DLRG-Mitglieder reagieren sofort

Hilfeschreie im Schwimmpark: Rettungsschwimmer retten Badegast das Leben

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Die Retter aus dem Schwimmpark (v.l.) Nils Kunst (Ortsgruppe Twistringen, ) Michelle Blanke, Carina Verhoeven, Caja Reinhardt, Isabelle Wetjen, Marc Blüml (alle Ortsgruppe Bassum) und Schwimmmeister Sven Blumberg.

Twistringen - Als Marc Blüml die Hilfeschreie aus dem Wasser hört, zögert er keine Sekunde. Er rennt zum Schwimmbecken, springt rein und holt den Ertrinkenden an die Wasseroberfläche.

Seine Freunde Nils Kunst, Carina Verhoeven, Isabelle Wetjen, Caja Reinhardt und Michelle Blanke sowie Schwimmmeister Sven Blumberg sind sofort zur Stelle und helfen, den Ohnmächtigen aus dem Wasser zu heben. Sie legen ihn in die stabile Seitenlage und leiten die Reanimation ein. Jeder Handgriff sitzt – die jungen Leute wissen genau, was sie zu tun haben, denn sie sind alle Rettungsschwimmer der DLRG-Ortsgruppen Bassum und Twistringen.

DLRG-Rettungsschwimmer leisten vorbildlichen Einsatz

An diesem Tag befindet sich die geballte Kompetenz im Schwimmpark Twistringen. Die sechs sind seit vielen Jahren Mitglieder der Ortsgruppen, einige bereits seit Jahrzehnten. Diesem glücklichen Umstand ist es zu verdanken, dass der Rettungseinsatz sehr schnell, unkompliziert und vorbildlich abläuft. „Wie aus dem Lehrbuch. Besser kann man es nicht machen“, lobt der Vorsitzende der Bassumer Ortsgruppe, Ingo Winkelmann. 

Er ist ungeheuer stolz auf seine Rettungsschwimmer. „Was da geleistet worden ist, davor kann ich nur den Hut ziehen – Chapeau! Wir wissen ja nie, was wirklich hängen bleibt von der Ausbildung.“ In diesem Fall sei alles hängen geblieben.

Twistringen: Automatismus des Rettungsschwimmers greift

„Ich habe ganz instinktiv gehandelt, gar nicht lange überlegt“, sagt Marc Blüml. „Das lernen wir schließlich in der Ausbildung.“ Diesen Automatismus hätten die jungen Rettungsschwimmer abgerufen.

Dass sich die Gruppe an diesem Abend noch im Schwimmpark aufhält, ist Zufall. Am Nachmittag lief dort für die Aktion „Rein in den Verein“ ein Filmdreh mit der DLRG. „Wir waren längst durch, wollten aber noch ein paar Runden in Ruhe schwimmen“, erinnert sich Isabelle Wetjen. 

Hilfeschreie aus dem Schwimmbecken - Retter reagieren sofort

Da passiert es. Sie alle hören die Hilferufe aus dem Becken. Es ist 18.45 Uhr. Es gibt keine Diskussion darüber, wer was macht. Marc ist der Erste im Wasser, deshalb helfen die anderen vom Beckenrand. Kaum liegt der Mann in der stabilen Seitenlage, hat Schwimmmeister Sven Blumberg schon den Erste-Hilfe-Koffer parat

Die Jungs checken die Atmung, legen den AED (steht für automatisierten externen Defibrillator) an und lösen, wie vom Gerät gefordert, einen Schock aus. Dann beginnen sie mit der Herz-Lungen-Wiederbelebung. Dabei wechseln sie sich ab. 

Retter setzen schnellen Notruf ab

Parallel setzt Carina einen Notruf ab und hält mit der Rettungsleitstelle Kontakt. Während Caja und Michelle die Zufahrt für den Rettungswagen sichern und die Poller entfernen, kümmert sich Isabelle um die geschockte Freundin des Mannes. Alle arbeiten Hand in Hand.

