Störung der Totenruhe auf Bassumer Friedhof

Grabschmuck in den Abfall geworfen

Ein Ausdruck tiefer Zuneigung: Grabschmuck ist für viele Trauernde sehr wichtig. Umso schmerzhafter ist es, wann andere so respektlos damit umgehen.
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Ein Ausdruck tiefer Zuneigung: Grabschmuck ist für viele Trauernde sehr wichtig. Umso schmerzhafter ist es, wann andere so respektlos damit umgehen.

Unbekannte haben von einigen Gräbern auf dem Friedhof in Bassum Grabschmuck entwendet und in den Müll geworfen. Für die Angehörigen ist das ein harter Schlag. Die Polizei sucht die Täter.

Bassum – Für viele Angehörige ist es der Ort, an dem sie denen gedenken, die vor ihnen gegangen sind: das Grab. Viele geben sich große Mühe, es zu pflegen und bringen ihre Liebe für den Verstorbenen mit Dekoration und Blumenschmuck zum Ausdruck. Umso tiefer trifft es sie, wenn Unbekannte diese Symbole tiefster Zuneigung stehlen, zerstören – oder in einen Container werfen.

Als wären sie bloß Abfall. So ist es auf dem Friedhof an der Eschenhäuser Straße in Bassum passiert (wir berichteten). Vier bis fünf Gräber waren betroffen.

„So etwas habe ich während meiner Zeit hier in Bassum noch nicht erlebt“, sagt Georg Vogt, Vorsitzender des Friedhofsausschusses. „Hin und wieder wurden Blumen geklaut oder mal was kaputtgemacht. Aber in dem Ausmaß ist mir das noch nie passiert.“ Gibt es Möglichkeiten, solche Taten in Zukunft zu verhindern? „Einen Wachdienst engagieren oder Kameras aufhängen werden wir nicht“, meint Vogt.

Und wäre es möglich, den Friedhof in der Nacht abzuschließen? Auch das findet Vogt nicht sonderlich glücklich. Der Friedhof soll jedem zu jeder Zeit offenstehen, wenn er die Gräber seiner Lieben besuchen möchte. „Aber wenn sich die Fälle häufen, werden wir uns etwas überlegen müssen. Ansonsten appellieren wir an die Vernunft der Menschen.“

Angehörige suchen Antworten

Die Polizei sucht seitdem nach den Tätern. Und die Angehörigen der Verstorben suchen Antworten. „Wer macht so etwas?“, fragt eine Seniorin, die immer noch zutiefst erschüttert klingt. Vor sieben Wochen musste sie ihren Mann beerdigen. Das Grab auf dem Friedhof war geschmückt mit vielen Kränzen und großen Blumenschalen, in denen es langsam anfing, zu blühen. Zeichen dafür, wie viele Menschen ihren Mann schätzten. „Jeden zweiten Tag sind wir gekommen, um sie zu gießen, damit alles schön bleibt.“

Dann kam der Anruf von der Friedhofsverwaltung, dass all diese Liebesgaben in einem Container gefunden worden seien. „Wir sind hingefahren. Es stand wirklich nichts mehr auf dem Grab. Wir haben nur noch da gestanden und geweint“, berichtet die Dame. „Man ist selber noch mitten in der Trauerphase und wird dadurch wieder so aufgewühlt. Das ist ganz schlimm. Die Nacht darauf konnte ich überhaupt nicht schlafen. Natürlich kostet es auch Geld, alles wieder instand zu setzen – aber die Tat an sich ist viel schlimmer.“

Sie habe den Wunsch, das Grab ihres Mannes wieder schön und würdevoll zu gestalten. Aber gleichzeitig sitzt die Angst in ihr: „Was, wenn es wieder passiert?“

Polizei sucht nach den Tätern

Ein Senior aus Bassum, dessen Frau vor zwei Jahren auf dem Friedhof beigesetzt wurde, ist bereits zum zweiten Mal von diesem besonders pietätlosen Akt des Vandalismus betroffen. Die Täter stahlen einen Strauß Blumen, den seine Tochter ihrer Mutter gebracht hatte, und warfen ihn in den Container.

Für den Senior haben diese Taten nichts mit „ärgern wollen von Mitmenschen“ zu tun. „Sie verursachen tiefste Verunsicherung, besonders bei Älteren. Es untergräbt ihr Vertrauen in die Gesellschaft und das schlägt auf die Gesundheit. Man fragt sich, was sie fühlen würden, wenn jemand das bei den Grabstellen ihrer Angehörigen machen würde?“

Hinweise zu den Tätern nimmt die Polizei unter 04241/971680 entgegen. „Solch eine Störung der Totenruhe kommt nicht oft vor, tritt aber immer mal wieder auf“, weiß Polizeipressesprecher Thomas Gissing. „Meist geschieht es, wenn die Täter auf dem Weg nach Hause von anderen Vandalismus-Akten sind. In diesem Fall scheint das aber nicht so zu sein, dafür ist der Schaden zu umfangreich. Der oder die Täter scheinen sich länger dort aufgehalten zu haben.“

Die Polizei Bassum wird während ihrer Streifen den Friedhof künftig öfter passieren, um die Geschehnisse dort im Auge zu behalten.

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