Zusammenarbeit statt Fusion

Volksbanken Bassum und Delmenhorst-Schierbrok lösen Verlobung

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Die Volksbank mit Hauptsitz in Bassum (Foto) feiert im kommenden Jahr keine „Hochzeit“, die Fusionsgespräche mit der Bank Delmenhorst-Schierbrok sind beendet.

Bassum/Delmenhorst - Von Anke Seidel. Keine Fusion zwischen den Volksbanken Bassum-Stuhr-Syke-Weyhe und Delmenhorst-Schierbrok: Die beiden Genossenschaftsbanken haben ihre Verlobung gelöst.

„In den vergangenen Monaten haben wir intensiv an der Vorbereitung der Fusion gearbeitet“, so der Bassumer Volksbank-Vorstand Markus Lüers. „Allerdings haben wir im Zuge der detaillierten Projekt- und Konzeptarbeit bei der genaueren Betrachtung beider Häuser festgestellt, dass die Verfahrens- und auch Sichtweisen doch unterschiedlicher sind, als wir das zu Beginn erwartet hatten.“

Lüers sprach von „zeitintensiven Entscheidungsprozessen sowie einzelnen Punkten, bei denen unterschiedliche Vorstellungen nicht auf einen gemeinsamen Nenner gebracht werden konnten“. Deshalb hätten sich die Vorstände beider Banken in Abstimmung mit den Aufsichtsräten entschieden, die Fusionsverhandlungen zu beenden.

Fusion als Antwort auf veränderte Bankenlandschaft

Anfang November vergangenen Jahres hatten die Vorstände der Volksbank Bassum-Stuhr-Syke-Weyhe ihre Fusionsabsichten mit der Volksbank Delmenhorst-Schierbrok verkündet. Die Vertreter der beiden Genossenschaftsbanken sollten, so der Plan, im Frühjahr 2018 über die Verschmelzung beschließen.

Gemeinsam hätten es die beiden Banken auf eine Bilanzsumme von fast 1,1 Milliarden Euro und auf ein Kundenanlage-Volumen von 1,2 Milliarden Euro gebracht. Das Kundenkredit-Volumen hätte 925 Millionen Euro betragen. Hintergrund für die Fusionsgespräche war die Dynamik einer völlig veränderten Bankenlandschaft, die seit Jahren von anhaltenden Niedrigzinsen, zunehmender Digitalisierung und einer nicht enden wollenden Regulatorik geprägt ist.

Schon im November 2016 hatten die Bankvorstände betont, dass die Fusion eine „Liebeshochzeit“ und „keine Zwangsheirat“ sein würde. Man handle aus einer Position der Stärke heraus. Daran erinnerte Markus Lüers gestern noch einmal – und betonte mit Blick auf die intensive Projektarbeit zwischen den beiden Banken: „Die Erkenntnisse aus den Projekten und die guten persönlichen Kontakte wollen wir auch weiterhin nutzen. Beispielsweise in den wichtigen Feldern Digitalisierung, Organisation und auch im Firmenkreditgeschäft werden wir zukünftig enger zusammenarbeiten.“

Nicht erste geplatzte Fusion in der Region 

Die Prüfung des Fusions-Vorhabens sei demnach richtig und sinnvoll gewesen: „Beide Banken haben aus den geführten Gesprächen sowie der bisherigen Projektarbeit wichtige Impulse für die zukünftige Arbeit erhalten.“

Das Ende der Verlobung ist im übrigen nicht das erste in der Banken-Landschaft der Region: Im April vergangenen Jahres war die geplante Fusion der Volksbanken Aller-Weser (Verden/Hoya), Nienburg und Steyerberg geplatzt – in dem Wissen, dass ein „Konzentrationsprozess mit Zusammenschlüssen zu größeren Banken weiterhin relevant und erforderlich sein wird“, hieß es dazu.

Genau das haben die Volksbanken in Sulingen und Diepholz in den vergangenen Wochen auf den Weg gebracht. Ihre Mitglieder und Vertreter haben sich klar für eine Fusion ausgesprochen.

Eigenes Profil soll gestärkt werden

Die Volksbank Bassum-Stuhr-Syke-Weyhe will mit großer Kraft jetzt die eigene Zukunft gestalten. „Wir haben ein tolles Team“, betont Markus Lüers die große Bedeutung der Mitarbeiter. Im kommenden Jahr will die Bank mit den Vorbereitungen für die Umstellung des EDV-Systems beginnen, die 2019 umgesetzt werden soll.

Ist das Thema Fusion für die Genossenschaftsbank endgültig abgehakt? Auf diese Frage antwortete Markus Lüers: „Grundsätzlich gilt es immer, sich mit allen Optionen zu beschäftigen. Aktuell ist das aber nicht das Thema.“

Kommentar von Redakteurin Anke Seidel

Keine Hochzeit

Klare und rechtzeitige Entscheidung

Keine „Liebesheirat“, sondern eine nüchterne und wohlüberlegte Trennung: Die Volksbanken in Bassum und Delmenhorst-Schierbrok haben die Fusionsgespräche beendet, weil sie doch nicht – wie so manches Paar hofft – wie zwei Puzzle-Teile perfekt zusammenpassen. Der Teufel steckt wie immer im Detail. Genau das schnörkellos und ohne zu Zögern einzugestehen, ist eine ebenso klare wie ehrliche Entscheidung: Die Zukunft zweier Banken darf nicht zerredet und womöglich zum Spielball widerstrebender Interessen werden. 

Für die Genossenschaftsbanken mit ihren Werten wie Mitbestimmung, Unabhängigkeit und Tradition ist eine Verschmelzung ohnehin ein gewaltiger Schritt. Gleich drei solcher Verschmelzungsstrategien – an Aller und Weser, in Diepholz und Sulingen sowie in Bassum und Delmenhorst – hat es in nur einem Jahr (!) in der Region gegeben. Zwei davon sind gescheitert. Zweifellos: Die Entwicklungen und Probleme, die zu den Verschmelzungsplänen geführt haben, sind nicht hausgemacht. Denn die niedrigen Zinsen und die überbordende Bürokratie, die enorme Arbeitskraft bindet und Verbraucher ob ihrer Absurdität immer wieder den Kopf schütteln lässt, sind ein Ergebnis der Bundes- und der Europa-Politik. 

Es ist wie in der Liebe: Stürme und Unbill des Lebens können Ehepartner nur meistern, wenn sie beide in allen entscheidenden Punkten aus vollem Herzen „Ja!“ zueinander sagen können. Wer trotzdem zum Standesamt geht, muss am Ende die bittere Zeche zahlen. Das bleibt den Mitgliedern der Volksbanken Bassum und Delmenhorst-Schierbrok erspart. Das Ende ist manchmal der bessere Weg.

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