Verbale und körperliche Gewalt

Wenn Retter zu Opfern werden: Polizist Lukas Waldbach bietet Selbstverteidigungskurse an

Lukas Waldbach

Bassum – „Wer rettet, darf nicht angegriffen werden“, lautet der Leitspruch von Lukas Waldbach. Der Bassumer arbeitet hauptberuflich als Polizist in Delmenhorst und hat sich vergangenes Jahr mit Selbstverteidigungskursen selbstständig gemacht. Nun möchte er neben Privatpersonen auch gezielt Feuerwehrmitglieder schulen, damit sie im Einsatz nicht Opfer verbaler und körperlicher Gewalt werden. Dafür hat der 26-Jährige ein besonderes Konzept erarbeitet. Testen werden das 25 Mitglieder der Feuerwehr Bassum, die im November geschult werden. Die Fragen stellte Julia Kreykenbohm.

Wie kam es dazu, dass Sie einen extra Selbstverteidigungskurs für Feuerwehrleute entwickelt haben?

Durch meinen Beruf bekomme ich öfter mit, wie Feuerwehrleute oder auch Rettungssanitäter angegriffen werden. Auch die offiziellen Zahlen belegen eine Häufung der Attacken. Viele Privatleute, die in meinen Kursen, aber auch in der Feuerwehr sind, erzählen mir ebenfalls davon. Sie sagen, sie wüssten theoretisch, wie sie sich verhalten sollen, aber hätten keine praktische Erfahrung. Mir geht es darum, die Leute zu stärken, damit sie immer wissen, was zu tun ist, wenn die Polizei noch nicht vor Ort ist. Dabei habe ich Erfahrungen aus meinem beruflichen Alltag in das Konzept einfließen lassen.

Warum beginnen Sie mit der Bassumer Wehr?

Ich kenne viele Mitglieder noch von früher und habe sie gefragt, ob sie mein neues Konzept testen wollen. Das ist eine super motivierte Truppe! Ich hatte auf einen Schlag 43 Anmeldungen, musste aber die Größe etwas reduzieren, damit es nicht ausufert. Sie bekommen ein Training umsonst, sollten mir am Ende nur ein Feedback geben, wie sie es fanden.

Wie ist Ihr Unterricht aufgebaut?

Ich werde etwa sieben Stunden brauchen. In den ersten beiden geht es um Theorie, bei der ich auch den rechtlichen Bereich beleuchte: Was ist im Rahmen der Notwehr rechtlich möglich. Aber es geht auch darum, wann und wie ich Anzeige erstatten kann. Außerdem werden Möglichkeiten des Schadensersatzes aufgezeigt. Nur weil ich Uniform trage, bin ich schließlich kein Freiwild. Ich erkläre zum Beispiel, dass es wichtig ist, mögliche Verletzungen zu dokumentieren. Ich spreche aber auch über verbale Deeskalation und wie die Feuerwehrleute Stress bewältigen können. Ihre Arbeit verlangt ihnen schließlich viel ab, das macht was mit dem Körper. Zudem geht es um Stimmtraining, sicheres Auftreten und wie ich Gefahr erkenne. Die Feuerwehrleute sollen auch lernen, wie sie auf Bedrängung reagieren oder was sie tun können, wenn sie selbst oder einer ihrer Kameraden attackiert wird.

Was passiert im praktischen Teil?

Es gibt Grundlagen der Schlag- und Tritttechniken sowie Fixierungsgriffe. All das werden die Teilnehmer in ihrer Einsatzkleidung tun, um die Übungen möglichst realistisch zu gestalten. Zudem binde ich auch Feuerwehrfahrzeuge ein, da diese ja vielleicht auch mal genutzt werden müssen, um beispielsweise Leute darin unterzubringen. Ganz am Schluss werde ich zwei Gruppen bilden lassen, wobei die eine das Gegenüber darstellt, die einen Einsatz stören. Ich selber werde auch in dieser Gruppe sein, um künstlich Stress zu erzeugen. Es wird sehr intensiv sein.

Was ist das Wichtigste, was Feuerwehrleute aus Ihrem Kurs für sich mitnehmen können?

Ich denke, das sichere Auftreten, das man bekommt, wenn man weiß, was im Notfall zu tun ist. Dadurch lassen sich viele Situationen deeskalieren. Der Auftrag ist ja eigentlich retten, nicht verteidigen.

Können Sie ein Beispiel geben, wie ein Feuerwehrmann auf einen aggressiven Gaffer reagieren kann, der die Rettung behindert, weil er unbedingt sehen will, was passiert?

Da gibt es eine Reihe von Möglichkeiten. Als Beispiel kann er zunächst der Person die Sachlage eröffnen, ihm deutlich und bestimmt vermitteln, dass hier Menschenleben durch seine konkrete Handlung in Gefahr sind. Weiter kann er mögliche Konsequenzen aufzeigen und als aller letztes Mittel die Person zurückdrängen, sofern die zuständige Polizei noch nicht vor Ort ist. Genau diese Situation wird Teil des Szenariotrainings sein.

Was können Bürger tun, wenn sie sehen, wie Rettungskräfte bepöbelt werden?

Ich würde nicht empfehlen, sich einzumischen. Das könnte zu einer weiteren Eskalation der Lage führen. Sie sollen die 110 rufen und vor Ort bleiben, um im Notfall als Zeuge für die Feuerwehr aussagen zu können.

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