Wenn schnelle Hilfe Leben rettet

105 Teilnehmer durchlaufen sechs Stationen am Sicherheitstag

Der richtige Griff ist lebenswichtig: Ein „Ohnmächtiger“ wird aus dem Führerhaus geborgen.

Bassum - Von Anke Seidel. Fracht um Fracht liefern Berufskraftfahrer Tag für Tag aus – Routine, bei der Sicherheit eine enorme Rolle spielt. Tipps aus der Praxis für die Praxis vermitteln, sensibilisieren und schulen: Das stand beim Sicherheitstag auf dem Gelände der Bassumer Spedition Dettmers-Janssen im Mittelpunkt.

Referenten der Straßenverkehrs-Genossenschaft (SVG) Hannover und der Berufsgenossenschaft (BG) Verkehr Berlin präsentierten unter Leitung von Kay Borchers (SVG) Fakten, Informationen und Erfahrungsmöglichkeiten. Sie orientierten sich – auszugsweise – an den Weiterbildungs-Modulen, die Kraftfahrer regelmäßig absolvieren müssen.

Flammen lodern auf dem Gelände der Bassumer Spedition, das Geschäftsführer Uwe Janssen und Senior-Chef Richard Janssen zur Verfügung gestellt haben. Für die Großveranstaltung mit 105 Teilnehmer aus ganz Niedersachsen haben sie ein ausgefeiltes Programm vorbereitet. Sechs Stationen reflektieren Situationen, die Kraftfahrern unterwegs immer wieder begegnen können.

Aufmerksame Fahrer umringen im gebotenen Abstand eine lodernde Puppe. Was tun, wenn sie tatsächlich helfen müssten? Christian Leister von der SVG hat verschiedene Feuerlöscher bereitgestellt – und erläutert, wie sie effizient eingesetzt werden.

Welcher Feuerlöscher ist der richtige? Eine buchstäblich flammende Übung gibt Antwort.

Nebenan ist das Innenleben eines Aufliegers zu sehen: Schüttgut in Big Packs, Ziegelsteine und Paletten. Aber ist die Ladung richtig gesichert? Genau das finden die Teilnehmer dieser Gruppe mit dem SVG-Referenten F. Steinmeyer heraus. Er zeigt ihnen Handgriffe und Kniffe, die Sicherheit schaffen.

Ihren Kollegen erläutert Ingolf Junker derweil im Büro-Gebäude die Sozialvorschriften mit dem digitalen Tachometer, die genauso zum Kraftfahrer-Alltag gehören wie der Sicherheitsgurt.

Warum genau der lebensrettend ist, erleben die Teilnehmer im Unfall-Simulator, den Jürgen Schöbel von der BG Berlin bedient. Da steht die Welt plötzlich Kopf, Alltagsdinge wirbeln durch die Fahrerkabine. Diesmal sind es Stofftiere, „im Alltag aber oft Kaffeemaschinen“, weiß Richard Janssen, der den Simulator selbst testet. In seiner Spedition spielt Sicherheit eine elementare Rolle, stellt der Senior-Chef klar – das gilt sowohl für die Intensität der Schulungen als auch die technische Ausstattung der Fahrzeugflotte.

Die Welt steht Kopf: Richard Janssen (unten in der Fahrerkabine) und sein Beifahrer erleben einen simulierten Überschlag. Referent Jürgen Schöbel (rechts) überwacht die Übung. Sie vermittelt Berufskraftfahrern, dass Anschnallen überlebenswichtig ist. - Fotos: Seidel

Die Unfallstatistik der Polizei beweist: Immer wieder kommt es – vor allem auf Autobahnen – zu folgenschweren Auffahrunfällen. Beim Sicherheitstag schafft der zweite Simulator ein Gefühl für die Dynamik der Geschwindigkeit. Jürgen Schöbel lässt die Probanden – sicher angeschnallt auf einem Schlitten  – gegen eine imaginäre Wand prallen, nachdem er sie zuvor gewogen hat. „Wer 70 Kilogramm wiegt und mit 30 Stundenkilometern aufprallt, entwickelt schon eine Masse von 2,4 Tonnen“, nennt der Referent Zahlen, die seine Testpersonen fühlen.

Dass der richtige Blickwinkel lebensrettend sein kann, lernen die Teilnehmer am Sicherheitstag bei Bernd Scheider (BG Verkehr). Vier Spiegel reflektieren dem Fahrer die Verkehrssituation – Bilder, die er im Kopf miteinander verknüpfen muss. Farben mit unterschiedlichen Folien und Beschriftungen über die Position, die nur im Spiegel zu lesen sind, schaffen bei dieser Übung den Aha-Effekt.

Schulung für Berufskraftfahrer in Bassum

Trotzdem: Im Verkehrsalltag ist nicht allein der Berufskraftfahrer in der Pflicht. Das signalisiert das Schild „Pass bitte mit auf“ an der Zugmaschine, das vor allem Radler sensibilisieren soll. Akustische Warnsignale rundum den Sattelzug? Das sei leider nicht möglich, bedauert Janssen: „Das liegt daran, dass die Auflieger ja immer wieder gewechselt werden.“

Was tun, wenn ein Fahrer ohnmächtig wird oder einen Herzinfarkt erleidet? Wie Verletzte richtig versorgen? Das erläutert Jens Hodur (SVG) an diesem Tag. Nach neun Stunden haben die Berufskraftfahrer alle Stationen durchlaufen. Wie ein Symbol wirkt am Ende ein Plakat, das auf dem Speditionsgelände leuchtet: „Bei mir hat es Klick gemacht.“ Übrigens: Jedes einzelne der Module, das die Fahrer für ihre rechtlichen Nachweise brauchen, umfasst sieben Stunden.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema:

Google Pixel 2 und Pixel 2 XL im Test

Google Pixel 2 und Pixel 2 XL im Test

Pizarros Treffer gegen Werder

Pizarros Treffer gegen Werder

FCB-Trainingsbilder: Vidal im Abschlusstraining dabei

FCB-Trainingsbilder: Vidal im Abschlusstraining dabei

Party im Hansezelt mit Jürgen Drews, Klaus & Klaus und „Malle-Jens“

Party im Hansezelt mit Jürgen Drews, Klaus & Klaus und „Malle-Jens“

Meistgelesene Artikel

Eingangsstufe in Aschen offen für alle Diepholzer Grundschüler

Eingangsstufe in Aschen offen für alle Diepholzer Grundschüler

„Sternenfahrten“: „Lissy“ erfüllt bald Wünsche von Sterbenskranken

„Sternenfahrten“: „Lissy“ erfüllt bald Wünsche von Sterbenskranken

Ausgleich für Windpark: Luftige Wohnungen für Uhus

Ausgleich für Windpark: Luftige Wohnungen für Uhus

Fechtkunst am Schloss

Fechtkunst am Schloss

Kommentare