Gender Coach Christiane Börger fragt: „Bekommen Sie, was Sie verdienen?“

Warum das Sammeln von Fleißkärtchen so gar nichts bringt

+
Frauen können sich bei Gehaltsverhandlungen nicht gut verkaufen: Dieser Ansicht ist Christiane Börger.

Bassum - Von Angelika Kratz. „Bekommen Sie, was Sie verdienen?“ Die provokante Frage zum Gehalt, besonders bei Frauen, war am Dienstagabend im Bassumer Rathaus kein Fall für Bescheidenheit.

Gleichstellungsbeauftragte Christine Gaumann lenkte in ihren Begrüßungsworten den Blick auf den seit 2009 initiierten „Equal Pay Day“, dem Tag der gleichen Bezahlung von Mann und Frau. Während ein Mann am 31. Dezember sich bequem auf seinen bezahlten Lorbeeren ausruhen könne, müsse eine Frau für das gleiche Geld mal eben locker bis zum 19. März weiter arbeiten.

Ein Thema, das vom Arbeitskreis „Älter, bunter, weiblicher“, einem vom Land Niedersachsen ins Leben gerufenen Aktionsprogramm bereits durch unterschiedlichste Veranstaltungen aufgegriffen worden ist.

In Zusammenarbeit mit dem Land-Frauen-Verein konnte die Bremer Kommunikationsberaterin Christiane Börger eine große Runde von Frauen und sogar einem Mann den Spiegel beim eigenen Verhalten von Gehaltsverhandlungen vor Augen halten.

Mitgebracht hatte die Bremerin, die seit vielen Jahren als Gender-Coach mit Blick auf die soziale Geschlechterrolle tätig ist, ein handfestes Programm ohne theoretisches Gedöns. Immer mehr Zettel und Stifte wurden in der Runde gezückt, denn offensichtlich sprach Börger einen wunden Punkt voll fraulicher Unsicherheiten an.

„Frauen verdienen dazu“ sei ein noch immer im weiblichen und männlichen Kopf verankertes Rollenbild. Auch durch einen „Equal Pay Day“ sei kein großer Ruck durch die Gesellschaft gegangen und noch immer gelte der Appell „traut euch doch, fordert es“.

Warum das nicht so leicht ist, läge oft in der Kindheit verborgen. Während die Mädchen als Puppenmama für Harmonie sorgen, ginge der Junge bereits vor den ersten eigenen Schritten zum Ballspiel. „Konkurrenz macht Spaß“, lernt der Knabe, „sich vertragen“ das Mädel.

Die Pädagogin und Kommunikationsberaterin öffnete immer weiter ihre Schatzkiste voll wertvoller Tipps, den anerzogenen und sicherlich Genbedingten Grundlagen ein weibliches Schnippchen zu schlagen. Was „falsch“ und „richtig“ bei Gehaltsverhandlungen ist, warum das Sammeln von Fleißkärtchen so gar nichts bringt, aber richtige Darstellung der eigenen Person für vollen Erfolg sorgt, davon gab es am Abend reichlich Material zum Mitnehmen und Überdenken.

„Verhandeln heißt Feilschen, die eigene Qualität auf den Tisch legen ist eine Bringschuld, Vorbereitung auf ein Gespräch alles“.

Die Fachfrau leuchtete in alle Ecken, denn offensichtlich kennt sie seit Jahren ihre Pappenheimer hüben wie drüben. „Treten Sie als Verhandlungspartnerin und nicht als Bittstellerin auf“, gab sie eine klare Ansage.

In der sich anschließenden Diskussionsrunde entwickelten sich erst langsam dann immer mehr ehrliche Stellungsnahmen zum eigenen Versagen und Gewinnen bei Gehaltsverhandlungen. „Es braucht ein unterstützendes Frauennetzwerk.“

Absolut falsch sei es zu denken, „wenn ich erst einmal drin bin kann ich beim Gehalt was bewegen“. Wer unten anfange, bliebe auch auf dieser Ebene. „Durch Bescheidenheit werden die Chancen nicht besser.“

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema:

20. Etappe: Froome hat vierten Toursieg so gut wie sicher

20. Etappe: Froome hat vierten Toursieg so gut wie sicher

Gute Stimmung auf dem Campingplatz beim Deichbrand

Gute Stimmung auf dem Campingplatz beim Deichbrand

Bartels trifft gegen Ex-Club, aber Werder verliert

Bartels trifft gegen Ex-Club, aber Werder verliert

Israel nimmt nach Anschlag Bruder des Attentäters fest

Israel nimmt nach Anschlag Bruder des Attentäters fest

Meistgelesene Artikel

14-Jähriger kracht auf der Flucht vor Polizei in Gaststätte

14-Jähriger kracht auf der Flucht vor Polizei in Gaststätte

Unwetter erreicht den Bremer Süden mit Hagel, Starkregen und Sturmböen

Unwetter erreicht den Bremer Süden mit Hagel, Starkregen und Sturmböen

Schönheits-OPs: Je näher der Strand, desto mehr Silikon

Schönheits-OPs: Je näher der Strand, desto mehr Silikon

Die Sicherheit geht vor Eigennutz

Die Sicherheit geht vor Eigennutz

Kommentare