Wilde Bühne Bremen ist mit dem Stück „Hungerstreik“ zu Gast an der Bassumer Oberschule

„Gott sei Dank ist bei uns alles in Ordnung“

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Zwei Schüler stellen mit den Schauspielern eine Szene nach.

Bassum - Von Frauke Albrecht. „Eigentlich sind wir eine ganz normale Familie.“ Mit diesen Worten beginnt das Stück „Hungerstreik“ der Wilden Bühne Bremen, das gestern an der Bassumer Oberschule vor den Schülern der 9. und 10.Klassen aufgeführt worden ist. Hinter der Kulisse des schmucken Reihenhauses mit dem kurzgeschorenen Rasen der Familie Kowalski bahnt sich eine Katastrophe an, die durchaus hätte verhindert werden können. – „Was hättet ihr anders gemacht?“, wurden die jungen Zuschauer am Ende des Stückes gefragt.

Obwohl häufig Mädchen und junge Frauen an Essstörungen erkranken, waren es doch die Jungs, die anfangs mitmachten und ihre Vorschläge den Akteuren zuriefen.

Die Wilde Bühne bevorzugt das interaktive Theater. Nach der einstündigen Vorführung wurden die Zuschauer gefragt, wie sie das Verhalten der Akteure bewerten und ob sie etwas anders machen würden. Freiwillige durften in die Rolle der Schauspieler schlüpfen und den Verlauf der Handlung verändern.

Das Stück handelt von einer typischen Durchschnittsfamilie. Lisa ist gut in der Schule, treibt viel Sport und verbringt ihre freie Zeit gern mit ihrer Freundin Julia. Mit ihrem Bruder Max versteht sie sich nicht besonders gut, ihr Vater hat nie Zeit und ihre Mutter legt mehr Wert auf Ansehen und Äußerlichkeiten als auf die Gefühlswelt ihrer Kinder: „So dick wie die aussieht, bekommt die nie einen Mann.“

Niemand in der Familie merkt, dass sich Lisa mehr und mehr in ein Schneckenhaus zurückzieht. „Gott sei Dank ist bei uns alles in Ordnung“, ist Lisas Mutter überzeugt. Sie und ihr Mann wollen nicht wahrhaben, dass ihre Tochter Abführmittel nimmt, das Gefühl für ihren eigenen Körper verliert – „Bin ich zu dick? Bin ich zu dünn?“ – und das Essen verweigert. Als Lisa nicht an einem Filmprojekt in der Schule teilnehmen darf und stattdessen ihre Freundin die Rolle bekommt, kapselt sich sie sich komplett von der Außenwelt ab. Ihr Lehrer bekommt die Veränderung zwar mit, aber sein Anruf im Elternhaus bleibt ungehört. Das Stück endet mit dem Auftritt von Max: „Ich bin froh, dass Lisa nicht zu Hause ist.“ Wo sie ist, dazu haben die Schüler verschiedene Antworten parat. In Therapie, in einer Klinik, im Badezimmer oder tot lauten die Vorschläge.

Auf mögliche Fehler angesprochen konnten sich die Jugendlichen vor allem mit ihrer Altersgruppe identifizieren. Der Bruder hätte mehr mit seiner Schwester reden, die Freundin zu Lisa halten sollen. Der Vater wurde kritisiert. Die Rolle der Mutter blieb unerwähnt.

Möglich gemacht hat die Aufführung der „Verein change my way für essgestörte Mädchen“, der sich zu Beginn der Aufführung vorstellte. Die Vertreterinnen hatten auch einen Tisch mit Informationsmaterial aufgestellt und gaben bekannt, dass es für Betroffene eine Hotline gibt und Mitarbeiterinnen jederzeit Mails und Anrufe beantworten. Kontakt:

changemyway@web.de

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