Mit der Tragkraftspritze im Einsatz

Heinrich Straßburg ist seit 70 Jahren in der Feuerwehr

+
Neubruchhausen bekam 1955 sein erstes Feuerwehrauto.

Albringhausen - Von Julia Kreykenbohm. Eine große Rauchsäule steigt über Neubruchhausen auf. Heinrich Straßburg kann sie deutlich erkennen und eilt darauf zu.

Als der Jugendliche an der Brandstelle eintrifft, der Schock: Das Elternhaus eines Schulkameraden von ihm steht in Flammen. Er und seine Freunde helfen zu retten, was zu retten ist. Aber mehr können sie nicht tun. Doch dieses Erlebnis prägt den jungen Mann. Mit 17 Jahren tritt er in die Feuerwehr Neubruchhausen ein. Weil viele Klassenkameraden bereits Mitglieder sind und er künftig bei solchen Katastrophen nicht hilflos sein möchte. 70 Jahre ist das jetzt her.

Vieles hat sich seitdem verändert. So lebt Straßburg nicht mehr in Neubruchhausen, sondern in Albringhausen. Aber Feuerwehrmann ist er noch immer und wurde deswegen auch vor Kurzem auf der Jahreshauptversammlung geehrt (wir berichteten).

Der 87-Jährige öffnet behutsam ein in grünes Leder gebundenes Fotoalbum. Auf einer Seite finden sich verschiedene Bilder in Schwarz-weiß von einem altmodischen Fahrzeug, das mit Girlanden geschmückt auf schneebedeckter Straße fährt. „1955“ ist mit weißer Farbe darauf gemalt. „Das ist das neue Feuerwehrauto gewesen“, erinnert sich Straßburg lächelnd. „Das erste, das die Feuerwehr Neubruchhausen bekam.“ Wenn es zuvor brannte, mussten er und seine Kameraden mit einer Tragkraftspritze aus dem Jahr 1934 zum Einsatz, die auf zwei Rädern rollte und entweder von einem Trecker oder von Lastwagen gezogen werden musste.

Heinrich Straßburg ist Feuerwehrmann aus Überzeugung.

1957 zog der Landwirt nach Albringhausen – wo es noch kein Feuerwehrauto gab. Viele Brände hat er während seiner langen Feuerwehrlaufbahn gesehen. So wie der, als der Blitz ein Häuslingshaus traf oder ein Schwelbrand, bei dem er und seine Kameraden die Dachpfannen wegräumen mussten, um ins Haus zu gelangen. Auch Straßburgs Frau Hilde erinnert sich an diesen Einsatz, bei dem sie große Sorge um ihren Mann hatte. „Es hätte ja sein können, dass plötzlich die Flammen aus dem Gebäude schlagen“, sagt sie. Doch ihr Mann hatte Glück und ist nie im Einsatz verletzt worden.

Straßburg wirkt beeindruckt, wenn er von der modernen Technik spricht, die den Feuerwehrleuten heute zur Verfügung steht. „Wenn man sieht, wie schnell sie auf verschiedenen Wegen alarmiert werden können. Wir hatten damals lange nur das Feuerwehrhorn und die Sirene – und wenn der Strom ausfiel, nützte Letztere auch nichts.“ Auf Atemschutzmasken musste er in seiner Zeit in der Neubruchhausener Wehr verzichten. Wenn der Alarm losging, wurden die Wege meist zu Fuß zum Einsatzort zurückgelegt.

„Die Leuten waren dankbar“

Doch es gibt auch etwas, das früher wohl besser war: Das Verhalten der Menschen gegenüber den Einsatzkräften, die in ihrer Freizeit immer zur Stelle sind, wenn sie gebraucht werden. „Die Leuten waren dankbar, manche haben auch mal Brote für uns geschmiert“, erzählt Straßburg.

Ein Angebot, ihn zum Ausbildungs- und Brandmeister zu machen, hat er ausgeschlagen. „Ich hatte keine Zeit dafür, denn ich wollte auch für meine Familie da sein. Ich hatte nie eine besondere Position“, sagt er bescheiden. Die Zeit in der Feuerwehr habe ihm immer Freude gemacht. Schön sei es gewesen, helfen zu können, wenn es nötig war. An Austritt hat er nie gedacht.

Seine Begeisterung hat Straßburg übrigens weitergegeben. Kinder und Enkel von ihm sind ebenfalls in der Feuerwehr aktiv.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema:

Ursachensuche nach verheerendem Brücken-Einsturz in Genua

Ursachensuche nach verheerendem Brücken-Einsturz in Genua

Ford Focus im Test: Aller guten Dinge sind vier

Ford Focus im Test: Aller guten Dinge sind vier

Essen für Kinder selbst gemacht

Essen für Kinder selbst gemacht

Dramatische Bilder: Autobahnbrücke in Genua eingestürzt

Dramatische Bilder: Autobahnbrücke in Genua eingestürzt

Meistgelesene Artikel

Großbrand auf Bauernhof in Sulingen: Eine 60-Jährige verletzt

Großbrand auf Bauernhof in Sulingen: Eine 60-Jährige verletzt

Brand an der B6: Zahlreiche Autofahrer benachrichtigen Einsatzkräfte

Brand an der B6: Zahlreiche Autofahrer benachrichtigen Einsatzkräfte

Im Angesicht von Wespen: Bloß nicht pusten!

Im Angesicht von Wespen: Bloß nicht pusten!

Kinder haben vermehrt Probleme beim Fahrradfahren

Kinder haben vermehrt Probleme beim Fahrradfahren

Kommentare