Unternehmen hat 22,5 Hektar Kompensationsfläche angelegt / Neue Technik an den Anlagen

Westwind deckt den Tisch für Greifvögel

Damit der Bussard den Windpark meidet, hat Westwind versucht, die Flächen im Umkreis besonders attraktiv für ihn zu gestalten.
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Damit der Bussard den Windpark meidet, hat Westwind versucht, die Flächen im Umkreis besonders attraktiv für ihn zu gestalten.

Albringhausen – Die Windenergieanlage brummt. Fast könnte man denken, sie tut damit ihren Unmut kund, weil sie ihre Flügel nicht bewegen darf. Aber es geht nicht anders, denn in ihrer Nähe brütet zurzeit ein Rotmilan. Bis dieser seinen Nachwuchs nicht großgezogen hat, hat die Mühle in Albringhausen und zwei ihrer Kolleginnen Sendepause.

Aber vielleicht gehören solche kompletten Abschaltungen bald der Vergangenheit an, denn die Firma Westwind testet gerade ein ausgeklügeltes System, bei dem 26 Kameras am Turm der Anlage die Umgebung scannen. „Grob erklärt: Sobald die Kameras und die nachgeschaltete Technik einen Vogel im Anflug erkennen, stoppt die Windenergieanlage“, erklärt Projektleiter Andre Meyer. „Bereits seit 2019 testen wir verschiedene Systeme. Hier in Albringhausen sind bereits zwei Anlagen mit einem Vogeldetektionssystem ausgerüstet. Durch die Systeme erhoffen wir uns, künftig auf die pauschale Abschaltung verzichten zu können.“ Es bringe weder den Arten- noch den Klimaschutz weiter, wenn die Anlagen den ganzen Tag still stehen. „Zwei Gutachterbüros begleiten das Ganze. Wir wollen am Ende das beste System auswählen“, so Meyers Kollege Christian Meindertsma.

Doch das ist nur eine Maßnahme, die Westwind umsetzt, um den Greifvogelbestand zu schützen. „Wir haben mehrere Flächen gesucht, die miteinander vernetzt sind, beispielsweise durch die Schorlingborstler Beeke. Insgesamt sind es 22,5 Hektar Kompensationsflächen in Form von Grünlandflächen mit Saum- und Wildkrautstreifen. Viele davon haben wir für Greifvögel attraktiv gemacht. Aber auch Fasane, Rebhühner, Wachteln und Singvögel sollen sich dort wohlfühlen. Auf Ackerflächen wurden ein- oder mehrjährige Blühflächen und Blühstreifen angelegt“, erklärt Meyer.

Auf den Grünflächen hat Westwind für Gewässer gesorgt, in deren Nähe sich Insekten ansiedeln. Die wiederum sind Nahrung für verschiedene Vögel. Außerdem wurden Mäusenester errichtet. Der Tisch für die Greifvögel ist also reich gedeckt. Für sie stehen auch diverse Sitzstangen und Eichenspaltpfähle bereit. „Mit diesem Angebot möchten wir die Tiere von den Windparkflächen weglocken“, so Meindertsma. Und es scheint zu funktionieren. „Der Naturschutzbund Dümmer kontrolliert diese Kompensationsflächen und hat bestätigt, dass alle Tiere, die vorher da waren, immer noch da sind – oder sogar mehr geworden sind.“ Aktuell werden Rotmilan, Mäusebussard, Wiesenweihe sowie Wachtel und Feldlerche kartiert. Aber auch für die Letztere wird etwas getan. „Die Feldlerche siedelt gern im Getreide, doch die Halme stehen meist sehr eng. Darum haben wir mitten in einem Schlag Sommerweizen große Flächen eingerichtet, die sogenannten Feldlerchenfenster. Da wachsen unter anderem Bohnen und Erbsen. Die Feldlerchen können sich dort niederlassen und in Ruhe brüten.“

Solche Vorhaben gelingen natürlich nur, wenn die Landwirte offen dafür sind und mitmachen. Und das tun sie. „Wir werden von ihnen voll unterstützt“, lobt Meyer. „Sie treten ja auch Flächen für Blühstreifen ab und lassen sich darauf ein, im Herbst Nahrungsflächen für Gastvögel zu schaffen.“ Das geschieht, in dem der Landwirt das Stoppelfeld nach der Maisernste nicht sofort umgräbt, sondern erstmal so stehenlässt. Vögel auf der Durchreise lassen sich gern dort nieder und picken das eine oder andere Korn auf. „Wir zahlen den Landwirten dafür einen Ausgleich“, so Meyer.

Südlich des Windparks befindet sich auch ein Schlatt, das Westwind mit der Stiftung Naturschutz wieder „flott gemacht“ hat. „Dort hatte sich viel Müll angesammelt“, erinnert sich Meindertsma. Also wurde aufgeräumt und das zugewucherte Schlatt freigeschnitten. Ein flaches Ufer wurde geschaffen, sodass sich nun wieder Wasser dort sammeln kann.

Zudem hat Westwind 100 Eichen gepflanzt und wird sich auch die kommenden drei Jahre um die Bäumchen kümmern. „Wir begleiten auch noch den Schutz der Wiesenweihe, die in diesem Jahr in Albringhausen ein Nest hat“, sagt Meindertsma.

Von Julia Kreykenbohm

Besondere Technik zum Schutz der Vögel: Christian Meindertsma (links) und Andre Meyer zeigen das Kamerasystem an einer der Windenergieanlagen.

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