Arzt: „Wir behandeln keine Kinder“

Allergischer Schock bei Zwölfjährigem: Klinik Bassum lehnt Behandlung ab

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Die Klinik in Bassum verwehrte Jannik (12) eine Behandlung.

Plötzlich treten bei dem zwölfjährigen Jannik (12) aus Syke Juckreiz und Bauchschmerzen auf. Die Beschwerden werden schlimmer, in der Klinik in Bassum erhoffen sich Vater und Sohn Hilfe. Doch der Arzt lehnt eine Behandlung ab.

Bassum/Syke - Wenn Uwe Schütte zurückdenkt, schüttelt er selbst Wochen später noch mit dem Kopf. „Ich konnte es nicht glauben“, sagt der Gesseler. Sein Sohn Jannik (12) hatte einen allergischen Schock erlitten. 

Die Suche nach medizinischer Hilfe gestaltete sich schwierig. Denn die Klinik in Bassum weigerte sich, Jannik zu behandeln. Die Begründung des diensthabenden Arztes, die Uwe Schütte fassungslos zurückließ: Man behandele keine Kinder.

Allergischer Schock: Kind plagen Juckreiz und Bauchschmerzen

Die Geschehnisse jenes Tages schildern Uwe Schütte und seine Frau Michaela wie folgt: Jannik und einige Freunde gehen nach der Schule zum Syker McDonald’s-Restaurant. Kurz danach stellen sich bei dem Zwölfjährigen Beschwerden ein: Juckreiz und Bauchschmerzen. Kurz vor halb zwei ruft er zu Hause an und bittet seine Eltern, ihn abzuholen.

„Wir sahen ihn da weinend sitzen. Er kratzte sich überall, war knallrot“, erinnert sich Uwe Schütte. Sie fahren zunächst nach Hause, doch der Zustand ihres Sohnes verschlechterte sich. „Der Notdienst machte erst um 17 Uhr auf“, so Schütte, „also lieber gleich ins Krankenhaus.“

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Klinik Bassum ist erste Wahl - doch Arzt lehnt ab

Bassum ist die erste Wahl – noch vor vier Jahren hatte die Klinik Janniks großen Bruder problemlos aufgenommen. Am Tresen im Flur der Patientenaufnahme kommt es zum Gespräch mit dem diensthabenden Arzt. 

Doch die Hoffnung auf schnelle Hilfe wird jäh zerstört. „,Wir behandeln keine Kinder‘, das waren seine Worte“, schildert Uwe Schütte. Gefolgt von dem Hinweis, dass der Junge in eine Kinderklinik gebracht werden müsse – entweder am Krankenhaus Links der Weser („LdW“) in Bremen oder nach Vechta.

Schnelle Behandlung im Klinikum Links der Weser in Bremen

Untersuchung? Fehlanzeige, betont er. Der Mediziner habe sich seinen Sohn nicht einmal richtig angesehen. „Dabei stand er direkt vor ihm. Man sah, dass es ihm nicht gut ging.“

Das Ehepaar fährt mit dem kranken Sohn zum LdW. „Die waren sofort mit drei Mann bei ihm, nahmen ihn ins Behandlungszimmer.“ Sie messen die Sauerstoffsättigung, nehmen Blut ab, spritzen ein Cortison-Präparat.

Die Ärzte beruhigen die Eltern: keine Lebensgefahr. Jannik soll zur Überprüfung der Werte eine Nacht in der Bremer Klinik verbringen. Am folgenden Tag geht es dem Jungen besser, er kann nach Hause zurückkehren.

Kind laut Arzt an der Bassumer Klinik kein Notfall

Die gute Nachricht ändert nichts am Unmut von Michaela und Uwe Schütte. „Es ärgert einen schon sehr, so abgewiesen zu werden“, betont die Gesselerin. Ihr Mann ist sich sicher: „Die hätten mindestens die Erstversorgung übernehmen müssen.“

Dem widerspricht Juliane Schulze von der Bassumer Klinikleitung zumindest teilweise. „Wir müssen natürlich die Notfallbehandlung vornehmen“, sagt sie. Im konkreten Fall habe sich der diensthabende Mediziner aber den Jungen angesehen und sei sich sicher gewesen: „Das ist kein Notfall.“ Es habe „genug Zeit gegeben, ihn weiterzuschicken“. 

Die Aussage des Arztes, man behandle keine Kinder, sei indes korrekt, so Schulze. „Kinder sind bei uns im Krankenhaus nicht richtig, sie gehören in ein Kinderkrankenhaus.“

Unterschiedliche Angaben zu Janniks Untersuchung in Bassum

Für die Versorgung der jungen Patienten sei „zum einen die fachliche Kompetenz des medizinischen Personals als auch eine geeignete apparative Ausstattung erforderlich“ – und die sei nur in einer Kinderklinik uneingeschränkt sichergestellt.

Unterschiedliche Angaben gibt es über das Ausmaß der erfolgten Untersuchung. Schulze sagt, dass Blutdruck und Puls gemessen worden seien. „Es gibt Zeugen, die aussagen: Der Junge wurde angeguckt.“ Schütte entgegnet: „Er hat ihm nur einmal am Tresen in die Augen gesehen, als er uns sagte, dass sie keine Kinder behandeln.“ Blutdruck und Puls seien nicht gemessen worden.

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Bassumer Klinikleitung: „Nicht optimale“ Sichtung

Schulze zeigt Verständnis für das Unverständnis. „Ich kann das aus emotionaler Sicht total verstehen. Wo Krankenhaus draufsteht, will man auch, dass Krankenhaus drin steckt.“ Die Wirklichkeit sei aber so, dass sich die Häuser mehr und mehr zu Spartenkliniken entwickelten.

Sie hätte sich „gewünscht, dass man den Papa anders ,abholt‘“. Dazu gehöre auch, den Eltern den Transport des Kindes mit einem Rettungswagen anzubieten. Das sei im konkreten Fall unterblieben. Der Arzt habe laut Schulze „Anlauf genommen, das dem Papa zu erklären“, aber keine Gelegenheit gehabt, weil dieser bereits aufgebracht kehrtgemacht habe. Uwe Schütte widerspricht: „Wir sind ja gar nicht sofort wieder rausgegangen.“

Die Umstände mit der Sichtung des Kindes auf dem Klinikflur bezeichnet Schulze als „nicht optimal. Das würden wir uns auch anders wünschen.“

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