Über ihre Arbeit bei Explosive Arts

Bassumer Pyrotechniker: „Von selbst gebauten Böllern raten wir stark ab“

Mit Feuerwerken wie diesem beim Burning Airfield 2018 in Bohmte begeistern die Pyrotechniker von Explosive Arts ihre Zuschauer. Die Feuerwerker haben zwar in der Regel nach wenigen Minuten ihr Pulver verschossen, in den Aufbau fließt jedoch stundenlange Handarbeit. - Foto: Explosive Arts

Bassum - Silvester steht vor der Tür, und seit gestern gibt es Feuerwerkskörper zu kaufen. Rund 137 Millionen Euro gaben die Deutschen nach Statista-Angaben im vergangenen Jahr für Raketen, China-Böller, Wunderkerzen und Co. aus. Auch die Bassumer werden sich wieder reichlich eindecken. Dass die Stadt beim Thema Feuerwerkskörper gar nicht schlecht dasteht, ist vielen vermutlich nicht bewusst. Mit Explosive Arts wurde 2015 eine Pyrotechnik-Firma in der Stadt gegründet, die mittlerweile deutschlandweit auf Erfolgskurs ist. Wir haben mit den Geschäftsführern Adrian Heinrich und Nikolas Grube gesprochen. Die Fragen stellte Luka Spahr.

Herr Heinrich und Herr Grube, Sie sind Geschäftsführer der Pyrotechnik-Firma Explosive Arts mit Sitz in Bassum. Ich vermute, Sie sind gerade sehr gefragte Experten. Kommen Sie überhaupt noch zum Durchatmen?

Explosive Arts: Zurzeit ist wirklich sehr viel zu tun, aber wir freuen uns, wie jedes Jahr professionelles Feuerwerk an den Endkunden bringen zu können, um das Neujahrsfest noch schöner zu machen.

Wie sehen denn die Feiertage bei Ihnen aus? Bleibt da noch Platz für Familie und private Feiern?

Man muss Privates in dieser Zeit ein bisschen zurückstellen, um das große Aufkommen an unterschiedlichen Arbeiten bewältigen zu können. Auf die Feiertage mit der Familie freuen wir uns aber sehr, denn diese werden in vollen Zügen ausgekostet, dafür haben wir im Vorfeld Vollgas gegeben.

Mit Dinner For One, Bleigießen und Wunderkerzen hat ihr Start ins neue Jahr wohl wenig zu tun. Was bieten Sie Ihren Kunden genau an?

Wir bieten professionelles Feuerwerk zu einem fairen Preis an. Zudem bekommt der Kunde, wenn er es wünscht, eine persönliche Beratung. Uns ist es wichtig, dass jeder Kunde gut vorbereitet ist und dazu gehören auch einige Sicherheitstipps, die wir immer wieder gerne an die Kunden weitergeben.

Lassen sich derzeit bestimmte Trends ausmachen?

Der Trend geht immer mehr zu den sogenannten Feuerwerksverbünden. Bei diesen muss der Kunde nur einmal anzünden und kann mehrere Minuten das Feuerwerk genießen, ohne immer wieder neue Batterien anzünden zu müssen. So kann man bei den Freunden oder der Familie stehen bleiben und das Feuerwerk zusammen genießen.

Nikolas Grube

Was fasziniert Sie an Ihrer Arbeit?

Am meisten faszinieren uns die verschiedenen Emotionen, die wir in den Menschen mit dem Feuerwerk hervorrufen können. Aber auch die heutigen vielseitigen Möglichkeiten ein Großfeuerwerk zu choreografieren, um den Menschen tolle Bilder an den Himmel zu zaubern. Am Schönsten ist dabei, dass es sich um vergängliche Kunst handelt. Das bedeutet, dass ein Feuerwerk nie genau gleich abläuft und unendlich viele Variationen ermöglicht.

Wie wird man Feuerwerker?

Es hat im Jahr 2018 ein paar Gesetzesänderungen gegeben. Es müssen zunächst 20 Helferscheine gesammelt werden, indem man sich bei 20 Großfeuerwerken beteiligt. Das läuft dann in etwa wie bei einer normalen Ausbildung in der Praxis ab. Der Helfer übt dabei die unterschiedlichen Tätigkeiten eines Pyrotechnikers unter Aufsicht aus und kann dabei Theorie mit Praxis verbinden. Diese Helferscheine kann man zum Beispiel bei uns nach Bewerbung erlangen. Anschließend kann nach einer Überprüfung durch die Behörde eine Feuerwerkerschule besucht werden.

Wie viel Handarbeit steckt in Ihrer Arbeit? Verbinden Sie „nur“ einzelne Systeme oder bauen Sie komplette Feuerwerkskörper und Böller auch selbst?

Wir stellen selber keine Feuerwerkskörper her, dazu müssen sehr viele Bedingungen eingehalten werden, und es ist in Deutschland wirtschaftlich schwer realisierbar. In dem Aufbau eines Großfeuerwerkes steckt aber eine Menge Handarbeit. Man muss viele Gestelle aufbauen, die Feuerwerkskörper vorbereiten, unter entsprechenden Sicherheitsvorkehrungen alles aufbauen und nach dem Feuerwerk natürlich auch wieder abbauen, was mit sehr viel Arbeit verbunden ist.

Adrian Heinrich - Fotos: Privat

Haben Sie noch Respekt vor der Gefahr durch Pyrotechnik oder stumpft man mit den Jahren ab?

Wir haben auf jeden Fall Respekt vor den Feuerwerkskörpern, den wir hoffentlich nie verlieren werden. Wir gehen schließlich mit explosionsgefährlichen Gegenständen um, da ist Sicherheit oberstes Gebot. Dazu gehören entsprechende Bunker an verschiedenen Standorten für die sichere Lagerung, sowie Arbeitskleidung und die Einhaltung von Sicherheitsabständen.

Haben Sie sich schon einmal bei Ihrer Arbeit verletzt?

Zum Glück ist bisher keinem von uns etwas bei der Arbeit passiert. Wir legen sehr viel Wert auf unsere Sicherheitsvorkehrungen.

Sogenannte Polenböller mit äußerst starker Explosionskraft sorgen immer wieder für Schlagzeilen, weil Sie zu schweren Verletzungen führen können. Wie schätzen Sie die derzeit im Handel erhältlichen Feuerwerkskörper bezüglich Ihrer Sicherheit ein? Und wie stehen Sie zu selbst gebauten Böllern oder Polenböllern?

Die derzeit im Handel erhältlichen Feuerwerkskörper sind alle geprüft und haben einige Sicherheitsprüfungen durchlaufen. Wir hier in Deutschland haben sehr sicheres Feuerwerk, welches bei richtiger Handhabung und Beachtung der Gebrauchshinweise gut verwendet werden kann. Von selbst gebauten Böllern oder sogenannten Polenböllern raten wir stark ab. Diese sind teils lebensgefährlich und niemand möchte wegen einer Spielerei seine Hand oder sogar sein Leben verlieren.

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