Träger der Bassum Medaille: Horst Hoffmann hat sich als Chronist verdient gemacht

Wege aufzeigen, bevor sie nicht mehr zu finden sind

Horst Hoffmann recherchierte unter anderem die Geschichte der Feuerwehr Neubruchhausen und veröffentlichte die Chronik. - Foto: Kaack

Neubruchhausen - Von Ulf Kaack. Acht Bürger der Stadt wurden kürzlich mit der Bassum Medaille für hervorragendes ehrenamtliches Engagement ausgezeichnet. Einer von ihnen ist Horst Hoffmann, der sich als Chronist des Neubruchhauser Vereinslebens verdient gemacht hat. Wir haben ihn besucht.

Befragt nach dem Grund für sein Tun, antwortet Horst Hoffmann mit einem Sinnspruch aus seiner schlesischen Heimat: „Bevor die Wege zuwachsen, sollte man sie denen zeigen, die sie ohne uns nicht mehr finden werden.“

Der 81-Jährige hat ein ausgeprägtes Geschichtsbewusstsein. Das mag an seiner Herkunft liegen, denn er stammt aus Berna im schlesischen Rotbachtal. Hier erlebte er im Alter von elf Jahren das Kriegsende: „Pausenlos schossen die Russen, und am 5. Mai ab 24 Uhr herrschte schlagartig eine gespenstische Ruhe.“

1946 musste er mit seiner gesamten Familie sein Heimatdorf verlassen. Innerhalb von 20 Minuten war das Haus zu räumen. Horst Hoffmann trug kurze Hosen und war barfuß – bis zur Endstation der langen Reise. Im Viehwagen ging es über Magdeburg, Friedland und Bremen nach Bassum. In einem offenen Pferdewagen kam er schließlich in Neubruchhausen an.

Schnell fühlte er sich hier heimisch. „Die plattdeutsche Sprache war mir zunächst sehr fremd, aber als junger Kerl habe ich sie ruckzuck gelernt“, erinnert sich der rüstige Rentner, der auch seinen schlesischen Dialekt noch perfekt beherrscht. Mit 14 arbeitete er zunächst für die Gemeindeverwaltung Neubruchhausen. „Dort verdiente ich deutlich mehr Geld als mein Vater, der Waldarbeiter war“, grinst er spitzbübisch.

Vor 60 Jahren heiratete er seine Gisela, die – aus Hinterpommern vertrieben – ebenfalls Wurzeln in Neubruchhausen geschlagen hatte. Im kommenden August wird die diamantene Hochzeit gefeiert.

Horst Hoffmann machte eine Lehre im Bassumer Eisenwerk und war anschließend bis zum Borgward-Konkurs 1961 beim Bremer Automobilhersteller Goliath als Elektroschweißer und Karosseriebauer tätig. Nach einem kurzen Intermezzo in der Baubranche landete er schließlich bei der Kolbus Maschinenfabrik und später als Betriebsschlosser im Kunststoffwerk des Unternehmens. 1995 ging er in Rente.

Von Beginn an beteiligte sich Horst Hoffmann unermüdlich am Dorfleben in Neubruchhausen. Von 1950 bis 1952 gehörte er dem Männergesangverein an und wechselte nach dessen Auflösung in den gemischten Chor. Er war hier nicht nur als Sänger aktiv, sondern mischte auch in der Laienspielgruppe kräftig mit.

Er schloss sich der Freiwilligen Feuerwehr in Neubruchhausen an, wurde 1974 stellvertretender Brandmeister und war von 1978 bis 1996 Ortsbrandmeister. Eine Zeit lang arbeitete er im Heimatverein bei der Restaurierung der Oberförsterei mit.

„Irgendwann stieß ich dann zum Arbeitskreis Dorfchronik um Klaus Bergann und Joachim Kroll“, plaudert Horst Hoffmann. „Mein ohnehin schon großes historisches Interesse erfuhr durch die beiden noch einmal einen kräftigen Motivationsschub.“

Er recherchierte im Archiv der Stadt Bassum die Geschichte der Neubruchhauser Feuerwehr, sichtete diverse alte Schriftstücke, trug Fotos zusammen und führte zahlreiche Zeitzeugengespräche. Am Computer fügte er aus dieser immensen Datenflut schließlich eine detaillierte Chronik zusammen. Und nebenbei sammelte er Exponate der Ortswehr – Helme, Uniformen, Ausrüstungsgegenstände – und errichtete im Feuerwehrhaus eine kleine museale Schauecke.

Für diese Arbeit erntete Horst Hoffman viel Anerkennung. Das spornte ihn an, anschließend auch eine facettenreiche Chronik über das Gesangswesen seines Heimatdorfes zu verfassen. Und als dieses Werk vollendet war, widmete sich der Rentner schließlich seiner ganz persönlichen Geschichte: Er schrieb seine Autobiografie mit all den Erinnerungen und Fakten aus der alten und neuen Heimat!

„Ich finde es wichtig, dass das Wissen um die Historie im Großen und Kleinen dokumentiert und für die kommenden Generationen bewahrt wird“, meint Horst Hoffmann und fügt kritisch an: „Ich habe leider den Eindruck gewonnen, dass das Interesse an Geschichte, besonders wenn sie Lokalkolorit trägt, immer geringer wird. Gerade die jüngeren Generationen sollten für diese Thematik wieder sensibilisiert werden.“

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema:

Neues Spezialfahrzeug für Leester Feuerwehr

Neues Spezialfahrzeug für Leester Feuerwehr

Machtkampf: Zahl der Todesopfer in Venezuela steigt auf 100

Machtkampf: Zahl der Todesopfer in Venezuela steigt auf 100

Prinzessin Charlotte (2) ist einfach süß, auch schlecht gelaunt 

Prinzessin Charlotte (2) ist einfach süß, auch schlecht gelaunt 

Blutige Unruhen in Jerusalem: Bilder der Wut und Gewalt

Blutige Unruhen in Jerusalem: Bilder der Wut und Gewalt

Meistgelesene Artikel

Weyhe nimmt‘s locker mit „Singing in the rain“

Weyhe nimmt‘s locker mit „Singing in the rain“

Mächtiger Allrounder im Team - 300.000 Euro schwer

Mächtiger Allrounder im Team - 300.000 Euro schwer

Unwetter erreicht den Bremer Süden mit Hagel, Starkregen und Sturmböen

Unwetter erreicht den Bremer Süden mit Hagel, Starkregen und Sturmböen

Philip Sander löst Simon Hammann als Schützenkönig von Twistringen ab

Philip Sander löst Simon Hammann als Schützenkönig von Twistringen ab

Kommentare