Diplomatie mit dem Schläger

Von Jugendlichen erbaute Minigolfanlage in Nordwohlde feiert 50-jähriges Bestehen

Eine Runde Minigolf spielen (v.l.) Albert Wendt, Bernd Pehl und Herbert Schorling auf der nun 50 Jahre alten Anlage in Nordwohlde.
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Eine Runde Minigolf spielen (v.l.) Albert Wendt, Bernd Pehl und Herbert Schorling auf der nun 50 Jahre alten Anlage in Nordwohlde.

Vor 50 Jahren tat sich eine Gruppe Jugendliche um Pastor Johannes Meyer in Nordwohlde zusammen und erbaute im Pastorengarten eine Minigolfanlage. Noch heute steht die Anlage und wird nach wie vor von vielen Minigolf-Freunden gerne genutzt.

Nordwohlde – „Ha, ein Ass!“ Da freut sich Herbert Schorling, als er für das Pressefoto einen Ball auf der winkeligen Bahn der Minigolfanlage Nordwohlde direkt mit dem ersten Schlag versenkt. Er hatte auch viele Gelegenheiten zum Üben – schließlich feiert die Anlage in diesem Sommer 50. Geburtstag. Und Schorling war von Anfang an dabei.

Aufbau in Eigenregie

Gemeinsam mit Albert Wendt erinnert er sich: 1970 hatte der evangelische Pastor Johannes Meyer gemeinsam mit einer Jugendgruppe, zu der auch Schorling und Wendt gehörten, die Idee, im Pastorengarten Nordwohlde eine Minigolfanlage zu bauen. Gemeinsam und motiviert ging die Gruppe ans Werk. „Richtig, hier waren Obstbäume!“, fällt es Schorling wieder ein, nachdem Wendt erläutert, dass im Garten an der Forellenstraße zunächst die Bäume weggesägt werden mussten, ehe der Bagger kommen konnte. „Für jede Bahn musste der Boden 80 Zentimeter tief ausgekoffert werden“, erzählt Schorling, der den Bagger dafür stellte und steuerte. „Das wurde dann mit Sand aufgefüllt, damit bei Frost nicht alles kaputtfriert. Den Sand dafür haben wir zunächst aus der Umgebung geholt, später aber liefern lassen. Es war einfach zu viel.“

Die meiste Arbeit leisteten die Jugendlichen allerdings selbst. Unterstützung erhielten sie von Betrieben aus der Gegend. Die Arbeit, etwa für das Biegen der aus Metall gefertigten Bahnbegrenzungen, stellten die Firmen nicht in Rechnung, nur die Materialkosten waren zu zahlen. „Aber das war ja nicht viel“, weiß Herbert Schorling. Und über Spenden von Privatpersonen und Firmen war die Finanzierung am Ende gesichert.

Fertigstellung 1971, Renovierung 1995

Bis zum Winter 1970 waren vier der zwölf geplanten Bahnen fertig, der Rest folgte dann im Frühjahr. Am 11. Juli 1971 wurde die Anlage mit eines Minigolfturnier feierlich eröffnet. Dieses Turnier gibt es seitdem jährlich. Familien, Firmen und Vereine aus Bassum und umzu kämpfen regelmäßig um den begehrten Wanderpokal. Nach nun einem Jahr Corona-Pause gebe es, so Wendt, wieder lose Überlegungen für eine Auflage in diesem Jahr.

Nicht ganz so häufig und regelmäßig, aber immer mal wieder standen auf der für alle offenen Anlage Reparatur- und Renovierungsarbeiten an. Im Jahre 1995 erhielt die Minigolfanlage Nordwohlde eine Generalüberholung. Der Clou: Die Ortsteile Nordwohldes beteiligten sich, indem jeder die Patenschaft für eine der Bahnen übernahm und sie individuell gestaltete. Am 3. September war die erneute Einweihung unter großem Andrang der Öffentlichkeit. Später entstand auf dem Areal von überschaubarer Größe noch eine gemütliche Grillhütte.

Links: Am 3. September 1995 wurde die renovierte Anlage festlich eingeweiht.

Dass auch weiterhin von Mai bis November Minigolf in Nordwohlde gespielt werden kann, darum kümmert sich seit 1991 Bernd Pehl. Ehrenamtlich übernimmt er die wichtigsten Instandhaltungsarbeiten. Eines ist ihm dabei wichtig: „Wir haben nie Gebühren genommen. Wer etwas geben möchte, kann das freiwillig tun.“ Und die Bahn stehe jedem offen, auch wenn es immer mal mit wieder zu Vandalismus gekommen sei.

Negativ: Corona und Vandalismus

„Schäden an den Schlägern, weggeschlagene Bälle oder auf der Bahn zerdepperte Bierflaschen, das kommt schon mal vor“, zählt Pehl auf. Vor allem das Grillhäuschen ziehe Jugendliche an. Für die Benutzung des Grills stellt die Gemeinde übrigens 20 Euro in Rechnung, denn gerade da sei der Aufwand für Reinigung und Entsorgung recht hoch. Trotzdem werde auch dieses Angebot gut angenommen, etwa bei Kindergeburtstagen. Und normalerweise sei der Schrank, in dem sich Schläger, Bälle und sonstige Minigolf-Utensilien befinden, unverschlossen. Doch aufgrund der Corona-Situation musste die Gemeinde ein Schloss am Schrank anbringen; Pehl verwaltet den Schlüssel, gibt ihn aber gerne heraus.

Generationenübergreifende Diplomatie

Die Anlage erfüllte in ihrer Anfangszeit außerdem noch einen diplomatischen Zweck, wie Wendt gut gelaunt erklärt: „Wir sind alle um 1950 herum geboren, Ende der 1960er, das war eine wilde Zeit. Wir hatten lange Haare, hörten die Beatles und die Rolling Stones. Die Jugend war nicht so gut angesehen, aber nachdem wir die Anlage gebaut haben, merkten die Älteren: Hey, so schlecht sind die ja doch nicht!“

Und auch wenn Wendt und Schorling heutzutage nicht mehr so häufig auf die Anlage kommen, merkt man doch, dass beide durchaus mit dem Schläger umzugehen wissen. Vom Bahnrekord seien aber beide noch ein Stück weit weg, wie Pehl vorrechnet. „Das müssten 32 Schläge gewesen sein.“ Aber wenn Herbert Schorling weiterhin so gut schlägt wie beim Fototermin, fällt zum Jubiläum auch dieser Rekord ja vielleicht noch.

Spielen ist kostenlos, aber derzeit für Gruppen mit Anmeldung bei: Bernd Pehl, 0171 / 780 88 69

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