Kindergarten Kinderreich überlegt, Essensangebot zu verändern

Weniger Fleisch für junges Gemüse

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Mehr Obst und Gemüse statt Fleisch: Das wünschen sich Heidrun Brinkmann und Hans Holsten für den künftigen Speiseplan des Kinderreiches.

Bassum - Alles begann mit einer Pute. Die lag schon fertig zur Zubereitung in der Küche des Kindergartens Kinderreich. Hans Holsten, der zu diesem Zeitpunkt, Anfang des Jahres, noch der „neue Leiter“ war, ließ sich von Köchin Heidrun Brinkmann ihren Arbeitsplatz zeigen. Da fiel ihm das Tier ins Auge und er schaute aus Interesse mal nach, wo es eigentlich herkommt: Neuseeland. Er und Brinkman sahen sich an und hatten den gleichen Gedanken: „Das kann doch irgendwie nicht sein. Puten gibt es doch hier auch! Da müssen wir von weg.“

Das war der Anstoß für eine Kette von Gedanken und Ideen, von denen eine bereits umgesetzt worden ist. „Wir haben uns intensiv mit der Frage beschäftigt, wie wir uns eigentlich ernähren“, erläutert Hans Holsten. „Wie wird unser Essen produziert? Wie gehen wir nicht nur wertschätzend miteinander, sondern auch mit unserem Planeten um? Und es ist nun mal bekannt, dass die Produktion von Fleisch viele Ressourcen verbraucht.“ So kam es, dass das Kinderreich nur noch zweimal in der Woche Fleisch anbietet.

„Wir als Kindergarten möchten die Erwachsenen von morgen über gesunde Ernährung informieren und sie zu umweltbewusstem Verhalten erziehen. Es geht uns nicht darum, Fleisch zu verteufeln, sondern um Aufklärung. Die Kinder sollen wissen, wie ihr Essen hergestellt wird, damit sie später als mündige Bürger entscheiden können, ob sie trotzdem Fleisch zu sich nehmen wollen oder lieber darauf verzichten“, so Holsten.

Dabei soll es den Kleinen an nichts mangeln. „Das darf auch gar nicht sein, denn wir haben ja den Auftrag, für Gesundheit zu sorgen“, erzählt der Leiter und zeigt ein Ernährungsprogramm vom Bundesministerium, an das sich das Kinderreich seit Jahren hält. „Dort wird auch dazu geraten, nur maximal zweimal die Woche Fleisch anzubieten.“ Köchin Heidrun Brinkmann nickt: „Wir setzen den Kindern als Alternativen nicht nur Salat oder Nudeln vor. Sie bekommen hochwertige Sachen. Wir achten auch darauf, dass es ausgewogen ist und sie beispielsweise Kartoffeln, Gemüse oder Milchprodukte zu sich nehmen.“

Nun spielt das Kinderreich mit dem Gedanken, Fleisch nur noch einmal pro Woche anzubieten. „Doch bevor das geschieht, werden wir mit dem Beirat des Kinderrreiches und dem Stadtelternrat Rücksprache halten“, versichert Holsten, der genau weiß, wie sensibel manche Eltern bei dem Thema Ernährung ihrer Kinder reagieren. „Wir setzen das jetzt nicht einfach um, sondern wollen mit den Eltern ins Gespräch kommen, sie informieren und mögliche Fragen beantworten.“

Brinkmann weiß, dass manche Kindergärten in Bremen bereits eine komplett vegetarische Küche haben. Soweit wird es beim Kinderreich nicht kommen. „Einmal pro Woche wird es Fleisch geben“, versichert sie. Auch vegane Ernährung ist kein Thema. „Das könnten wir auch gar nicht leisten“, so Holsten. Er und sein Team sind gespannt, wie die Eltern auf den Vorschlag reagieren werden. Bisher hat es auf das reduzierte Fleischangebot keine negativen Reaktionen gegeben.

Bei 20 Kindern gab es sowieso keine Beschwerden, da sie von Haus aus vegetarisch ernährt werden. „Andere Kinder haben erstmal verhalten reagiert, weil sie viele Dinge gar nicht kannten“, sagt Brinkmann. Sahne-Linsen mit Spätzle? Vorher nie gehört, entwickelte sich das Gericht schnell zum absoluten Renner. „Man muss es ihnen nur lecker rüberbringen“, so Brinkmann und schmunzelt.

Und die Veränderungen im Kinderreich sollen weitergehen. Puten aus Neuseeland oder Fische aus Vietnam – nur weil die keine Gräten haben – sollen bald der Vergangenheit angehören. „Wir wollen auf regionale Produkte zurückgreifen“, so Holsten und Brinkmann ergänzt: „Und so auch den Kindern beibringen, welche Dinge zu welcher Saison gehören. Dann gibt es eben im Oktober keinen Erdbeerquark sondern halt leckeren Kohl.“

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