Volles Haus – und viel zu tun

200 Bassumer kommen zur ersten Veranstaltung zum Stadtentwicklungsprozess

Mit nahezu 200 Teilnehmern war die Auftaktveranstaltung zur Bassumer Stadtentwicklung im NWDSB-Haus außergewöhnlich gut besucht. - Fotos: Frank Jaursch

Bassum - Von Frank Jaursch. Die Angst vor einem Misserfolg war in den vergangenen Tagen fast körperlich spürbar gewesen: Wie viele Bürger würden dem Aufruf zur Mitarbeit folgen, wenn es um die Zukunft der Stadt Bassum geht? Am Dienstagabend stellte sich heraus: Die Sorge vor einer Bassumer Lethargie war – fürs Erste – völlig unbegründet.

Fast 200 Bürger fanden sich zur Auftaktveranstaltung zum Bassumer Stadtentwicklungsprozess im NWDSB-Heim ein. Und, fast genauso bemerkenswert: Sie blieben größtenteils die kompletten gut zweieinhalb Stunden, die folgten.

Bürgermeister Christian Porsch war angetan von so viel Interesse. Und machte in seinen einleitenden Sätzen gleich deutlich, worum es im Kern geht: „Wie und wohin wollen wir uns entwickeln?“ Nicht alles hänge bloß mit dem Faktor Geld zusammen, sagte Porsch und zeichnete sein Bild von einer Bassumer Zukunft: Von einer Stadt, die ihren Bewohnern nicht nur Wohnraum und Arbeitsplätze bietet, sondern auch ein gutes Vereinsleben und vielfältige Freizeitmöglichkeiten.

Als externen Helfer greift die Stadt auf den Hamburger Projektmanager Klaus Mensing zurück. Der umriss die Ergebnisse einer repräsentativen Befragung von 200 Bassumern. Welche Noten geben sie ihrer Stadt in unterschiedlichen Bereichen? „Insgesamt gab's 'ne Drei“, fasste Mensing zusammen, „gar kein schlechtes Ergebnis.“

Die Bassumer Grünanlagen (Note 2,2) und der ÖPNV (2,3) bekamen im Schnitt die besten Noten, als verbesserungswürdig wurden die Einkaufsmöglichkeiten (3,5) und die Attraktivität der Gebäude (3,4) bewertet. Deutlich wurde: Richtig unzufrieden mit Bassum ist nur eine sehr kleine Minderheit.

Brainstorming auf Karteikarten

Zu tun ist dennoch reichlich: Basierend auf den Umfrageergebnissen, hatte Mensing im Vorfeld gemeinsam mit den Stadtratsmitgliedern fünf Felder mit Handlungsbedarf herausgearbeitet: Innenstadt und Einzelhandel, Wohnen, Wirtschaftsförderung und Arbeitsmarkt, Soziale Infrastruktur und Gesellschaft sowie Sport, Freizeit, Kultur und Tourismus.

In einer Art Brainstorming waren anschließend die Bürger aufgerufen, sich zu einzelnen Bereichen zu melden. Was sie auch ausgiebig taten: Im Verlauf des Abends landeten immer mehr Karteikarten an den Stellwänden unter den jeweiligen Schlagworten.

Ideen wie eine Markthalle oder auch Mikro-Apartments für Studenten beim Bahnhof fanden ebenso Gehör wie die barrierearme Erreichbarkeit von Parkplätzen, attraktivere Stände beim Wochenmarkt oder günstiger Wohnraum. Allerdings, so merkte Erster Stadtrat Norbert Lyko kritisch an, verstrickte sich das Brainstorming zuweilen im Äußern von Einzelmeinungen. Am Ende aber zeigte sich Moderator Klaus Mensing recht zufrieden mit dem Feedback: „Wenig Meckerei, gute Ideen!“

Die fünf Bereiche sollen nun intensiver bearbeitet werden – in kleineren Runden im Rahmen eines Kreativ-Workshops am Samstag, 25.  November, ab 10   Uhr, zu dem erneut alle Bassumer Bürger eingeladen sind.

Christian Porsch zeigte sich am Ende begeistert vom Mitmach-Willen der Bürger. „Das ist der erste Prozess dieser Art, wir haben so was noch nie gemacht“, bat er auch um Geduld. Aus der Zuhörerschaft wurde indes deutlich, dass die Erwartungen an den Stadtentwicklungsprozess hoch sind. „Wichtig ist, dass hinterher auch was passiert“, so eine Forderung, „und das hier mehr ist als eine Alibi-Veranstaltung.“

Kommentar von Frank Jaursch

Da soll noch mal einer sagen, mit den Bassumern wäre nichts los: Fast 200 Bürger der Stadt haben am Dienstagabend ihr Interesse an einem doch eigentlich ziemlich trockenen Thema bekundet. Die gute Resonanz zeigt: Bassum will!

Redakteur Frank Jaursch.

Aber kann es auch? Das wird sich erst in den kommenden Monaten (oder gar Jahren) zeigen. Wie konstruktiv – und wie realistisch? – sind die Beiträge, die aus den Reihen der Bürgerschaft kommen? Wie ausdauernd sind jene, die sich einbringen? Wie verträgt es so mancher Bassumer, wenn seine Idee nicht die ungeteilte Zustimmung aller findet? Und nicht zuletzt: Wie gelingt es der Verwaltung, in den Bewohnern ihrer Stadt tatsächlich so etwas wie ein „Wir-Gefühl“ zu wecken?

Am Ende der Veranstaltung konnten sich die Teilnehmer auf einer Liste eintragen, um künftig über weitere Abende informiert zu werden. Bei mehr als der Hälfte der Besucher scheint das Interesse erlahmt zu sein: Auf den Zetteln blieben ziemlich viele Felder leer.

Andererseits: Solange wenigstens die Richtigen wiederkommen, muss das nicht unbedingt schlecht für den Prozess sein.

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