Ministerpräsident bekommt in Bassum Einblick in Entsorgungswirtschaft

Wagen 16 hält vor Stephan Weil

Da oben ist heute Naherholung: AWG-Geschäftsführer Andreas Nieweler (l.) erläutert Ministerpräsident Stephan Weil die Struktur des Bassumer Utkieks.
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Da oben ist heute Naherholung: AWG-Geschäftsführer Andreas Nieweler (l.) erläutert Ministerpräsident Stephan Weil die Struktur des Bassumer Utkieks.

Bassum – Abfall ist kein Müll, er kann zu 75 Prozent wieder verwertet werden: Ministerpräsident Stephan Weil bekam am Freitag einen fundierten Einblick in die Entsorgungswirtschaft des Landkreises Diepholz – als Gast der Abfall Wirtschafts Gesellschaft (AWG) im Entsorgungszentrum Bassum-Klövenhausen.

Zur Begrüßung fährt Wagen 16 vor, ein tonnenschwerer Seitenlader. Der Fahrer demonstriert, wie Restmülltonnen schnell und ohne menschlichen Kraftaufwand geleert werden – besonders fix, wenn sie exakt in einer Linie am Straßenrand stehen. „Ich stelle mir das gerade in Hannover vor...“, schmunzelt Stephan Weil mit Blick auf die in Zwillingslinie aufgestellten Versuchstonnen. AWG-Geschäftsführer Andreas Nieweler nickt: „Das geht nur auf dem Lande.“

Immerhin: Im Landkreis Diepholz leeren Mitarbeiter der AWG Tag für Tag zwischen 800 und 1 000 Behälter. Während der AWG-Geschäftsführer dem Ministerpräsidenten die Abbiege- und Rückfahrsysteme erläutert, rollen im Bereich gegenüber immer wieder Privatfahrzeuge zum Entsorgungsbereich: Bürger, die nach Renovierungs- oder Aufräum-Aktionen Abfälle bringen und sie – streng getrennt nach Abfallarten – in Container werfen wollen.

Dahinter erhebt sich die Silhouette des Bassumer Utkieks, der renaturierten Altdeponie – in einer Höhe, die der Ministerpräsident als „medaillenverdächtig“ bezeichnet. Heute ist das Gelände ein Naherholungsbereich und ein beliebtes Ziel für Spaziergänger – vor allem in Zeiten der Pandemie: An nur einem Tag haben AWG-Mitarbeiter 120 Autos am Utkiek gezählt.

Ob Entsorgung oder Erholung. Es herrscht Leben im und rund um das Entsorgungszentrum.

Interessiert verfolgt der Ministerpräsident, in welchen Strukturen die AWG mittlerweile arbeitet – und welchen Rückenwind sie als hundertprozentige Tochter des Landkreises Diepholz vom Aufsichtsrat erhält: „Man schaut nicht auf den letzten Euro“, so formuliert es Andreas Nieweler – und das Ziel des Aufsichtsrats so: „Wir wollen ein wettbewerbsfähiges Unternehmen.“

Genau das hat im Flächenlandkreis ein Netz aus Wertstoffhöfen und Grünsammelstellen geschaffen. Das ist nicht nur den Bürgern wichtig, sondern auch der Politik. Das betont Landrat Cord Bockhop am Beispiel Melchiorshausen.

„Wir sind ein kommunales Unternehmen“, betont Andreas Nieweler, „aber wir machen nicht alles selbst.“ Will heißen: Bewusst arbeitet die AWG in einzelnen Bereichen mit Unternehmen der Privatwirtschaft zusammen. Sinnvoll sei das beispielsweise bei der Aufbereitung von Bauabfällen. Das könne ein Unternehmen, das im Abbruchbereich arbeite, viel besser als die AWG.

In den verschiedensten Bereichen würden in der Privatwirtschaft etwa 80 Menschen für die AWG arbeiten, erfährt der Ministerpräsident, der bei diesem Besuch die SPD-Kreistagsfraktionsvorsitzende Astrid Schlegel sowie die SPD-Ortsvereinsvorsitzende Luzia Moldenhauer an seiner Seite hat. Auch sie zeigen sich beeindruckt vom Aufgabenspektrum und den Projekten der AWG.

Sie beschäftigt 160 Mitarbeiter. Drei von ihnen – Betriebsratsvorsitzender Bernhard Kunst sowie sein Stellvertreter Jürgen Pohl und Abteilungsleiter Sebastian Koch – sind beim Weil-Besuch am Freitag mit dabei.
Zähle man die Beschäftigten in der Privatwirtschaft hinzu, dann ergibt sich laut AWG-Geschäftsführer folgendes Verhältnis: „Ein Mensch ist täglich pro tausend Einwohner im Entsorgungsbereich beschäftigt.“

Als kommunales Entsorgungsunternehmen, also im Auftrage des Landkreises, entsorgt die AWG die Abfälle von 67 000 Haushalten sowie 3 000 Firmen und Unternehmen. 130 Kilogramm Restabfall sind es pro Einwohner und Jahr. „Und wie ist es mit den Gebühren?“, will der Ministerpräsident wissen. Andreas Nieweler erläutert, dass sie seit 2006 relativ stabil sind: „Wir haben uns kaum nach oben verändert.“

Immerhin: Dreiviertel aller Abfälle können wiederverwertet werden. Die als Gesellschaft, sprich Wirtschaftsbetrieb organisierte AWG darf Gewinne machen. In diesem Jahr rechnet sie zum Beispiel mit Spitzeneinnahmen beim Altpapier. 1,5 Millionen Euro könnten es am Ende sein. Zum Vergleich: Der Jahresumsatz der AWG liegt bei knapp 44 Millionen Euro. Trotzdem: „Beim Altpapier ist noch Luft nach oben“, betont der AWG-Geschäftsführer. Traditionell sammeln in dörflichen Bereichen immer noch Vereine das Papier. Das soll auch in der Zukunft so sein. Aber ergänzend dazu soll es Tonnen geben.

Von Anke Seidel

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