Neue Initiative will Naturtier schützen / „Wild ist seine Hauptnahrung“

Wolf – Friedfertiger als Haushund

Ariane Müller ist Vorsitzende der bundesweiten Interessengemeinschaft Wolfsfreunde, die so schnell wie möglich neue Mitglieder gewinnen will.
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Ariane Müller ist Vorsitzende der bundesweiten Interessengemeinschaft Wolfsfreunde, die so schnell wie möglich neue Mitglieder gewinnen will.

Landkreis  Diepholz – Nein. In Natura hat Ariane Müller noch keinen Wolf gesehen, obwohl sie sich so oft wie möglich in der Natur aufhält. „Aber Losung natürlich“, sagt die Bassumerin über Hinterlassenschaften eines faszinierenden Wildtiers. Trittsiegel, die so charakteristischen Spuren des Wolfs, habe sie auch schon entdeckt. Dem Wolf ist die Bassumerin mit großer Energie auf der Spur – sowohl in der Landschaft als auch in der Sachliteratur.

„Ich habe unendlich viele Bücher gelesen“, sagt Ariane Müller.

Jetzt will sie mit Gleichgesinnten den Wolf nachhaltig schützen. Deshalb hat sie mit sieben weiteren Wolfsfreunden die bundesweite „Interessengemeinschaft Wolfsfreunde Deutschland“ (IWD) gegründet und den Vorsitz übernommen. Ihre Stellvertreterin ist Katja Ahrens aus Tespe, Schatzmeisterin Alexandra Urban-Bauch aus Adendorf.

Ziel: Erhalt wildlebender Wölfe

„Der Verein setzt sich für den Erhalt der wild lebenden Wölfe in Deutschland ein, deren sicheren Bestandsschutz, die Pflege, Akzeptanz und Aufklärung sowie Ausweisung weiterer FFH-Schutzgebiete auch für die Wölfe“, erläutert die neue Vorsitzende. Dafür brauchen die Wolfsfreunde Verbündete – genau die wollen sie durch Aufklärungsveranstaltungen und Öffentlichkeitsarbeit finden.

Und möglichst schon Kindern in der Schule beibringen, wie der Wolf lebt und warum er ein wichtiger Teil der Natur ist. Ariane Müller schwebt so etwas wie ein „Wolfskoffer“ mit kindgerechten Materialien vor, mit dem die Initiative in Kindergärten oder Schulen gehen könnte. Schon früh möchte die Initiative Jungen und Mädchen an die Verantwortung für den Natur-, Landschafts-, Tier-, Arten- und Umweltschutz heranführen.

Vor allem aber freut sich die Vorsitzende darauf, das Wolfsbüro in Bassum an der Obsterbinder Straße 3 zu eröffnen. Jeden Donnerstag von 15 bis 18 Uhr, so der Plan, will die Vorsitzende dort alle Interessierten über das Wildtier informieren. „Sobald die Pandemielage es zulässt“, sagt Ariane Müller, die seit 47 Jahren als Intensivkrankenschwester im Bremer Klinikum Mitte arbeitet – auch als Rentnerin noch.

Man läuft sich über den Weg

Ariane Müller

Wie haben sich die aus ganz Deutschland kommenden Gründungsmitglieder gefunden? „Man läuft sich zwangsläufig über den Weg“, schmunzelt die Bassumerin, „entweder bei Informationsveranstaltungen oder im Wald“. Aber auch eine ihrer Arbeitskolleginnen und ein Arbeitskollege gehören zum Gründerkreis der IWD.

Die Öffentlichkeitsarbeit wird bei der IWD ganz groß geschrieben. Will heißen: Immer wieder verfasst sie Pressemitteilungen, nimmt Stellung zu Wolfs-Abschussplänen. „Wir standen schon in der Zeit“, ist Ariane Müller stolz. „Auch in Hannover haben wir uns schon einen Namen gemacht. Wir haben direkte Kontakte ins Innenministerium.“

Dass der Wolf ins Jagdrecht aufgenommen wird, ist nach Auffassung der IWD weder möglich noch akzeptabel. Unverzichtbar aber sei der Dialog: „Wir wollen versuchen, dass wir wieder einen runden Tisch bekommen“, sagt Ariane Müller. Wolfsfreunde, Wolfsgegner und die Politik müssten in jedem Fall im Gespräch bleiben.

Die Fakten sollen zählen

Wichtig ist es der IWD-Vorsitzenden, faktenbasiert zu argumentieren – vor allem bei der aktuellen Zahl der Wölfe. „Der Bestand ist absolut noch nicht gesichert“, betont die Vorsitzende. Will heißen: Eine belastbare Zahl über die Wolfspopulation in Niedersachsen gibt es nicht. Ariane Müller schätzt, „dass wir in Niedersachsen nicht mal 80 Wölfe haben“.

Ein Rudel bestehe in der Regel aus zwei Elterntieren, einem – später abwandernden – Jährling und den Welpen. Von denen würden längst nicht alle erwachsen. Krankheiten oder Unfälle gebe es auch bei diesen Tieren.

Wie viele Rudel könnten maximal in Niedersachsen leben? Bis zu 50 hält Ariane Müller für realistisch. Wild sei genug vorhanden. Weidetiere seien durch wolfssichere Zäune und Herdenschutzhunde schon gut geschützt. Davor seien sie für den Wolf natürlich leichte Beute gewesen. Für sie ist das nachvollziehbar: „Wir Menschen holen uns ja auch das fertige Essen aus der Pizzeria.“

Mit wolfssichernden Maßnahmen könnten Mensch und Wolf friedlich miteinander leben – davon ist die IWD-Vorsitzende fest überzeugt. Wissenschaftler gehen davon aus, dass sich Wolf und Mensch vor ungefähr 15 000 bis 20 000 Jahren angefreundet haben – vielleicht schon vor 50 000 Jahren, meint Ariane Müller.

Nur Unterschied in 67 Genen

Der Wolf ist der Urvater des Hundes. Der größte Teil ihrer rund 20 000 Gene sei gleich, so die Bassumerin: „Sie unterscheiden sich nur in 67 Genen.“ Der Wolf passe sich der Natur an: „Haushunde sind viel gefährlicher, wenn Menschen Fehler bei der Erziehung machen.“ Dass ein Wolf einen Menschen getötet habe, das habe sie noch nicht gelesen. Aber dass ein Hund einen Menschen angreife, das gebe es ja immer wieder.

Kontakt

IWD-Vereinssitz: Bassum, Osterbinder Straße 3. Per E-Mail ist ihr Wolfsbüro zu erreichen unter: wolfsbüro-iwd@t-online.de, per Telefon donnerstags 15 bis 18 Uhr unter 0151/62470603.

Von Anke Seidel

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