Blick hinter die Kulissen

Wenig Schlaf und viele Überstunden: Was Wahlen für Verwaltungsmitarbeiter bedeuten

Flaggen wehen am Bassumer Rathaus.
+
Nicht nur am Wahltag haben die Mitarbeiter des Rathauses viel zu tun.

Nach der Wahl ist vor der Wahl. Seit Monaten arbeitet ein Team in der Bassumer Stadtverwaltung daran, dass die Wahlen reibungslos verlaufen. Bei der Kommunalwahl hat es wunderbar geklappt. Nun steht am 26. September der nächste Termin an. Für die Mitarbeiter der Verwaltung bedeutet das in diesen Tagen wenig Schlaf und viele Überstunden.

Bassum – In den vergangenen Wochen schreckte Sabine Marx nachts des Öfteren aus dem Schlaf hoch mit dem Gedanken: „Habe ich an alles gedacht? Das muss ich morgen früh gleich klären.“ In den meisten Fällen hatte sie an alles gedacht, wie ihr die Kollegen tags darauf bescheinigten. Meistens mit dem Hinweis, dass sie ebenfalls schlecht geschlafen hätten.

Hinter den Mitarbeitern des Fachbereichs II der Stadtverwaltung Bassum liegen arbeitsintensive Wochen. Es sei in normalen Zeiten schon anstrengend, eine Wahl zu organisieren. „Doch in Coronazeiten erst recht“, sagt Sabine Marx.

Allein in diesem Monat hat sie schon 50 Überstunden angesammelt. Und täglich kommen neue hinzu. Ebenso bei ihren Kollegen – allen voran Norbert Lyko, Alla Sprick, Simone Wolf und Anke Schulz.

Und noch ist es nicht vorbei, denn in knapp eineinhalb Wochen ist die Bundestagswahl. Und danach müssen die Mitarbeiter Arbeit aufholen. Vieles ist liegen geblieben.

Für Marx, Sprick, Lyko und die anderen war es das erste Mal, dass sie eine Wahl organisieren. Das bewährte Team vergangener Jahre ist im Ruhestand – wo also nur anfangen? Zum Glück gibt es Leitfäden, so Marx. Und hilfsbereite Landkreismitarbeiter.

Doch trotz der guten Zusammenarbeit sei ihr zeitweise das Lächeln abhandengekommen. „Es macht sich keiner ein Bild davon, wie groß die Anspannung ist und was da alles hintersteckt.“

Es gibt ein Foto von ihr. Alla Sprick hat es gemacht.

Kistenweise Wahlunterlagen stapeln sich im Rathauskeller: Sabine Marx hat alles fest im Blick.

Es sagt mehr als 1000 Worte. Es zeigt Sabine Marx im Keller des Rathauses inmitten von Kisten mit Papierstapeln – Zettel, Wahlscheine, Anschreiben, Briefumschläge, Erläuterungen und und und. „Es sieht nach Chaos aus, ist aber alles durchdacht“, sagt Marx. Dahinter stecke ein ausgeklügeltes Sortiersystem.

Angefangen habe die Arbeit aber bereits viel früher, so ungefähr vor sechs Monaten. Nachdem der Termin für die Bürgermeisterwahl festgelegt worden war, begann die Suche nach Wahlhelfern. Nicht immer leicht, denn viele seien seit Jahrzehnten dabei und mittlerweile müde. „Einige wollen sich den Stress nicht mehr antun“, erzählt sie. Vor allem nicht in Coronazeiten.

„Da begann schon das Rechnen“, erinnert sich auch Norbert Lyko. „Bin ich da schon durchgeimpft?“, lautete die alles entscheidende Frage. „Wir haben einen Pool von rund 200 Mitarbeitern. Dazu zählen übrigens alle aus dem Rathaus. 170 waren am Sonntag im Einsatz.“

Massen von Unterlagen bestellt

Nachdem die Freiwilligen gefunden waren, wurde der Wahlausschuss gebildet, dann seien die Parteien angeschrieben worden, ihre Kandidaten rechtzeitig zu benennen. Die müssen geprüft und zugelassen werden. Und das rechtzeitig, damit das Material bestellt werden kann. Zum Beispiel müssen die Stimmzettel gedruckt werden.

Doch wie viele Umschläge, Stimmzettel, Wahlscheine et cetera werden benötigt? Massen von Papier. Marx holte Angebote von Druckereien ein. Die Lieferungen wurden genauestens geprüft. Und doch passierte dieser fatale Fehler mit den fehlenden Kreisen bei Maria Babic auf den Stimmzetteln. „Das war dann der Zeitpunkt, wo auch bei mir die Nerven blank lagen“, räumt Lyko ein.

Alle hätten die Materialien wieder und wieder geprüft. Keiner hatte es gesehen. „Da war Wundenlecken angesagt“, so Lyko. Zu dem Zeitpunkt waren schon 800 Briefwahlunterlagen raus. Zum Glück wurde entschieden: Die Stimmzettel sind gültig.

