Angehörige verzweifelt

Pflegeplätze in Bassum sind nahezu ausgebucht

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Einen Angehörigen zu Hause zu pflegen, ist vielen Menschen nicht möglich. Sie sind auf Plätze in Pflegeheimen angewiesen.

Bassum - Von Julia Kreykenbohm. Die Mutter von Silke B. hat immer ein eigenständiges Leben geführt. Dann verändert ein Schlaganfall alles. Wenn sie aus dem Krankenhaus entlassen wird, wird sie auf Pflege angewiesen sein. Silke telefoniert ein Pflegeheim nach dem anderen an, doch alle sind ausgebucht.

Verzweiflung macht sich breit. Zwar ist das Krankenhaus verpflichtet, sicherzustellen, dass ein pflegebedürftiger Patient gut unterkommt. Aber dann haben die Angehörigen keinen Einfluss darauf, wo er hinkommt. Und Silke will ihre Mutter in der Nähe haben, um sie regelmäßig besuchen zu können.

So wie in diesem erdachten Beispiel geht es vielen Bassumern, die ihre pflegebedürftigen Angehörigen vor Ort unterbringen möchten. „Bassum ist ausgebucht“, schreibt die Seniorenbeauftragte Heimke Möhlenhof in ihrem Bericht. „Es bestehen Wartelisten. Kurzzeitpflegeplätze sind Mangelware.“ Und selbst wenn ein Heim noch freie Plätze habe, so könnten diese nicht immer belegt werden. Der Grund: Es gibt nicht genug Personal, um die Menschen zu betreuen.

Die Verzweiflung der Leute kennt auch Andreas Kurzawski von der Pflegedienstleitung vom Altenpflegeheim Eichenhof. „Sie stehen unter großem Druck, wenn sie hier anrufen und sagen: ,Ich brauche dringend einen Platz!’ Es gibt Leute aus Sulingen, die bis nach Minden fahren. Teilweise müssen sie 50 bis 60 Kilometer in Kauf nehmen.“ Die Frage nach Kurzzeitpflegeplätzen sei enorm, wobei diese dann oft in Langzeitpflege übergehen. „Akute Plätze sind sehr gesucht – also für Leute, die gerade aus dem Krankenhaus kommen“, weiß Kurzawski. 36 Plätze kann der Eichenhof bieten, 34 seien belegt. „Wir hatten auch schon mal Wartelisten von bis zu 15 Leuten.“

Im Haus Rosengarten, der Schwester-Einrichtung in Groß Ringmar, sind es 31 Plätze, von denen 30 belegt sind. „Wir müssen bei der Belegung natürlich auch immer schauen, dass die Bewohner zueinander passen“, erläutert Kurzawski.

Das Seniorenpflegeheim Drei Linden hat 68 Plätze und ist „voll belegt“, wie Sprecherin Stella Rücker bestätigt. Auch hier existiere eine Warteliste von bis 15 Personen. Allerdings seien hier eher die Langzeitpflegeplätze gefragt. „Wir erleben hier auch viele verzweifelte Angehörige“, so Rücker.

Auch das Seniorenzetrum Curata könne bei seinen 55 Plätzen kaum noch Bewohner aufnehmen, sagt Knut Maier-Preuß. Die meisten kommen direkt aus dem Krankenhaus und benötigen Kurzzeitpflege, aus der dann häufig Langzeitpflege wird. „Das ist bei jedem zweiten der Fall“, so Maier-Preuß. Beim Curata sind eher die Langzeitplätze gefragt. Auch er nimmt den starken Druck auf die Angehörigen wahr. „Manche Bassumer fahren bis nach Oldenburg oder Wildeshausen, um auszuweichen.“

Aus diesem Grund sei es wichtig, den Fokus weiterhin auf die Situation der Familien zu richten und dort Hilfe, Unterstützung und niedrigschwellige Angebote bereitzustellen, schreibt Möhlenhof. Dazu zählt besonders die Seniorenberatungsstelle in Bassum, deren Arbeit stetig anwächst. „2018 wurden 304 Beratungen zur Pflegeversicherung, Antragstellung, Ausfüllen von Dokumenten und Kostenermittlungen gegeben. Das ist ein Plus von 35 Prozent“, sagt Möhlenhof.

Ursel Born, die mit ihrer Kollegin Nina Ehlers-Röpe die Stelle leitet, bestätigt das. „Es ist seit dem vergangenen Jahr noch extremer geworden und es wird noch entsetzlich werden, wenn die geburtenstarken Jahrgänge kommen. Besonders kritisch wird es im Norden des Landkreises, weil wir hier dichter besiedelt sind.“

Auch die drei Pflegedienste seien überlastet. „Sie versuchen alles, haben aber einfach nicht genug Personal um“, weiß Born.

Entsprechend ratlos und nervlich am Ende sind die Angehörigen, die zu ihr in die Beratungsstelle kommen. „Viele sind berufstätig oder wohnen woanders, sodass es ihnen nicht möglich ist, die Betroffenen zu Hause zu betreuen. Und manche trauen sich die Pflege auch schlichtweg nicht zu.“ Wieder andere reduzieren ihren Job oder nehmen gar eine Auszeit. Aber für Dauerpflegebedürftige sei das auch keine Lösung. Zumal auch der finanzielle Aspekt eine wichtige Rolle spiele, da pflegende Angehörige nicht das Geld bekommen, das sie regulär im Job verdienen würden.

Ein wenig Entlastung für Bassum komme schon. Zum einen durch das Mühlenquartier, das Tagespflege, ein Haus für Kurzzeitpflege und Wohnungen für betreutes Wohnen biete, und zum anderen durch die neue Tagespflege, die der Pflegedienst Stecker einrichten will. Doch letztendlich werden nur mehr junge Menschen, die sich für den Pflegeberuf entscheiden, die große Entlastung bringen, sind sich Born und Möhlenhof einig.

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