Tüftler des Reparatur-Cafés starten am 26. September mit neuem Werkzeug / Auch die Nähgruppe ist mit dabei

Weg vom Wegwerfwahn

Nicht nur das Maskottchen des Reparatur-Cafés, der Corona-Bär, ist neu. Dank der AWG kann die Gruppe bald neues Werkzeug kaufen. Unser Bild zeigt (hinten, v.l.) Stefan Seltmann, Rolf Pohler, Reinhild Olma, AWG-Pressesprecher Dominik Albrecht und Hausherr Marcus Libbertz sowie (vorne l.) Maria Babic.
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Nicht nur das Maskottchen des Reparatur-Cafés, der Corona-Bär, ist neu. Dank der AWG kann die Gruppe bald neues Werkzeug kaufen. Unser Bild zeigt (hinten, v.l.) Stefan Seltmann, Rolf Pohler, Reinhild Olma, AWG-Pressesprecher Dominik Albrecht und Hausherr Marcus Libbertz sowie (vorne l.) Maria Babic.

Bassum – Den Tüftlern des Reparatur-Cafés juckt es mächtig in den Fingern. Sie freuen sich darauf, am Samstag, 26. September, endlich wieder mit ihrem Angebot zu starten, defekte Kleingeräte zu reparieren, statt sie wegzuschmeißen. Und damit das künftig noch besser funktioniert, hatten sich die Ehrenamtlichen an dem Crowdfunding-Projekt „AWG-bewegt“ der AWG Bassum beteiligt.

„Wir waren die ersten, die ihr Spendenziel erreicht haben“, berichtet Reinhild Olma vom Agenda-Büro der Stadt Bassum. 400 Euro seien auf diesem Weg zusammengekommen. Davon wird nun Werkzeug gekauft. Ganz oben auf der Wunschliste stehen ein Akkuschrauber und ein Rollschrank mit Steckdosen.

Bisher haben die Ehrenamtlichen ihre Werkzeuge selbst mitgebracht. Das werden sie auch weiterhin tun, aber es sei gut, etwas vorhalten zu können, sind sich Rolf Pohler und Stefan Seltmann einig, die beide zu den Reparateuren gehören. Steck- und Schraubenschlüssel beispielsweise gehören zu den gängigsten Arbeitsmitteln.

Seltmann wünscht sich zudem ein Ersatzteillager. Seine Anregung an die AWG, einen Rollcontainer mit Schrott aufzustellen, aus dem sich die Tüftler bedienen können, stieß auf Gehör. „Wir haben selbst schon überlegt, eine Art Gitterbox aufzustellen. Das können wir noch einmal in Ruhe besprechen“, versprach der Pressesprecher Dominik Albrecht.

Die findigen Bastler können zur Reparatur vieles gebrauchen. Die Ratsuchenden kommen mit den unterschiedlichsten Geräten – vom Staubsauger bis zum Kärcher war schon alles dabei. Die Klassiker sind der defekte Toaster und/oder die Kaffeemaschine.

Seit der ersten Öffnung des Reparatur-Cafés im April 2019 sind gut 160 Geräte über die Werkbank gegangen. „Und gut 70 Prozent davon konnten wir reparieren“, ist Pohler stolz auf das Team.

Das ist das Ziel der hobby-Handwerker. „Es ist das Größte für mich, wenn ich es hingekriegt habe“, gibt Pohler Einblick in seine Gefühlswelt. Da vergesse er auch schon mal, den gebackenen Kuchen zu essen, der manchmal gereicht wird. „Der bleibt dann meist stehen“, sagt er lachend. Dennoch genießt auch er die Geselligkeit und den Austausch. Wer nicht weiter weiß, sucht das Gespräch mit den anderen Reparateuren. Zum harten Kern zählen sieben Bastler. Weitere sind willkommen.

Die Gruppe möchte Hilfe zur Selbsthilfe geben – und das auch in Coronazeiten. Deshalb wird der Samstagmorgen am 26. September zwar etwas anders ablaufen als sonst, die Reparateure wollen aber dennoch nicht gänzlich auf den Kontakt verzichten. „Wir hatten überlegt, ob die Besucher ihre Geräte einfach nur abgeben und später abholen“, erzählt Maria Babic. Doch das widerspreche dem Nachhaltigkeitsgedanken. „Damit würden wir eine bestimmte Erwartungshaltung verstärken.“ Das Reparatur-Café wolle schließlich auch ein Zeichen setzen gegen Konsum und Wegwerfwahn. Um Kontakt zu ermöglichen und dennoch die Corona-Regeln einzuhalten, können es sich die Ratsuchenden also im Innenhof des Jugendhauses gemütlich machen und durch ein Fenster mit dem Reparateur ein Schwätzchen halten und ihm auf die Finger schauen.

Hilfe zur Selbsthilfe und viele nützliche Tipps geben auch die Teilnehmerinnen der Nähgruppe um Maria Babic und Marianne Kostorz, die ebenfalls zum Team gehören. Eine Nähmaschine ist vorhanden – diese hat Kostorz sogar selbst repariert. „Wer nicht weiß, wie ein Knopf angenäht oder ein Reißverschluss ersetzt wird, dem können wir das zeigen“, sagt Babic. Sie stellt aber auch klar: „Wir sind keine Konkurrenz zu der Nähstube an der Sulinger Straße. Wir zeigen, wie es geht, aber wir bessern nicht aus.“ Selbstmachen lautet die Devise. Ziel sei auch hier die Nachhaltigkeit. „Wir kaufen keine Stoffe, sondern arbeiten alte um“, so Babic.

Das Reparatur-Café öffnet am 26. September von 9.30 bis 12 Uhr im Jugendhaus Fönix. Das letzte Gerät sollte spätestens um 11.30 Uhr gebracht werden, damit noch Zeit bleibt, es zu reparieren. Für die Ersatzteile müssen die Besucher selbst aufkommen und diese auch besorgen. Es macht also Sinn, früh zu kommen, um eventuell noch einen Einkauf erledigen zu können.

Von Frauke Albrecht

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