Beratungsstelle stärkt Menschen in Krisensituationen

Wirklich Wichtiges im Leben

Helfen Menschen in schwierigen Lebenslagen: (v.l.) Martin Wiesler, Markus Melnyk, Ulrike Leim, Gaby Hübner und Ingrid Pleuß (es fehlen Bernadette Siegmann und Iris Stegemann). - Foto: Seidel

Bassum - Von Anke Seidel. Der Leidensdruck ist manchmal unerträglich. Die Ehe steht vor dem Aus – und die täglichen Aufgaben in Beruf, Familie, Haus und Garten überfordern die persönlichen Kräfte völlig. Das Leben scheint düster, die Lage aussichtslos. In solchen Krisen wieder Halt und Hoffnung zu geben, daran arbeiten die Ehe-, Familien- und Lebensberater in der psychologischen Beratungsstelle Bassum.

Sie unterstützen ihre Klienten bei der Lösung ihrer Probleme und bei der Selbstfindung – bei der Suche nach der eigenen Antwort auf die Frage: „Was ist wirklich wichtig im Leben?“

Das Bistum Osnabrück finanziert diese Einrichtung und die dazugehörende Erziehungsberatungsstelle in Sulingen. Vier Jahrzehnte schon bietet die Beratungsstelle in katholischer Trägerschaft Menschen in Ausnahme-Situationen Hilfe. „Egal welcher Konfession, ob sie eine Religion haben oder nicht“, so die Mitarbeiter. Der Impuls zur Gründung 1977 kam aus dem katholischen Twistringen. Dass Betroffene möglichst ungesehen die Beratungsstelle nutzen können, war ein Grund für die Standort-Wahl Bassum; für alle Menschen unabhängig vom Glauben offen zu sein, der zweite: Seelsorge der psychologischen Art. „Dafür ist die Kirchensteuer gut angelegt“, betont Markus Melnyk.

Zahlen beweisen das: Allein 2015 haben sich 248 Ratsuchende neu gemeldet. Mit 1120 Klienten arbeiteten die Beraterinnen und Berater. „Es kommen immer mehr Männer als Einzelpersonen zu uns“, sagt Melnyk, „das war früher nicht so“. Geändert haben sich vor allem die Probleme. „Bis 1977 musste der Ehemann zustimmen, wenn die Frau arbeiten gehen wollte“, so Martin Wiesler. Seitdem hat sich die Rollenverteilung völlig geändert.

„Paare müssen heute ständig aushandeln, wer was macht“, berichtet Gaby Hübner über die Organisation des Familienalltags, wenn beide berufstätig sind. Dass sie sich in Beziehungskrisen an die Beratungsstelle wenden, freut sie: Das zeige den Wunsch, an der Beziehung arbeiten zu wollen, und Vertrauen. Die Sprachlosigkeit überwinden und lebbare Lösungen finden: Aufgabe der Partner, bei der die Ehe-, Familien- und Lebensberater sie engagiert unterstützen – in dem Wissen, dass es keine auf ewig heile Welt gibt. „Konflikte gehören zum Leben“, sagt Wiesler. Die Fähigkeit, damit umgehen zu können, „das ist der ganz große Punkt“, so Markus Melnik.

Die Berater wissen, dass Paare und Familien einem enormen Druck ausgesetzt sind: „In dieser Leistungsgesellschaft muss jeder funktionieren“, stellt Wiesler fest. Immer mehr Eltern kommen an ihre Grenzen: „Die Erziehungsunsicherheit nimmt tendenziell zu“, bestätigt Melnyk Erfahrungen in der Erziehungsberatungsstelle Sulingen. Sie ist ausschließlich für den Sozialraum Sulingen zuständig. Für Eltern in anderen Orten gibt es die Erziehungsberatungsstellen Syke und Diepholz.

Was wünschen sich die Berater, was raten sie? „Weniger Leistungsgesellschaft“, so Melnyk, „und dass Menschen sich Zeit nehmen. Zeit für sich selber, für die Familie und den Partner, für Muße“. Gaby Hübner wünscht sich ein neues Schulfach, damit schon Kinder lernen: „Wie geht man miteinander um? Wie hört man zu?“ Mal innehalten, sich selbst überdenken „und sich nicht verrückt machen lassen in dieser Konsumgesellschaft“, lautet der Rat von Wiesler. „Man sollte auch erkennen, dass Umwege zum menschlichen Leben dazugehören.“

Weitere Informationen

Fachberatung

Die Ehe-, Familien- und Lebensberater verfügen über eine psychologische und/oder eine sozialpädagogische Fachausbildung. Die Beratungsstelle in Bassum, Syker Straße 4, ist montags, dienstags und donnerstags in der Zeit zwischen 16 und 19 Uhr sowie mittwochs von 10 bis 12 Uhr unter Telefon 04241/1003 zu erreichen. Ale Mitarbeiter haben Schweigepflicht. Sämtliche Mitteilungen werden streng vertraulich behandelt.

Fakten

59,4 Prozent der Ratsuchenden sind im Alter zwischen 27 bis 49 Jahre, 13 Prozent älter als 60 Jahre. Ein Zehntel (exakt zehn Prozent) der ratsuchenden Paare mit Kindern ist von Trennung oder Scheidung betroffen. Ein weiteres Zehntel (10,5 Prozent) sind junge Menschen im Alter zwischen 18 bis 23 Jahren. Viele wünschen sich eine eigene „heile“ Familie mit konstanten Beziehungen. Oft hatten sie selbst die Scheidung ihrer Eltern erlebt.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema:

Amri-Ausschuss in NRW nimmt Rolle von V-Mann ins Visier

Amri-Ausschuss in NRW nimmt Rolle von V-Mann ins Visier

Fahrgeschäfte, Buden, Zelte: Das gefällt den Besuchern am besten 

Fahrgeschäfte, Buden, Zelte: Das gefällt den Besuchern am besten 

Das sind die zehn reichsten Menschen der Welt

Das sind die zehn reichsten Menschen der Welt

Werder-Ankunft in Köln

Werder-Ankunft in Köln

Meistgelesene Artikel

„Sperrung könnte auch länger dauern“

„Sperrung könnte auch länger dauern“

Intercity beschossen? Zug stoppt im Bahnhof Diepholz

Intercity beschossen? Zug stoppt im Bahnhof Diepholz

Ersatzhaltestelle wird aufgehoben

Ersatzhaltestelle wird aufgehoben

Wenn das Leben zum quälenden Rätsel wird

Wenn das Leben zum quälenden Rätsel wird

Kommentare