Das Bassumer Unternehmen Beckmann-Kenko handelt mit chemischen Rohstoffen

Vom Scheunenbrink in alle Welt

Zu der Feier vom 40-jährigen Bestehen der Firma Kenko in Tokio waren auch Mitarbeiter der damaligen Firma Beckmann eingeladen. 
Repro: Kreykenbohm
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Zu der Feier vom 40-jährigen Bestehen der Firma Kenko in Tokio waren auch Mitarbeiter der damaligen Firma Beckmann eingeladen. Repro: Kreykenbohm

Bassum – Wenn ein amerikanischer Konzern für ein Produkt, beispielsweise aus dem Bereich der Automobilindustrie, eine bestimmte Chemikalie sucht und am Ende das Passende aus Japan bekommt – dann hat möglicherweise ein Bassumer Unternehmen seine Hand dabei im Spiel gehabt. Beckmann-Kenko ist ein Handelshaus für chemische Rohstoffe und bringt Erzeuger und Abnehmer zusammen. Es hat seine Heimat Auf dem Scheunenbrink – doch das Einsatzgebiet ist nahezu die halbe Welt.

„1977 gründete Wilhelm J. Beckmann die Beckmann Chemikalien KG in Bremen“, erinnert sich der heutige Geschäftsführer Frank Bremer. Doch dann zog es den gebürtigen Twistringer und seine Frau, die aus Bassum stammte, in die Lindenstadt. 1993 fing Bremer an, für das Unternehmen zu arbeiten.

„Das Netzwerk des Handelshauses geht über Europa hinaus, mit einer hohen Affinität zu Japan und China“, sagt Bremer. Besonders zur Kenko Corporation in Japan entwickelten sich über die Jahre gute und dauerhafte Beziehungen, sodass 2005 Beckmann-Kenko gegründet wurde. Acht Mitarbeiter sind in Bassum tätig. Hinzu kommt ein Büro in Schanghai, wo drei Mitarbeiter beschäftigt sind. Versuche, Büros in anderen Ländern wie den USA oder Ecuador einzurichten, scheiterten.

„Japan und Deutschland sind sich sehr ähnlich in ihrer Art, wie man ein Geschäft aufbaut“, schildert Bremer. „Wenn man sich dort etabliert hat, sind Japaner verlässliche und treue Geschäftspartner. Man weiß, was man aneinander hat.“

Andere Kulturen, ihre Sicht-, Verhaltens- und Denkweisen kennenzulernen, ist für Bremer einer der schönsten Seiten an seinem Beruf. Er hat unter anderem bereits Russland, China, Japan, die USA und zahlreiche Länder in Europa bereist, wobei Beckmann-Kenko keinen klassischen Außendienst habe. „Es läuft viel über E-Mail.“

Ein anderer Aspekt sei, dass er jeden Tag Neues dazulerne. Denn Beckmann-Kenko handelt mit Rohstoffen für die verschiedensten Bereiche, wie zum Beispiel Lebensmittelzusätze und -inhaltsstoffe, die Pharmaindustrie, kosmetische Inhaltsstoffe, Geschmacks- und Geruchsstoffe und, und, und. „Wenn mich ein Produzent anruft und sagt: ,Ich suche einen Abnehmer für Chemikalie X", lese ich mich ein, wo diese überall enthalten ist. Dann schaue ich, ob ich ein Unternehmen kenne, das ein Produkt erzeugt, das diese beinhaltet“, erzählt Bremer.

Eine Gefahr in seinem Job sei, dass man sich umsonst viel Arbeit mache. Wenn beispielsweise das Endprodukt keinen Anklang auf dem Markt findet oder kurzfristig die Herstellung umgestellt wird, sodass die Chemikalie nicht mehr benötigt wird.

Bremer schätzt vor allem den Kontakt zu seinen japanischen und chinesischen Partnern. „Sie versuchen, einem die Reise immer so angenehm wie möglich zu machen.“ Faszinierend sei, dass diese eine ganz andere Herangehensweise an Geschäfte hätten als die Deutschen. „Wenn man sich zum ersten Mal trifft, wird überhaupt nicht über das Geschäft gesprochen. Stattdessen versucht man, herauszufinden, was für ein Mensch einem gegenübersitzt. Man sucht nach Gemeinsamkeiten, einer persönlichen Basis, auf der dann aufgebaut wird, statt nach einer Lösung. Uns Deutschen, die direkt das Problem ansprechen und ein Ergebnis suchen, kommt das vielleicht langsam und nicht zielführend vor. Mit unserer direkten Art wirken wir hingegen unsensibel“, schildert Bremer. „Die Japaner und Chinesen würden beispielsweise auch niemals jemanden vor anderen bloßstellen. Dort herrscht eine andere Art der Empathie.“

Die Corona-Pandemie hat Beckmann-Kenko nicht geschadet. „Wir hatten sogar den größten Umsatz unserer Geschichte“, sagt Bremer. Das lag unter anderem daran, dass viele Projekte, die vorher in der Entwicklung waren, in den nächsten Status gehoben wurden. „Die Automobilindustrie hat zwar gelitten, doch dafür boomte die Herstellung von Reinigungs- und Desinfektionsmitteln, ebenso wie die Bauchemie.“ Allerdings hatte und hat auch das Handelshaus mit verspäteten Lieferungen zu kämpfen. „Die Frachtkapazitäten fehlen“, so Bremer.

Wie erlebt er seine chinesischen Partner im Umgang mit der Pandemie? „Im Vergleich zur Schweine- oder Vogelgrippe wurde sie relativ offen kommuniziert. Die Maßnahmen dort waren sehr streng. Die Wirtschaft wurde für sechs Wochen fast komplett lahmgelegt, selbst die Supermärkte waren geschlossen. Stattdessen wurden die Menschen über Bringdienste versorgt. Als die Maßnahmen gelockert und Schulen wieder geöffnet wurden, wurde bei den Kindern sechsmal am Tag Fieber gemessen. Nach wie vor sind sie vorsichtig, und trotzdem kommt es hin und wieder zu Ausbrüchen. Allerdings denken sie viel mehr an das Allgemeinwohl, als das in anderen Ländern der Fall ist. Das Tragen einer Maske bei einer Erkältung ist dort Normalität.“

Und wie bewerten die Chinesen den Umgang der Deutschen mit der Pandemie? Bremer schmunzelt. „Europa ist da nicht so ein großes Thema. Sie schauen viel mehr, was in den USA passiert.“

Von Julia Kreykenbohm

Frank Bremer schätzt an seinem Beruf, verschiedene Kulturen kennenzulernen zu können.

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