Über Flucht und Vertreibung

Ausstellung in der Oberschule: „Wir wollten nur überleben“

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Bei der Eröffnung der Ausstellung „Geflohen, vertrieben – angekommen!?“ erzählte der 16-jährige Kusai Almasri von seinen eigenen Erfahrungen auf der Flucht. Von links: Schulleiter Cord Mysegaes, Geschichtslehrer Alexander Kandt, Bürgermeister Christian Porsch, Landrat Cord Bockhop, Kusai Almasri, Volksbund-Geschäftsführer Ottmar Strehler und Bildungsreferent Coskun Tözen.

Bassum - Von Ute Schiermeyer. „Geflohen, vertrieben – angekommen!?“ ist der Titel einer Ausstellung des Volksbunds Deutsche Kriegsgräberfürsorge, die aktuell im Forum der Oberschule Bassum zu sehen ist.

Zur Eröffnung der Wanderausstellung waren am Montag sowohl Vertreter der Politik als auch Lehrer, Schüler und Bürger gekommen. Darunter einige, die Vertreibung und Flucht im oder nach dem Zweiten Weltkrieg selbst erfahren mussten.

Auf den Stellwänden wechseln sich farbige Bilder und Schwarzweißfotografien ab. Bilder aus dem Zweiten Weltkrieg stehen denen der Flucht im 21. Jahrhundert gegenüber. Karten und Texte informieren über Zwangsmigration, Deportation, Assimilation und Diskriminierung. Aber auch die heutige Willkommenskultur findet einen entsprechenden Platz an den Wänden.

Alexander Kandt, Geschichtslehrer an der OBS, holte die Ausstellung nach Bassum. Er möchte das Thema schwerpunktmäßig mit Neunt- und Zehntklässlern erarbeiten, hält die Ausstellung aber bei entsprechender Vorbereitung auch für jüngere Klassen für geeignet. Der Volkbund stellt umfangreiches Begleit- und Unterrichtsmaterial zur Verfügung.

Flucht und Kriegsfolgen sind aktuelle Themen

Landrat Cord Bockhop ist Kreisvorsitzender des Volksbunds. „Man denkt zunächst, der Volksbund beschäftigt sich mit vergangenen Kriegen. Das Thema hat aber leider nicht an Aktualität verloren“, sagte er in seiner Begrüßungsansprache. Verbrechen, Kriegsfolgen und Flucht gäbe es leider aktuell immer noch. Das Ziel sei das Ankommen. Darum freue er sich besonders, dass die Oberschule mit Sprachlernklasse, Sprachförderung und Integration der Geflüchteten so gute Arbeit leiste.

Bürgermeister Christian Porsch berichtete, das Thema Flucht sei ihm seit seiner Kindheit sehr vertraut. Seine Eltern waren am Ende des Zweiten Weltkrieges aus Ostpreußen geflohen. Er habe als Kind sehr viele Fragen gehabt, die alle geduldig beantwortet wurden. „Wir wollten einfach nur überleben“, hätten seine Eltern die entscheidende Frage nach dem Warum beantwortet.

16-Jähriger berichtet von Fluchterfahrung

Ums Überleben ging es auch bei der Flucht von Kusai Almasri. Der 16-jährige Schüler kam vor anderthalb Jahren aus Syrien nach Bassum. Er berichtete den Zuhörern von seiner eigenen Erfahrung vor und während seiner Flucht vor dem Krieg. Über die Balkanroute sei er nach Deutschland gekommen. Ohne Eltern, aber in einer kleinen Gruppe mit anderen Syrern. „Am Anfang war es sehr schlimm, weil ich kein Deutsch konnte“, erzählt er. Mittlerweile habe er von der Sprachlernklasse in eine Regelklasse wechseln können.

Betroffen machte die Zuhörer Kusais Schilderung, dass er schon viele Freunde und Verwandte verloren habe. Ihm gehe es gut in Bassum, sagt der Jugendliche. Mittlerweile ist er in einer Pflegefamilie untergekommen und hofft, dass auch seine Eltern Syrien verlassen können.

Die Arbeit des Volkbunds stellte Coskun Tözen im Anschluss vor. Kernthema seien nach wie vor Kriegsgräberstätten. Daneben gäbe es ein breites Programm aus Schüleraustausch, Workcamps und Bildungsarbeit.

Die Ausstellung ist bis zum 8. Juni im Forum der Oberschule zu sehen. Für interessierte Bürger ist sie an Schultagen bis 13 Uhr zu sehen.

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