Ein wenig Freude in das Elend tragen

Bassumer Verein Faithlines organisiert Hilfstransporte in bedürftige Länder

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Tobias Hoffman (links) und Ingvar Goldsche hoffen, dass noch mehr Menschen Faithlines unterstützen werden.

Bassum - Von Julia Kreykenbohm. Als Tobias Hoffmann, Vorsitzender des Vereins Faithline, das erste Mal das Elendsviertel in Rumänien betritt, kann er es kaum fassen. Er befindet sich in einem Land, das Mitglied der EU ist. Doch dieses Gebiet erinnert ihn an ein Slum, wie man es aus Afrika kennt: „Bretterhütten, kein Wasser oder Strom, keine Kanalisation, würdelos, hoffnungslos“, gibt Hoffmann seine Eindrücke wieder. „Es war unsagbar dreckig und überall Ungeziefer. Die Kinder liefen barfuß durch den Unrat. Manche Familien haben nur ein Paar Schuhe.“ Da gehe einem erstmal auf, aus was für einem reichen Land man komme.

Es ist 2016. Hoffmann hat den Bassumer Verein gerade ins Leben gerufen und Reisen, wie die nach Rumänien zeigen ihm, dass es richtig war. Denn die Hilfe, die Faithline bedürftigen Menschen innerhalb der EU in Form von Sachspenden zukommen lassen möchte, wird dringend gebraucht. Mit 27 Jahren hat Hoffmann, der schon in verschiedenen Berufen, unter anderem als Lastwagenfahrer, gearbeitet hat, sich die Frage gestellt, was er in seinem Leben unbedingt noch machen will. „Etwas eigenes auf die Beine stellen, das nachhaltig ist und Menschen in Not praktische Hilfen gibt.“ Die Idee zu Faithline war geboren. Bei dieser Hilfe möchte er sich auf EU-Länder, wie das Baltikum, konzentrieren, wobei auch schon mal Weißrussland auf dem Fahrplan stand.

Zusammenarbeit mit Hilfswerken

Faithline arbeitet eng mit Hilfswerken vor Ort zusammen. „Die kennen die Menschen, wissen, was gebraucht wird und sind auch noch da, wenn wir wieder weg sind“, so Hoffmann. Und was brauchen die Menschen? Wenn man Hoffman zuhört, bekommt man den Eindruck: alles. „Kleidung, Schuhe, Möbel, Bettzeug, Hygieneartikel – Alltägliches. Es gibt Kinder, die müssen mit einer Windel eine Woche auskommen. Wenn man ihnen eine kleine Tüte Gummibärchen schenkt, ist das für die wie Weihnachten.“

Auch wenn der Verein nur acht Mitglieder hat, sei die Unterstützergemeinde sehr viel stärker. Unternehmen und auch Privatpersonen helfen. So hat 2017 Gemüse Meyer aus Twistringen Lebensmittel gespendet und eine Familie habe begonnen, beim Einkaufen immer zwei gleiche Produkte zu kaufen, wie zwei Zahnbürsten. „Eine davon behalten sie für sich, die andere geht in einen Karton. Wenn der voll ist, bringen sie ihn uns vorbei“, freut sich Hoffmann.

Doch es müssen auch gar nicht neu gekaufte Spenden sein. „Wenn das Kind auf eine höhere Schule wechselt, wird meist ein neuer Ranzen gekauft und der alte steht auf dem Dachboden. Wir nehmen ihn gern für die Kinder mit, die sich nie einen leisten könnten“, sagt Ingvar Goldsche, Versicherungsmakler aus Bassum, der den zweiten Vorsitz bekleidet. Auch gut erhaltenes Spielzeug werde gern genommen. Eine seltene Freude im Leben der Kinder, die unter katastrophalen Umständen und meist ohne Liebe aufwachsen, weil auch schon ihre Eltern keine erfahren haben. „Ein Teufelskreis“, sagt Hoffmann. Der Verein holt die Spenden kostenlos ab.

Das Elendsviertel in Rumänien, das Faithlines bald wieder besuchen wird. - Foto: Faithlines

Die Touren fährt Hoffmann selbst. In seiner Freizeit. Da ist er schon mal locker eine Woche unterwegs – für eine Strecke. Früher musste er einen Lastwagen mieten, inzwischen hat Faithlines zwei eigene. Die Kosten werden aus der Vereinskasse bestritten. Wenn Hoffmann vor Ort ist, hilft er nicht nur beim Ausladen und Aufbauen, sondern bleibt auch für ein paar Tage, um die Leute kennenzulernen. Das bietet er auch Interressierten an. „Wer möchte, kann als Beifahrer mitkommen.“ Hoffmann will eine größtmögliche Transparenz. Die Leute sollen sehen, was mit ihren Spenden passiert. Dazu soll auch die Homepage des Vereins beitragen.

„Die Leute zahlen bei uns keinen Mitgliedsbeitrag“, sagt Hoffmann. „Uns ist wichtiger, dass sie mit dem Herzen dabei sind. Man muss auch nicht Mitglied sein, um uns zu unterstützen. Wer spenden, beim Beladen der Lastwagen helfen oder eine Tour begleiten will, ist willkommen. Außerdem suchen wir auch noch Fahrer“, so Hoffmann, der bislang der einzige ist. Jeder, der einen Lastwagenführerschein hat, kann das übernehmen.

Der nächste Transport nach Rumänien fährt am 23. Juli. Bis dahin freut sich Faithline noch über Spenden. Interessenten können sich bei Tobias Hoffmann unter 0177/8967728 oder per E-Mail an info@faithline.de melden.

www.faithline-aidtransports.com

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