Verein „Ein Tropfen Hoffnung“ bekommt in der Corona-Zeit mehr Anfragen als je zuvor

„Wir kommen an unsere Grenzen“

Seit drei Jahren aktiv: Der Verein Ein Tropfen Hoffnung möchte Familien mit erkrankten oder beeinträchtigen Kindern aus der Region schnell und unbürokratisch helfen.
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Seit drei Jahren aktiv: Der Verein Ein Tropfen Hoffnung möchte Familien mit erkrankten oder beeinträchtigen Kindern aus der Region schnell und unbürokratisch helfen.

Bassum – Nick (Name geändert) ist erst acht Jahre alt und hat schon mehr zu tragen, als manch einer in seinem ganzen Leben. Der Junge aus Twistringen hat von Geburt an keinen Magen. Er muss speziell ernährt und 24 Stunden am Tag intensiv betreut werden. Das Geld, das seine Mutter vom Amt bekommt, reicht nicht aus, damit die kleinen Brüder von Nick Winterkleidung bekommen können. Um die tägliche Ernährung sicherzustellen, geht die Familie zur Tafel.

Andre Bartels, Vorsitzender des Vereins „Ein Tropfen Hoffnung“ aus Bassum, klingt erschüttert, während er die Geschichte des Jungen erzählt. „Aufgrund von Reaktionen auf verschiedenes Essen fällt Nick in der Grundschule oftmals plötzlich und unerwartet um, und muss infolgedessen sofort nach Hause gebracht werden, damit er an die Spezialernährungssonde angeschlossen werden kann. Sofern der Zeitraum zwischen der Ohnmacht und der Verbindung zur Sonde zu lange andauert, nehmen die inneren Organe erheblichen und irreparablen Schaden“, so Bartels.

Die Mutter sei völlig verzweifelt und habe durch die ständigen Abwesenheitszeiten ihren langjährigen Job verloren. Dabei müssen spezielle und auch teure medizinische Artikel besorgt und diverse Umbaumaßnahmen durchgeführt werden. Deswegen wandte sich Nicks Mama an „Ein Tropfen Hoffnung“. Und sie ist nicht die Einzige.

„Wir haben in den letzten Wochen bis zu vier Anfragen bekommen“, erzählt Bartels. Das ist eine völlig neue Situation für den Verein, der es sich auf die Fahnen geschrieben hat, Kinder mit Beeinträchtigungen und ihre Familien durch Spenden schnell und unbürokratisch zu unterstützen. Seit mehr als drei Jahren existiert die private Stiftung und bisher war es immer so, dass es mehr Spender als Empfänger gab. Die meisten Familien, denen Bartels Hilfe anbot, lehnten ab.

Corona hat das Bild umgekehrt. „Wir kommen jetzt an unsere Grenzen“, schildert der Geschäftsführer der Carl Cordes GmbH in Bassum. „Die Pandemie trifft die Schwächsten der Gesellschaft besonders hart, weil Behörden oder Ämter zum Teil unterbesetzt sind, wo wichtige Entscheidungen getroffen werden. Außerdem müssen auch Hilfegesuche aufgrund von Gesetzesvorgaben abgelehnt werden. Aber die Kinder benötigen sofort und ohne jegliche Bürokratie unsere Hilfe.“ Denn wer Unterstützung braucht, müsse erst mal genau nachweisen, dass er sie auch braucht. Das bedeutet viel Papierkram. Und wenn die Hilfe dann kommt, reiche sie nicht immer aus.

So wie bei dem 17-jährigen Aron aus Bassum. Seit seiner Geburt sei er ans Bett gefesselt. „Er hat schwere Epilepsie und ein Lungenödem und muss deswegen oft beatmet werden“, berichtet Bartels. Die vergangenen Wochen seien für ihn und seine Mutter schrecklich gewesen, da er bereits zweimal aufgrund einer schweren Lungenentzündung ins Krankenhaus eingeliefert werden musste.

„Seine Spezialschule durfte Aron seit sieben Monaten nicht mehr besuchen, da die Pandemie den tagtäglichen Besuch unmöglich gemacht hat“, so Bartels „Insofern hat sich seine Mutter rund um die Uhr um ihn kümmern müssen. Für sie gibt es keine Pause, kein Durchatmen mehr. Hinzu kommt, dass seine immer helfende Großmutter und auch sein Bruder innerhalb dieses Jahres gestorben sind. Die Mutter ist von Beruf Krankenschwester, kann ihrem Job aber nicht mehr nachgehen.“

Aron brauche einen sterilen Raum und müsse in ruhiger Atmosphäre beatmet werden. Aktuell lebten aber er und seine Mutter in Räumen, die stark von Schimmelpilz befallen sind. Auch dort wäre eine höhere Summe für einen dringenden Umbau nötig, die der Verein zurzeit nicht aufbringen kann.

Aus Verzweiflung hat Bartels bereits eine Rundmail an verschiedene Unternehmer geschrieben und von einigen bereits Resonanz bekommen, die ihm wieder Hoffnung gibt. „Die Firma Hackfeld aus Stuhr hat bereits erklärt, dass sie einen Teil des Geldes, das eigentlich in Weihnachtsaktionen für ihre Kunden fließen sollte, eventuell an uns spenden wird, und auch Elektro Dührkop aus Bassum und das Printhaus in Syke haben Geld gegeben.“ Bartels hofft auf weitere Unterstützer. „Jeder Cent hilft und kommt direkt und ohne Abzug bei den Menschen an.“ Der Verein steht auch immer in engem Kontakt zu den jeweiligen Ämtern und der Caritas.

„Wir alle haben unsere Probleme und durch die Pandemie werden diese sicherlich noch verstärkt“, sagt Bartels „Aber wenn wir jetzt mit einer kleinen Spende denjenigen helfen können, welche sich in einer ausweglosen Lage befinden, wird sich unser aller Horizont wieder verbessern, weil wir etwas Gutes getan haben und unseren Schwächsten in der Gesellschaft ein Stück Hoffnung schenken.“

Von Julia Kreykenbohm

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