesland noch nicht: „Damals haben Gäste aus Nordrhein-Westfalen unser Restaurant verlassen, weil sie bei uns nicht rauchen durften“, blickt der Chef des Landhauses Nordloh in Sulingen zurück. Sein Resümee: „Im Nachhinein gesehen ist das Gesetz eine gute Sache.“

Rubriklistenbild: © dpa

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