Klaus-Dieter Sprenger führt durch das Bassumer Stift

„Wer was anpackt, dem werden die Finger abgehackt“

Im Museumszimmer der Abtei zeigt Gästeführer Klaus-Dieter Sprenger den Besuchern das Antependium aus dem 13. Jahrhundert. Auf dem mittelalterlichen Gewebe ist die „Luftfaahrt Alexander des Großen darggestellt. - Foto: Schiermeyer

Bassum - Von Ute Schiermeyer. Die Aussicht, dass die Abtei des Stifts Bassum für die nächsten zwei Jahre zum letzten Mal besichtigt werden konnte, lockte am Sonntagnachmittag zahlreiche Interessierte zu einer Gästeführung in die historischen Mauern. Über dreißig Besucher begrüßte Gästeführer Klaus-Dieter Sprenger zu dieser vorerst letzten Führung.

Die Gäste kamen zum Teil aus der Nachbarschaft, sprich aus Syke, Harpstedt oder Twistringen. Es waren aber auch einige von weiter weg da. „Wir haben das Stift im Fernsehen gesehen, im NDR, darum sind wir hier“, berichtet ein älterer Herr, der extra aus Hamburg gekommen war. Ein junges „Neu-Bassumer“-Paar nutzte die Gelegenheit, mehr über seine Wahlheimat zu erfahren.

Informationen gab es reichlich. Sehr gut veranschaulichte Klaus-Dieter Sprenger zunächst die über 1150-jährige Geschichte des Stiftes und vermittelte dabei auch die Historie der Stadt.

Die Zuhörerschaft beeindruckte Sprengers persönliche Kindheitserfahrung mit dem Stift. „Als Kind bin ich hier nicht lang gegangen. Das tat man nicht“, erzählte er von dem Respekt, den Bassumer Kinder früher dem Stift entgegenbrachten. Der Stiftshof war tabu. Erst seit 1984 Barbara von Wallenberg Pachaly Äbtissin wurde, änderte sich dies.

Heute ist das Stift offen für Führungen, Konzerte und standesamtliche Trauungen. Auch der Bassumer Advent wird auf dem Stiftshof aufgebaut.

Es war eine lebhafte Gästeführung, bei der keine Frage unbeantwortet blieb. „Fragen Sie nur. Entweder ich kann ihre Frage beantworten, das ist dann gut für Sie. Oder ich habe keine Antwort. Das ist gut für mich. Dann kann ich heute Abend bei Wikipedia nachschlagen und weiß es beim nächsten Mal“, ermutigte Sprenger seine Gäste.

Der Saal beeindruckt

Besonders das Leben der Stiftsdamen interessierte die Besucher. Trugen die Stiftsdamen damals normale Kleidung? Mussten sie ein Gelübde ablegen? Haben die Damen am gesellschaftlichen Hochadelleben teilgenommen? Informativ und zuweilen amüsant erzählte Klaus-Dieter Sprenger vom Leben der Stiftsdamen, die zwar ein klösterliches Leben führten, aber ihr Vermögen behielten und sogar Gouvernanten hatten und jederzeit das Stift wieder verlassen konnten.

„,Wer da was anpackt, dem werden die Finger abgehackt’ hat unsere frühere Äbtissin immer gesagt“, warnte Klaus-Dieter Sprenger die Besucher vor dem Betreten des Kapitelsaals. „Also: Bitte nichts berühren und keine Handtaschen über die historischen Stühle hängen!“

Der Saal beeindruckte mit seiner wunderschönen Wandbespannung aus Rupfen die Gäste sichtlich.

Auch das Kanonikerzimmer, ebenfalls mit diesen hochempfindlichen Tapeten bespannt, durfte besichtigt werden. Hier konnten die Besucher an einer kleinen dunklen Stelle an der Wand noch sehen, wie die Bespannung vor ihrer Restaurierung in den 1980er-Jahren ausgesehen haben mag.

In den kommenden zwei Jahren soll die Abtei gründlich renoviert werden. In dieser Zeit werden die fünf Wohnungen des Gebäudes saniert. Drei von ihnen sollen später wieder als Wohnungen genutzt werden. Je eine für die Äbtissin, die Dechantin und für Gäste.

Äbtissin Isabell von Kameke zieht für die Zeit der Restaurierungsarbeiten vorübergehend in das alte Pfarrhaus.

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