Fehlender Nachwuchs 

Briefmarkensammler in Not: „Wenn nichts passiert, werden wir uns irgendwann auflösen“

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Heiner Kastens macht sein Hobby noch immer viel Freude. Ihn faszinieren die Geschichten hinter den Karten und Briefmarken.

Bassum/Twistringen - Von Julia Kreykenbohm. Behutsam schlägt Heiner Kastens die Seiten seines Albums um. Von überall schaut dem Betrachter Bassum entgegen. Aber ein Bassum, wie es wohl kaum jemand der heutigen Bewohner kennt.

Auf manchen Seiten ist es das Bassum vor über 100 Jahren mit Gebäuden, die längst der Vergangenheit angehören, Straßen und Plätzen, die ihr Gesicht völlig verändert haben. Heiner Kastens sammelt Ansichtskarten aus der Stadt und auch aus Harpstedt. Hinzu kommt eine Briefmarkensammlung, bei der Sportler aus aller Welt die Motive sind.

Kastens ist Erster Vorsitzender des Vereins Briefmarken- und Münzsammler Twistringen und wenn er über sein Hobby spricht, spürt man die Liebe, die er für es empfindet. „Es macht mir immer noch Freude“, sagt der 65-Jährige, der seit rund 20 Jahren dem Verein angehört. Doch wenn er in die Zukunft schaut, bildet sich doch eine Sorgenfalte auf seiner Stirn, denn dem Verein fehlt der Nachwuchs. „Wir haben 14 Mitglieder und hatten in den vergangenen Jahren nur zwei Neuzugänge. Die meisten Sammler sind 70, 80 Jahre alt. Wenn nichts passiert, werden wir uns wohl irgendwann auflösen.“

Der Twistringer Verein ist damit nicht allein. In verschiedenen deutschen Zeitungen und in Internetforen bangen die Sammler um die Zukunft ihres Hobbys. Die jungen Leute lassen sich nicht oder kaum noch dafür begeistertn. „Die nutzen E-Mails oder Whatsapp und haben wohl kaum Bezug zu Marken und Karten“, vermutet Kastens.

Einmal habe der Verein am Sommerferienprogramm teilgenommen, um die Kinder an das Sammeln heranzuführen. Die Kleinen seien auch begeistert gewesen – aber dabei geblieben ist keiner. Selbst Kinder und Enkel von Sammlern übernehmen die Leidenschaft meist nicht. Kastens spricht aus eigener Erfahrung. Auch er hat seinen Sohn nicht dauerhaft für sein Hobby gewinnen können.

Mitglieder lassen sich nicht entmutigen

Doch die Mitglieder lassen sich dadurch nicht entmutigen. Zweimal im Monat treffen sie sich im Hotel Zur Börse in Twistringen. Allerdings gebe es Abende, wo nur zwei oder drei Mitglieder kämen, und das sei dann „nicht schön“, wie Kastens zugibt. Er würde sich sehr freuen, neue Gesichter bei diesen Treffen zu sehen, um sich auszutauschen.

Auch die große Tauschbörse, die der Verein einmal im Jahr organisiert, ist mit der Zeit geschrumpft. „Anfangs waren rund 20 Sammler dort. Heute ist es nur noch die Hälfte.“ Die Besucher sind meist älter. Wenn Kinder kommen, dann nur als Begleitung. Viele Leute kämen auch, um die Sammlung des Opas oder Vaters zu verkaufen, weil sie keinen Bezug zum Hobby haben.

Für Kastens steht jedoch fest, dass er seiner Leidenschaft treu bleiben will. Dafür besucht er auch noch immer zahlreiche Tauschbörsen in der Region. Dabei geht es ihm nicht nur um das Sammeln an sich. Ihn faszinieren auch die Geschichten hinter den Exponaten, die er ersteht. Wer waren die Leute auf den Briefmarken? Was ist das für ein Haus auf der Ansichtskarte, und wer lebte darin?

„Sich vorzustellen, dass der Verein irgendwann aufgelöst wird, ist beängstigend, deswegen machen wir weiter, so lange es geht“, sagt der Bassumer. „Wir hoffen noch immer, den ein oder anderen begeistern zu können. Viele sitzen ja vielleicht auch mit ihrer Sammlung allein zu Hause. Sie sind herzlich eingeladen, mal bei uns vorbeizuschauen. Wer im Verein ist, kann sich zum Beispiel beraten lassen und bei einem Verdacht auf Fälschungen den Dachverband in Anspruch nehmen.“ Zudem zeigten beispielsweise WM-Sticker oder Pokémon, dass die Leidenschaft zum Sammeln bei den Menschen nicht verloschen sei. „Sie ist nur kurzlebig geworden“, meint Kastens.

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