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Zu wenig Bassumer beim Open Air: 2023 wird es weniger Konzerte geben

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Von: Frauke Albrecht

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Oliver und Gaby Launer wollen 2023 etwas kürzer treten und die Zahl der Konzerte verringern.
Oliver und Gaby Launer wollen 2023 etwas kürzer treten und die Zahl der Konzerte verringern. © Bassum Open Air

Oliver Launer ist enttäuscht. Das Bassum Open Air erreicht zwar viele Menschen, aber zu wenig Bassumer. Die Nischenkonzerte sollen daher entfallen.

Bassum – Der Sommer 2022 in Bassum war der Festivalsommer schlechthin. Gefühlt gab es an jedem Wochenende ein Konzert. Veranstalter Oliver Launer zieht ein positives Fazit. Er macht aber auch klar: Nächstes Jahr wird vieles anders. Dann wird es nur noch zwei Konzertwochenenden geben. „Und nur solche, von denen wir glauben, dass wir damit Geld verdienen“, so Launer. Das bedeutet: Schluss mit den Nischenkonzerten. Den Grund nennt er auch – wirft dafür allerdings einen Blick zurück.

Das Ziel 2016: Ein Open Air für Bassum und die Bassumer

„Ich bin 2016 mit dem Ziel angetreten, etwas für Bassum zu machen. Für Bassum und die Bassumer. Und nun muss ich feststellen, dass die Bassumer das gar nicht honorieren.“ Launer ist enttäuscht. Er habe in den vergangenen Jahren stets versucht, ein breites Spektrum abzudecken, für jeden Musikgeschmack etwas anzubieten. „Dabei ging es mir nicht ums Geldverdienen“, stellt er klar.

Er habe bewusst auch defizitäre Konzerte ins Programm genommen. „Weil ich wusste, dass beispielsweise ein Oerding die Kosten für einen anderen, etwas unbekannteren Künstler wieder reinholt.“ Aber nun fragt er sich: „Warum soll ich das Risiko eingehen, wenn die Bassumer gar nicht kommen?“

Vino Bar: Letzter Öffnungstag ist der 23. Dezember

2023 wird es eine weitere Neuerung geben, diese betrifft allerdings nicht das Festival, sondern die Vino Bar. „Es wird uns alles zu viel. Wir machen das nach wie vor gerne, aber wir sind beide berufstätig.“ Das Ehepaar Launer hat sich entschlossen, Ende des Jahres die Bar zu schließen. „Das größte Problem ist es, Fachkräfte zu bekommen. Die Sache macht uns super viel Spaß. Für Bassumer Verhältnisse wird die Bar wirklich gut angenommen. Man kann damit Geld verdienen, aber nur, wenn man selbst im Laden steht und kein Personal benötigt. Das können wir auf Dauer nicht leisten.“

Oliver Launer hofft, einen Nachfolger zu finden. „Es wäre sehr schade, wenn das Angebot eingestellt werden müsste.“ Das Weihnachtsgeschäft wollen die beiden noch mitnehmen. „Das war letztes Jahr einfach toll.“ Sie hatten einen Glühweinstand aufgebaut, als Trost, weil es den Hüttenzauber nicht gab. „Die Leute waren super happy. Wir hatten tolle Abende.“

Der letzte Öffnungstag der Vino-Bar wird der 23. Dezember sein. Launer hofft, bis dahin einen Nachfolger gefunden zu haben.

Woher Launer das weiß? Er hat die Verkaufszahlen hinterfragt. „Ich bin dieses Jahr an allen Festivaltagen über das Gelände gegangen und habe mich gewundert, dass ich kaum Leute treffe, die ich kenne“, erzählt er. So habe er sich die Mühe gemacht und bei den Vorverkaufsstellen nachgefragt, aus welchen Orten die Karten gekauft worden seien. Das Ergebnis habe ihn überrascht: „Nur vier Prozent der verkauften Karten haben Bassumer gekauft.“ 96 Prozent der Käufer stammen aus der Region, viele sogar von weiter weg.