Nach knapp zehn Minuten sind Notarzt und Rettungswagen da und übernehmen. Caja kommt es wie eine Ewigkeit vor, für Nils ist es Minutensache. Er ist voll Adrenalin. Als der Notarzt den Mann abtransportiert, macht sich die körperliche Belastung bemerkbar. „Ich habe das gar nicht gemerkt, aber plötzlich sagt jemand zu mir: ,Du – deine Hand zittert stark’“, erzählt Nils.

Rettungsschwimmer treffen sich zur Nachbesprechung

Als Ingo Winkelmann am Abend von der Aktion erfährt, trommelt er alle noch einmal zusammen. „Es ist bei so etwas ganz wichtig, dass eine gemeinsame Aufarbeitung stattfindet“, weiß er aus langjähriger Erfahrung. „Keiner soll damit ins Bett gehen.“ So kommen noch einmal alle im Vereinsheim zusammen und sprechen sich aus. „Wir haben auch angeboten, bei Bedarf einen Notfallseelsorger hinzuzuziehen“, so Winkelmann. Das lehnen die jungen Retter ab. Sie fühlen sich gut.

Vielleicht liegt es daran, dass bereits der Notarzt andeutet, dass der Mann stabil sei. Am nächsten Tag sorgt die Stadt Twistringen mit einer Mail für Freude: „Dem Mann geht es besser.“

Bürgermeister planen Ehrung der Retter

„Mir ist es wichtig, dass die Helfer das wissen“, sagt Anke Schweers von der Stadt Twistringen. Deshalb hat sie den Kontakt zur Freundin des Mannes aufgenommen. Die Bürgermeister der beiden Städte planen auch noch eine kleine Ehrung.

Alle wissen, dass es auch anders hätte ausgehen können. Ingo Winkelmann: „Wir leisten mit unseren Mitgliedern Rettungsdienst an den Küsten. Es kann dort immer etwas passieren.“ Bisher hat er es noch nicht erlebt, dass ein Rettungsschwimmer nach einem Unfall aus dem Verein ausgetreten sei.

Jeder kann helfen

Aber selbst wenn jemand keine Badeaufsicht mehr übernehmen möchte, sei die Aufgabenpalette der DLRG breit gestellt. „Bei uns gibt es viele andere Tätigkeitsfelder“, so Winkelmann. Die Retter aus dem Schwimmpark sind sich einig: „Wir werden bleiben.“

Eine Sache ist am Ende allen wichtig: „Man muss kein Rettungsschwimmer sein, um zu helfen. – Und jeder kann den AED anlegen. Das Gerät sagt einem, was zu tun ist!“

Infos zur DLRG-Ortsgruppe Bassum

Anders als viele andere Vereine hat die DLRG-Ortsgruppe Bassum keine Nachwuchsprobleme. Das liegt nach Meinung der jungen Rettungsschwimmer vor allem an der sehr guten Jugendarbeit. 

„Unsere Tätigkeitsbereiche sind vielfältig, unser Vereinsleben ist einzigartig. Von Ausbildungen über Wettkämpfe bis hin zu einer regen Beteiligung am Wasserrettungsdienst an der Küste bieten wir unseren Mitgliedern Verschiedenstes, auch für die ganz Kleinen“, heißt es auf der Internetseite der Bassumer Ortsgruppe. 

Zu den Kernaufgaben der DLRG zählen die Schwimm- und Rettungsschwimmausbildung. Nach einer Studie nimmt die Schwimmfähigkeit der Kinder in Deutschland dramatisch ab. Jedes zweite Kind kann nicht schwimmen. 

Die DLRG weist darauf hin, dass erst ab dem Jugendschwimmabzeichen Bronze von einem sicheren Schwimmer ausgegangen werden kann. Das Seepferdchen ist kein Abzeichen. Eltern sollten dafür sorgen, dass ihre Kinder schwimmen können, und sie frühzeitig anmelden. Es gibt Wartelisten. Weitere Infos gibt es im Internet:

https://bassum.dlrg.de 

https://twistringen.dlrg.de 

https://schwimmpark-twistringen.de

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