Der Stiftsforst in Bassum befindet sich seit Gründung des Stifts in seinem Besitz

Wald mit Geschichte

Seit Gründung des Stifts in seinem Besitz: Der Stiftsforst in Bassum. Heiner Brüning (links) und Isabell von Kameke statten ihm einen kleinen Besuch ab.
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Seit Gründung des Stifts in seinem Besitz: Der Stiftsforst in Bassum. Heiner Brüning (links) und Isabell von Kameke statten ihm einen kleinen Besuch ab.

Bassum – Die trockenen Blätter rascheln unter den Füßen. Es knarzt leise, wenn die mächtigen Äste der Bäume sich im Wind wiegen, und das Sonnenlicht lässt das grüne Moos auf dem Waldboden kräftig leuchten. Der Forst in Nienhaus ist ein Ort der Entspannung – und gleichzeitig von historischer Bedeutung. Denn er gehört dem Stift Bassum und das – so vermutet Äbtissin Isabell von Kameke – bereits seit Gründung, also dem Jahr 858.

Doch diente der etwa 25 Hektar große Wald damals nicht dazu, dass die Stiftsdamen dort lustwandeln, sich an den Gerüchen und der Stille erfreuen konnten. Er wurde gezielt genutzt, um die Kasse etwas aufzubessern oder vielleicht etwas Abwechslung auf den Tisch zu bringen. „Wild wurde darin gejagt und natürlich Holz geschlagen, um es zu nutzen oder zu verkaufen“, so von Kameke. Zudem gestattete die damalige Äbtissin einigen Landwirten, ihre Schweine dort hineinzutreiben, damit diese sich dick und rund fressen konnten.

1883 vergrößerte das Stift seinen Waldbesitz. Es erwarb bei einer Zwangsversteigerung eine große Fläche in Kieselhorst (Samtgemeinde Harpstedt), so dass es anschließend über eine Forst-Fläche von über 170 Hektar verfügte – und bis heute verfügt.

Damit ist der Bassumer Stiftsforst der größte genossenschaftliche Forst (wobei das Stift eine Körperschaft öffentlichen Rechts ist) im Bezirk des Forstamtes Ahlhorn, sagt Heiner Brüning, Leiter der Revierförsterei Barnstorf. Seit 15 Jahren ist er für den Wald zuständig und kennt ihn in- und auswendig.

„Wir haben hier eine bunte Mischung aus Fichten, Eichen, Buchen und Lärchen. 40 Prozent sind Laub- und 60 Prozent Nadelbäume“, erläutert Brüning. Der Boden sei stauwasserbeeinflusst – was soviel bedeutet wie, dass das Wasser sich ab einem Meter Tiefe zurückstaut. Für die Fichten, die ohnehin Flachwurzler sind, eine prima Sache – bis der erste kräftige Sturm kommt. Dann fehlt ihnen der Halt und sie stürzen um. „Sie sind sehr windwurfgefährdet“, weiß Brüning. Dementsprechend siedelt der Förster die Kronen der Bäume weiter unten an oder verzichtet ganz auf Fichten.

Der mächtige Orkan im Jahre 1972 hat 30 bis 40 Prozent des Bestandes beschädigt, weswegen der Stiftsforst über viele junge Bäume verfügt, die danach gepflanzt wurden. Aber ansonsten sei an der Zusammensetzung des Waldes nichts verändert worden.

Seit 1992 kümmern sich die Mitarbeiter des Forstamtes Ahlhorn um den Wald. Zuvor wurde er vom Forstpersonal des Stifts betreut. Zweimal in etwa zehn Jahren schauen die Fachleute vorbei, machen Inventur oder entnehmen Holz. Wenn eine Notlage auftritt – also ein Sturm Bäume umreißt oder der Borkenkäfer sich austobt – kommen sie natürlich sofort.

Das Holz aus dem Stiftsforst hat viele Jahre gute Preise im norddeutschen Raum erzielt. „Doch für den laufenden Haushalt planen wir in der Regel keine Einnahmen ein“, schildert von Kameke. „Grundsätzlich sind wir aber schon darauf angewiesen, aus unseren Ländereien und Häusern Erträge zu erzielen. Forsteinnahmen, die wir nicht regelmäßig haben können, weil wir dafür auch zu klein sind, dienen uns zum Ansparen – wie zuletzt für die Abteisanierung – oder bald vielleicht zur Schuldenrückzahlung. Keinesfalls ist es aber so, dass wir Holz schlagen lassen, um Rechnungen zu bezahlen. Wir müssen regelmäßig für die nächste große Reparatur zum Beispiel neue Dächer, Fassadensanierungen oder Fensteranstriche sparen.“

Nachhaltigkeit sei dem Stift sehr wichtig. „Natürlich sollen auch Tiere ihren Platz dort finden – allerdings nur so viele, wie dem Lebensraum gut tut, weswegen wir auch mit guten Jägern zusammenarbeiten.“

Die vergangenen drei trockenen Sommer, die den schweren Borkenkäferbefall nach sich zogen, haben auch dem Stiftsforst zu schaffen gemacht. „Viele Fichten sind kaputtgegangen. Aber im Vergleich sind wir noch gut weggekommen“, resümiert Brüning. „Der Schaden hält sich in Grenzen. Aber wirtschaften können wir auch nicht.“ Generell könne man zurzeit nicht planen, weil der Holzmarkt zusammengebrochen sei.

Isabell von Kameke ist jedoch zuversichtlich, dass der Wald auch wieder bessere Jahre sehen wird. Brüning stimmt ihr zu. Beim Waldbau müsse man immer langfristig in die Zukunft sehen. „Wenn ich so zurückrechne, dann kommen ich und meine beiden Vorgänger auf etwa 100 Jahre, die wir diesen Wald betreuen. Da bekommt man schon Ehrfurcht.“ Lange wird Brüning sich jedoch nicht mehr um den Stiftsforst kümmern. In ein paar Monaten geht er in Rente – sehr zum Bedauern der Äbtissin, die den Revierförster wegen seiner Kompetenz und seines ruhigen, angenehmen Wesens sehr zu schätzen gelernt hat. Doch gewissermaßen bleibt die Pflege des Stiftsforstes in der Familie, denn Brüning legt das Amt in die Hände seines Sohnes.

Gibt es auch Besonderheiten, die den Stiftsforst von anderen unterscheiden? „In Bassum nur, dass seit vielen Jahren der Silvesterlauf hier endet“, erklärt von Kameke. „Besonders ist eigentlich die Lage des Waldes. Kieselhorst/Dehmse ist einfach richtig schön. So ein schönes Waldgebiet, weg vom Zivilisationslärm, hat nicht jeder.“

Von Julia Kreykenbohm

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