Vortragsabend über Flüchtlinge

„Wir müssen uns umstellen“

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Johannes Stephens referierte in der Stiftskirche.

Bassum - In seinen ersten zwei Monaten als Flüchtlingssozialarbeiter ist Johannes Stephens auf offene Türen und offene Rathäuser gestoßen. Das kannte der 26-Jährige aus seiner Zeit in Gießen so nicht. Über seine ersten Erfahrungen im neuen Job und die langwierigen Asylverfahren berichtete Stephens am Donnerstagabend vor etwa 35 Zuhörern in der Stiftskirche.

Zurzeit leben 95 Flüchtlinge in Bassum. Bis Jahresende wird mit 150 bis 160 Asylbewerbern kalkuliert – Stephens rechnet mit noch mehr. „Sie bleiben mindestens ein bis zwei Jahre – wahrscheinlich länger.“ Grund seien unter anderem die langwierigen Asylverfahren, die Stephens in seinem Vortrag erklärte.

Stephens ist dagegen, zu unterscheiden, wer aus welchem Grund nach Deutschland flieht, ob etwa wegen Krieg oder aus wirtschaftlichen Gründen. Denn: „Die meisten kommen, weil sie Hilfe brauchen.“

Asyl sei ein Menschenrecht, sagt Stephens, der bei dem Diakonischen Werk Syke-Hoya angestellt ist. Als Christ findet er: „Für mich persönlich sind Nationalitäten künstliche Produkte. Gott hat nicht Deutsche, Syrer und Iraner erschaffen, sondern Menschen.“

Stephens führte aus, Flüchtlinge seien rechtlich nie komplett einem Deutschen gleichgesetzt. Asylbewerber bekämen noch nicht einmal Hartz IV, leben also unter dem Existenzminimum. Und wer Mist baut, dem wird der Asylstatus schnell entzogen.

In die Frage-Antwort-Runde im Anschluss an den Vortrag schaltete sich Pastor Wiardus Straatmann ein: „Ich denke, wir stehen am Anfang einer Entwicklung, deren Ende wir noch nicht absehen können.“ Die Flüchtlinge kämen nun einmal, und dem müsse man sich stellen. „Wir werden uns in den nächsten zehn Jahren gewaltig umstellen müssen.“ Integration sei ein Prozess, an dem beide Seiten arbeiten müssten.

Die Stadt sei weiterhin auf der Suche nach mehr Wohnraum, berichtete Stephens. Auch Sachspenden sind gerne gesehen. „Aber bitte nicht einfach vor Flüchtlingsheimen oder Wohnungen ablegen“, bat er.

Stephens ist erreichbar unter Telefon 04242/168749 und per E-Mail.

han

johannes.stephens@evlka.de

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