Interview: Alexianer-Geschäftsführer Uwe Lorenz über Pflegekompetenzzentrum, Umzug und neue Mitarbeiter

„Wir würden sehr gerne mitgestalten“

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Die symbolischen 100 Tage hat Uwe Lorenz (rechts) als Geschäftsführer der Alexianer-Kliniken im Landkreis Diepholz längst hinter sich, hier mit Pressesprecher Georg Beuke vor der großen Landkreis-Karte am Noch-Verwaltungsstandort Eydelstedt.

Landkreis Diepholz - Sie sind lebenswichtige Einrichtungen für die 211 000 Menschen im Landkreis Diepholz – und das im Wortsinn. Die Alexianer-Kliniken in Bassum, Sulingen und Diepholz müssen sich unter äußerst schwierigen Rahmenbedingungen bewähren. Und für das St. Annen-Stift Twistringen hat längst eine neue Zeitrechnung begonnen. Ebenso in der Geschäftsführung, die nun in den Händen von Uwe Lorenz liegt. Die symbolischen 100 Tage hat er längst hinter sich gebracht. In einem Interview nimmt er Stellung zu entscheidenden Fragen.

Herr Lorenz, wenn Sie Ihre ersten 100 Tage als Geschäftsführer der Alexianer-Kliniken im Landkreis Diepholz in einem Satz beschreiben sollten: Wie würde er lauten?

Uwe Lorenz: Intensiv, auch spannend und von vielen Veränderungen begleitet; es war viel aufzunehmen, viel zu verstehen und viel zuzuhören, zusätzlich war buchstäblich vom ersten Tag an das Thema Standort-Debatte auf der Agenda. Definitiv zu erwähnen ist noch eines: Ich habe tolle und motivierte Mitarbeiter in allen Bereichen vorgefunden. Das ist natürlich hilfreich und macht vieles leichter.

Mit der Einweihung des Zentrums für seelische Gesundheit in Bassum ist ein Meilenstein in der Krankenhaus-Geschichte im Landkreis Diepholz gesetzt. Wie geht es nach dem Beschluss des Aufsichtsrates, die Verwaltung von Eydelstedt in das St. Annen-Stift zu verlegen, jetzt weiter?

Lorenz: Der Umzug ist beschlossen und jetzt wird die konkrete Umsetzung geprüft und geplant: Was passt denn alles in das Twistringer Haus? Wir haben rund 70 Mitarbeiter, zum Beispiel in der Buchhaltung, im Baubereich, der Technik und den patientenfernen Bereichen, die potenziell dorthin verlagert werden könnten. Einzelne Verwaltungsbereiche wiederum gehören besser direkt in die Krankenhäuser. Dies betrifft dann auch mich als Geschäftsführer: Ich möchte meine Präsenz an den drei Standorten erhöhen.

Ist das St. Annen-Stift damit dann voll belegt?

Lorenz: Das ist es wohl. Mein ganz persönlicher Wunsch wäre es, etwa 20 bis 25 Prozent des Hauses frei zu behalten, um noch weitere Entwicklungen gestalten zu können.

Und wie ist die aktuelle Belegung über die Verwaltung hinaus?

Lorenz: Dorthin zieht von Eydelstedt die kinder- und jugendpsychiatrische Tagesklinik mit zurzeit zehn Plätzen. Die psychiatrische Tagesklinik für Erwachsene mit 14 Plätzen bleibt in Twistringen bestehen – ebenso die psychiatrische Institutsambulanz sowie die ambulante psychiatrische Krankenpflege. Die bestehende Arztpraxis bleibt Stand heute ebenfalls. Außerdem sollen die indischen Ordensschwestern von „Missionary Sisters of Mary Immaculate“ ins Haupthaus des St. Annen-Stiftes ziehen, um bessere Wohnmöglichkeiten zu schaffen. Der Verwaltung stehen in Eydelstedt momentan rund 3 100 Quadratmeter inklusive Archivräume zur Verfügung. In Twistringen müssen dann wohl alle enger zusammenrücken.

Die Krankenpflegeschule der Alexianer zieht nach dem Aufsichtsratsbeschluss ins noch einzurichtende Pflegekompetenzzentrum in Syke. Wann und mit wie vielen Schülern?

Lorenz: Wir haben im Augenblick 82 Schüler. Wann wir umziehen, ist offen. Das hängt auch von der Verabschiedung des Gesetzes zur generalisierten Pflegeausbildung ab. In das Pflegekompetenzzentrum bringen wir uns auch gerne ein – und würden, wenn es gewünscht ist, auch gerne mitgestalten.

Veränderungen im Gesundheitswesen haben eine enorme Dynamik: Die Krankenkassen erhöhen die Beiträge, und trotzdem schreiben viel zu viele Kliniken rote Zahlen. Wie ist die Situation der Krankenhäuser im Landkreis Diepholz, die ein Defizit von acht Millionen Euro haben?

Lorenz:  Das Defizit beträgt nicht acht Millionen, sondern es fällt wohl deutlich geringer aus. Dass die Häuser aber defizitär sind, ist ja bekannt. Unsere Aufgabe ist es in den kommenden Jahren, intensiv an der Verringerung dieses Defizits zu arbeiten und das Unternehmen wirtschaftlich weiter zu stabilisieren.

Zeichnen sich weitere Strukturveränderungen ab?

Lorenz: Ja, definitiv. Wir arbeiten an allen drei Standorten an der Schärfung des medizinischen und pflegerischen Profils, deshalb werden natürlich weitere Veränderungen stattfinden. Wir sind froh, dass die Abteilung für Altersmedizin am Krankenhaus Bassum so gut angelaufen ist – und genauso froh darüber, dass die Krankenhäuser gut ins neue Jahr gestartet sind. Die Zahlen des ersten Quartals sind deutlich besser als im Vorjahr. Wir suchen übrigens für die neue Psychiatrie in Bassum noch zusätzliche Pflegekräfte – und stellen sie unbefristet ein. Im Zentrum für seelische Gesundheit können wir Arbeitsplätze in einer sehr zeitgemäßen, patientenorientierten Psychiatrie anbieten. Und wir bieten – interessant für die breite Öffentlichkeit – an unseren Krankenhäusern Tage der offenen Tür an. Der erste Tag der offenen Tür findet in Bassum am 22. Mai statt. Hierzu darf ich schon jetzt herzlich einladen.

Was wünschen Sie sich für die Zukunft?

Lorenz: Dass man uns die Zeit gibt, die Zukunft der Krankenhäuser im Landkreis Diepholz weiterhin positiv gestalten zu können und zu dürfen – und dass wir hierfür im Sinne einer guten Patientenversorgung die notwendige Unterstützung erhalten. Die Zeit brauchen wir.

Die Fragen stellte Anke Seidel

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