Wilfried Fastenau sammelt alles über seinen Wohnort

Hallstedt in Wort und Bild

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Wilfried Fastenau hat ein umfangreiches Archiv über Hallstedt zusammengetragen.

Hallstedt - Von Heiner Büntemeyer. Wilfried Fastenau sammelt alles, was er über seinen Wohnort Hallstedt in die Finger bekommt – Dokumente, Fotos, Zeitungsartikel. Gegenwärtig arbeitet er im Auftrag des Kreisheimatbundes an einer Aufstellung der Hallstedter Häuslingshäuser. Angefangen hat alles mit dem Bassumer Stiftsprobst Frithjof Bestmann.

Er war ein unermüdlicher Heimatforscher und Verfasser zahlreicher Schriften zur Geschichte der Stadt Bassum. Im Jahre 1986 startete er den Modellversuch, die Höfe eines Dorfes zu registrieren und deren Geschichte zu recherchieren. Dafür wählte er das Dorf Hallstedt und dessen 22 Höfe. Die Ergebnisse seiner Nachforschungen fasste er in einer Höfe-Chronik zusammen, die Hildegard Fastenau für ihn an der Schreibmaschine ins Reine schrieb.

Am 21. Februar 1986 stellte Bestmann diese „Studie zur Geschichte des Dorfes Hallstedt und seiner Höfe“ bei einer Festveranstaltung des Kreisheimatbundes im Hallstedter „Quellental“ vor.

Jeder Hallstedter Hofbesitzer erhielt seinerzeit eine Chronik seines Hofes, von denen einige bis ins 16.Jahrhundert zurück reichten. Zu diesen alten Höfen gehörte auch „Hallstedt Nr. 19“, der ehemalige Hof Stratemeyer, der jetzt Wilfried und Hildegard Fastenau gehört. Dieser Hof wurde erstmals 1590 erwähnt, der Besitzer war ein „Victor uf der Strate“, dessen Nachfolger die „Stratemeyer“ waren.

Damit war das Interesse von Wilfried Fastenau geweckt. Er hatte zwar schon 1978 eine Chronik der Feuerwehr mit verfasst, aber nun besorgte er sich die Gemeinderatsprotokolle der bis 1974 selbständigen Gemeinde Hallstedt. Problem: Diese waren zu einem großen Teil in Sütterlin geschrieben. Fastenau belegte einen VHS-Kurs, um diese Schrift entziffern zu können.

Seine nächsten Quellen waren die Hallstedter Schulchroniken. Die erste, ebenfalls in Sütterlin verfasst, begann 1875, und Fastenau „übersetzte“ Seite für Seite am Computer in die heute gebräuchliche Schriftform. Einige Passagen hat er gelb gefärbt, denn bisher war es ihm unmöglich, diese zu entziffern. Auch aus dem Kontext heraus blieben Wörter unverständlich.

Wer in diesen Seiten blättert, findet zahlreiche Anmerkungen, die zum Schmunzeln anregen. 1899 hieß es beispielsweise in einem Gemeinderatsbeschluss: „Die Reinigung der Schulzimmer erfolgt durch Mädchen und unter Mithilfe der Knaben“.

Mit Hofchronik

fing alles an

Parallel zu den Schriftstücken sammelt Fastenau alte Fotos. Zu den Höfen lagen diese bereits seit der Höfechronik vor, aber es kamen alte Klassenfotos hinzu. Die älteste Aufnahme stammt aus dem Jahre 1911.

Zu den Schätzen dieser Schulchroniken zählt auch das neun Seiten lange Gedicht von Magdalene Ohlmeyer, geborene Hinrichs, die darin Erlebnisse aus ihrer Kindheit in den Jahren zwischen den Weltkriegen und Erinnerungen an den Lehrer Ahrens beschreibt, der von 1929 bis 1956 fast 30 Jahre lang in Hallstedt unterrichtete.

Die vielen Protokolle, Schriftstücke und Fotos füllen mehrere Regalmeter. Komplett wird diese Sammlung nie, denn Wilfried Fastenau sammelt auch aktuelle Zeitungsartikel, die Hallstedt betreffen.

Nachdem er 2001 in Ruhestand gegangen war, durchsuchte er die Ausgaben des „Bassumer Anzeigers“ und der „Syker Zeitung“ nach Hinweisen auf Hallstedt und fotokopierte sie.

Gegenwärtig arbeitet er an einer Aufstellung der Hallstedter Häuslingshäuser. Als Grundlage dafür dient ihm eine Hallstedter Einwohnerliste aus dem Jahr 1855, die er im Bassumer Stadtarchiv gefunden hat. Darin sind auch die Häuslingshäuser verzeichnet, die jeweils ihren Höfen zugeordnet wurden und auch die Hausnummer des „Haupthofes“ mit dem Zusatz 15a, 15b et cetera trugen. Außerdem enthält diese Liste die Namen der „Familienhäupter“.

Einen Teil der Motivation für diese Arbeit, in die Wilfried Fastenau auch für Fotokopien und Foto-Reproduktionen eigenes Geld steckt, bezieht er durch die Tatsache, dass in Hallstedt zahlreiche Einwohner an seiner Arbeit interessiert sind. Mit seinem Nachbarn, Stadtbrandmeister Theo Garrelts, pflegt er einen regelmäßigen Austausch, viele alte Fotos konnten nur richtig zugeordnet werden, weil ältere Hallstedter sich noch gut erinnerten.

Auch seine Ehefrau Hildegard unterstützt ihn. Einen Tipp ihrer Mutter gab sie zusammen mit dem Butterkuchen-Rezept an die Hallstedter Backfrauen weiter. Damit diese beliebten Butterkuchen, die beim Hallstedter Backfest in den Lehmbackofen geschoben werden, ihren unvergleichlichen Geschmack erhalten, müssen die Backbleche am Abend vorher mit Schmalz eingerieben werden.

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