Launer vermisst die Wertschätzung seitens der Bassumer, und das auch von offizieller Seite. „Der Bürgermeister war bei keinem Konzert dabei. Ich habe ihn jedenfalls nicht gesehen. Er war nicht mal da, um zu gucken oder die Leute zu begrüßen oder beim DRK vorbeizuschauen, die dort treu ihren Dienst verrichten.“

Launer enttäuscht von Stadt und Bürgermeister

Auch finanziell halte sich die Stadt Bassum zurück. Launer hatte einen Antrag auf Bezuschussung gestellt – sich für jedes Konzert 500 Euro gewünscht. Bekommen habe er die Zusage, dass die Stadt 500 Euro zahle, sollte er bei einem Konzert Minus machen.

„Ich habe allein 70.000 Euro Marketingkosten dieses Jahr gehabt. Wir hatten sogar Werbung im Radio. Ganz ehrlich: Eine bessere Werbung kann sich Bassum doch gar nicht wünschen. Das verstehe ich nicht.“

Launer räumt mit einem Vorurteil auf: „Die Leute glauben immer, dass wir haufenweise Geld mit dem Festival verdienen. Die hören nur die Zahl der verkauften Tickets. Dass wir aber horrende Summen für die Künstler zahlen und viele laufende Kosten haben, sehen die wenigsten. Ich habe immer betont, dass wir froh sind, die schwarze Null zu haben. Und das war ernst gemeint.“

Wir bieten nur noch die Konzerte an, von denen wir glauben, dass sie sich rechnen. 

Oliver Launer

Künftig wolle er umsteuern. „Es wird keine kleinen Konzerte mehr geben. Wir bieten nur noch die Konzerte an, von denen wir glauben, dass sie sich rechnen. Minimum sind 1500 Besucher.“

Was ihn freut, ist, dass Lob von Fremden und Auswärtigen komme. „Viele haben uns geschrieben und sich bedankt. Ein Ehepaar aus Osnabrück ist sogar zweimal angereist, weil es ihm so gut gefallen hat.“

Die Bilanz 2022: Launer hat mehr als 16.000 Tickets verkauft. „Damit sind wir zufrieden, bedenkt man, dass wir im Zeitraum von 2016 bis 2019 zusammen rund 43.000 Tickets verkauft haben.“ Positiv außerdem: „Das Wetter war noch nie so gut wie in diesem Jahr.“

„Zickige“ Herren von Sweet verursachen 3500 Euro Taxikosten

Die größte Überraschung für Launer war Versengold. „Ich kannte die gar nicht, hatte vorher noch nie ein Lied von denen gehört. Aber vom ersten Ton war ich geflasht. Ich habe sogar getanzt und gesungen.“ So kennt sich Launer selbst nicht. „Versengold war Emotion pur.“ Deshalb wolle er versuchen, die Gruppe nächstes Jahr wieder zu holen.

Die größte Enttäuschung für ihn sei das Konzert von Vicky Leandros gewesen. Vielleicht auch, weil er sich im Vorfeld am meisten darauf gefreut hatte. „Wir hatten nur 400 Besucher.“ Doch nicht nur der zaghafte Verkauf habe ihn überrascht: „Sie trifft die hohen Töne nicht mehr. Ich war enttäuscht.“

Wieder sehr schön hingegen sei der Kontakt zu den Künstlern gewesen, wobei es da durchaus Unterschiede gebe. Die Herren von Sweet seien richtig „zickig“ gewesen. Essen, Shuttle-Service, Übernachtung – die älteren Herren hatten stets Extrawünsche. „Allein für diesen Abend musste ich 3500 Euro Taxikosten zahlen“, plaudert Launer aus dem Nähkästchen. Die Krönung war, dass zwei aus der Gruppe nicht vor Ort übernachten wollten, sondern im Fünf-Sterne-Hotel am Flughafen. Hieß für Launer doppelte Taxikosten, denn der Rest der Gruppe hatte keine Probleme mit der Location vor Ort. „Da heißt es Zähne zusammenbeißen und lächeln. Denn das steht im Vertrag“, so Launer.

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Umso mehr habe er die unkomplizierten Musiker von Uriah Heep genossen. „Das war hier Klein Wacken in Bassum. Die waren einfach richtig gut drauf.“ Auch Milow und Johannes Oerding hätten Spaß gemacht.

Die Vielzahl der Konzerte in diesem Jahr war Corona geschuldet. 2020 und 2021 fiel das Festival aus, die Auftritte wurden verschoben. Was Launer freut, ist, dass nur zehn Prozent der Tickets zurückgegeben worden seien. „Ich habe mit anderen Veranstaltern gesprochen. Das ist eine gute Quote. Da bin ich echt zufrieden.“

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