Weil Kämpfer auch mal Hilfe brauchen

Verein „Ein Tropfen Hoffnung“ unterstützt Familie in Groß Ringmar

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Sandra Nolte vom Verein dankt Kai Dieckmann für die Spende.

Bassum - Sophia mag Musik. Das Radio läuft eigentlich 24 Stunden. Und sie steht auf Fußball. Die Bundesligakonferenz ist Pflichtprogramm, ebenso wie die Länderspiele. Und Sophia ist eine Kämpferin. Schon seit sie auf der Welt ist. Kurz nach der Geburt erlitt das Frühchen einen Darmverschluss und während einer Operation Sauerstoffmangel im Gehirn. Seitdem ist die blind, kann nicht sprechen oder laufen, leidet unter Epilepsie und hat aufgrund des vielen Liegens Probleme mit der Atmung.

Mehrmals stand sie schon an der Schwelle zum Tod. Zuletzt Anfang dieses Jahres. Aber Sophia hat sich zurückgekämpft. „Sie hat einen unglaublichen Lebenswillen“, sagt Mama Elke und streichelt liebevoll die Wange ihrer Tochter. Das Gerät am Bett misst Sauerstoffgehalt und Puls der 17-Jährigen. Wenn ihm Sophias Werte nicht gefallen, piept es durchdringend – was oft passiert. „Wenn es ihr gut geht, ist sie ein glücklicher, fröhlicher Mensch, der mit seinem Lachen alle mitreißen kann. Und sie ist die einzige 17-Jährige, die ich kenne, die gern zur Schule geht“, sagt Elke Müller und schmunzelt.

Auch sie ist eine Kämpferin. Gemeinsam meistern die beiden Frauen, Sophias Schwester und ihr Papa die großen und kleinen Herausforderungen des Alltags. Und von denen gibt es immer welche. Manche kann die Familie aus Groß Ringmar allein bewältigen, manche nicht. „Mit einem schwerstbeeinträchtigten Kind kann selbst eine kleine Schwelle das Leben schwer machen“, sagt Elke Müller und schaut auf den Übergang zwischen Flur und Schlafzimmer von Sophia. Der Boden des Zimmers liegt deutlich höher als der des Flurs, da dieser zurzeit noch keinen richtigen Belag hat. Jedes Mal, wenn sie mit ihrer Tochter im Rollstuhl über diese Schwelle muss, hat sie „Schweißausbrüche“, denn auch Sophia ist das absolut nicht geheuer. „Sie spürt, wie der Rollstuhl sich neigt und bekommt Angst, weil sie ja nichts sieht. Dadurch verkrampft sie, was wiederum einen Anfall auslösen kann.“

Elke Müller ist im Grunde 24 Stunden am Tag für ihre Tochter da.

Familie zieht in ebenerdige Wohnung

Eigentlich wollte die Familie das Problem selbst beheben. Vor drei Jahren zog sie in das etwa 90 Jahre alte Haus in Groß Ringmar, an dem einiges zu machen war. „Wir mussten im Grunde komplett erneuern“, sagt Müller. Aber für Sophia sei es das Richtige gewesen, denn seit sie so gewachsen ist, ist es schwer, sie immer die Treppe hoch und runter zu tragen. Die neue Wohnung ist ebenerdig. Und Sophia fühlt sich in ihr pudelwohl.

Bei den Sanierungsarbeiten lernte die Familie Andre Bartels kennen. Der Geschäftsführer der Carl Cordes GmbH aus Bassum ist auch der Vorsitzende des Vereins „Ein Tropfen Hoffnung“, der es sich auf die Fahnen geschrieben hat, Kinder mit Beeinträchtigungen und ihre Familien durch Spenden zu unterstützen.

„Er fragte uns, ob wir finanzielle Hilfe bräuchten, aber wir haben zunächst abgelehnt“, erzählt Müller. „Schließlich wurden unsere Kosten durch die Krankenkasse gedeckt. Wir sagten, dass das nicht notwendig sei und es jemand anderes sicher mehr brauche.“ Doch dann traten immer neue Probleme bei dem Haus auf. Unter anderem kam der Putz von den Wänden, und die Elektrik musste erneuert werden. Plötzlich war kein Geld mehr übrig, um den Boden im Flur zu erhöhen, damit der Übergang zu den anderen Räumen reibungslos verläuft.

„Ich dachte, mich trifft der Schlag“

„Deswegen haben wir nochmals bei Herrn Bartels nachgefragt – obwohl es mir unangenehm war. Er meinte, das würde im Vorstand des Vereins besprochen und ich solle ihm mal unsere Kontonummer geben. Ich hoffte auf 200 bis 300 Euro. Als ich dann kurz darauf meinen Kontostand sah, dachte ich, mich trifft der Schlag.“ 2000 Euro hatte die Familie plötzlich zur Verfügung. „Ich rief ihn sofort an und sagte, dass das zuviel sei, aber er meinte, solche Arbeiten seien oft teurer, als man zunächst glaube, und es komme ja doch immer etwas dazu.“

Eine große Last war von Familie Müller genommen. „Der Name des Vereins passt sehr gut. Als pflegender Angehöriger hat man genug Sorgen, muss lernen, mit Paragrafen schmeißen und alles, was man braucht, gegenüber den Behörden gut begründen zu können. Probleme gibt es mit den Kassen oft, wenn man im Nachhinein Dinge beantragen will. Da ist es eine große Erleichterung, wenn einem dann so schnell und unbürokratisch geholfen wird.“

Der Verein würde gern noch mehr Menschen wie die Müllers unterstützen. „Es muss auch nicht immer eine Familie mit einem beeinträchtigten Kind sein“, so Bartels. „Wir wollen Menschen helfen, die aus irgendwelchen Gründen in eine finanzielle Schieflage geraten sind, beispielsweise die Bestattung eines Angehörigen nicht bezahlen können.“

Kai und Anja Dieckmann aus Ristedt finanzieren Hilfe

Möglich machen diese Hilfe Menschen wie Kai und Anja Dieckmann vom gleichnamigen Gartenservice in Ristedt. Das Paar hat vor Kurzem 1500 Euro an den Verein übergeben. „Ich finde es wichtig, dass man etwas macht. Wenn es einem selbst gut geht, sollte man etwas für die Leute tun, bei denen es nicht so ist“, sagt Dieckmann. „In diesem Jahr haben wir unser 15-jähriges Bestehen gefeiert und baten die Gäste, statt Geschenken Geld zu spenden. Wir danken allen, die etwas gegeben haben“, sagt Anja Dieckmann.

Leider haben sich bisher kaum Familien beim Verein gemeldet, um etwas von dem bereitliegenden Geld zu beantragen. Elke Müller kennt das Schamgefühl sehr gut, möchte aber möglichen Interessierten Mut machen: „Probiert es einfach. Es erleichtert so viel, wenn man mal nicht um einen Betrag kämpfen muss. Man kämpft jeden Tag schon genug.“

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