Viele nutzen Briefwahl: 120 bis 150 Stimmzettel am Tag

„Sobald die Wahlbriefe erstellt und raus waren, begann der Run“, erinnert sich Marx. Das Angebot, Briefwahl zu nutzen, nahmen viele an. „Am Tag kamen etwa 120 bis 150 Stimmzettel zurück. Wir hatten hier allein drei Leute abgestellt, die nur die eingehenden Briefwahlunterlagen sortiert haben.“ Am Ende waren es 2865.

Diese mussten bei der Auszählung den jeweiligen Ortschaften zugeordnet werden, wegen der Ernennung der Ortsvorsteher. Die Partei, die in den Ortschaften die meisten Stimmen bekommt, stellt den Ortsvorsteher. Und so stapelten sich im Keller wieder Berge von Unterlagen.

Vor einigen Wochen folgte die Bereisung der Wahllokale, um zu prüfen, ob dort die Abstände eingehalten werden können, ob es Möglichkeiten zum Lüften gibt, wie die Kabinen am besten aufgestellt werden und anderes mehr. Es gab mehrere Zusammenkünfte mit den Wahlvorständen. Und vor allem gab es viele Fragen, beispielsweise die nach dem Umgang mit Maskenverweigerern.

Für jedes Wahllokal gibt es Hygienepakete

Und wegen Corona stellte Marx für alle Wahllokale Hygienepakete zusammen, mit allem, was benötigt werden könnte, angefangen vom Desinfektionsspray über Handschuhe, Zewa-Rollen, Kugelschreibern, Selbsttests bis hin zu Umschlägen, Hygieneverordnungen, Pack- und Klebeband, um am Boden Abstände einzuzeichnen. Auf jede Eventualität vorbereitet sein – das war Ziel. Und das habe geklappt. Selbst als am Freitag vor der Wahl noch jemand anrief und behauptete, keine Briefwahlunterlagen bekommen zu haben, schafften Marx und Lyko noch die Lösung herbei.

Am Wahlabend selbst arbeiteten alle bis weit nach Mitternacht – und die Überstunden gingen auch am Montag weiter. „Da kamen alle Meldungen zurück. Wir haben bis in die Puppen noch die Kreiswahl geprüft“, erzählt Marx.

Auch die vergangenen Tage stand die Prüfung der Unterlagen an. Und was passiert damit? „Die werden bis zur nächsten Wahl im Tresorraum aufbewahrt.“

Unterlagen werden im Tresorraum aufbewahrt

Aufatmen können Marx und ihr Team noch nicht. Denn nach der Wahl ist vor der Wahl – „derzeit sind wir wieder damit beschäftigt, die Hygienepacks für die Wahllokale zu packen“. Und es flattern täglich neue Briefwahlunterlagen ins Haus. „Stand heute haben wir schon 2 500 Briefwähler und nächste Woche ist auch noch Zeit, abzugeben“, so Marx. Was sie freut: Das Team muss die Unterlagen dieses Mal nicht selbst auszählen. Bei der Bundestagswahl macht das der Landkreis.

Für Marx ist es übrigens die erste und die letzte Wahl. „Bei der nächsten bin ich im Ruhestand. Und das ist auch gut so.“ Dann dürfen sich andere die Nächte um die Ohren schlagen.

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Sauberhafte Zeiten: Vorwerk-Aktionssets mit gratis Extra sichern

Sauberhafte Zeiten: Vorwerk-Aktionssets mit gratis Extra sichern

Was Hobbyköche über die Schwarzwurzel wissen sollten

Was Hobbyköche über die Schwarzwurzel wissen sollten

Bin ich gegen Corona immun? Jetzt mit dem Corona-Antikörper-Selbsttest herausfinden

Bin ich gegen Corona immun? Jetzt mit dem Corona-Antikörper-Selbsttest herausfinden

15 Ratsmitglieder in Weyhe verabschiedet

15 Ratsmitglieder in Weyhe verabschiedet

Meistgelesene Artikel

Das wird wohl teuer: 20-Jähriger baut Unfall – ohne Lappen und Versicherung

Das wird wohl teuer: 20-Jähriger baut Unfall – ohne Lappen und Versicherung

Das wird wohl teuer: 20-Jähriger baut Unfall – ohne Lappen und Versicherung
Plötzlich ist die Haustür weg: Mieter fühlt sich aus Haus heraus gemobbt

Plötzlich ist die Haustür weg: Mieter fühlt sich aus Haus heraus gemobbt

Plötzlich ist die Haustür weg: Mieter fühlt sich aus Haus heraus gemobbt
65-jähriger Mann ertrinkt im Weyher Wieltsee

65-jähriger Mann ertrinkt im Weyher Wieltsee

65-jähriger Mann ertrinkt im Weyher Wieltsee
Kaputte Autoscheibe: Zeugen entlasten Hunderetter Rüdiger Weber

Kaputte Autoscheibe: Zeugen entlasten Hunderetter Rüdiger Weber

Kaputte Autoscheibe: Zeugen entlasten Hunderetter Rüdiger Weber

Kommentare