Frauen kochen international

Völkerverständigung am Herd

Bevor die ersten Gäste eintreffen, werden noch schnell Brotchips für den Salat gebacken.

Bassum - Von Ute Schiermeyer. Es duftet verführerisch im Kindergarten Kinder-Reich. Der Duft von Minze und Zitrone mischt sich mit dem Geruch von Knoblauch. Irgendwo oben aus dem Regal in der Kita-Küche ertönt die libanesische Sängerin Fairuz aus einem Handy. „Das wollte ich so“, grinst Kindergartenköchin Heidrun Brinkmann. „Wenn man schon arabisch kocht, dann muss auch die Musik passen.“

Ausnahmsweise hat die Köchin das Zepter abgegeben in ihrer Küche. Sie hilft einer Gruppe von Frauen aus Syrien, dem Libanon und Armenien, ein leckeres arabisches Essen zuzubereiten.

Zusammen mit der Sprachförderfachkraft Iris Nielsen hatte sie die Idee zu dieser Kochaktion. Sie möchten etwas lernen von den Frauen und später den Speiseplan des Kindergartens bereichern. „Damit auch unsere arabischen Kinder den Vorzug haben, dass das Essen ihrer Heimat gekocht wird.“ Sie sollen genau wie alle anderen Kinder ab und zu mal sagen können: „Oh, das kocht meine Mama auch“, so Nielsen.

Mit ins Boot nahmen Nielsen und Brinkmann Rawja Mariam und Marine Bambalyan, die schon bei der Gruppe „Gib mir die Hand“ aktiv mitgemacht hatten.

Während Mouna Ibrahim die libanesische Süßspeise „Halawat al Jiben“ vorbereitet, will ihr kleiner Sohn auf den Arm, nebenbei übersetzt sie Fragen aus dem Arabischen ins Deutsche und umgekehrt.

Mouna lebt seit ihrer Kindheit in Deutschland und ist den drei jungen syrischen Frauen Amal, Rahaf und Nesrim daher eine große Hilfe.

Unter ständigem Rühren kocht sie Mozzarella mit Gries auf. Für das Aroma kommt ein Schuss syrisches Rosenwasser dazu, und dann muss die Masse hauchdünn ausgerollt und mit Pudding gefüllt werden.

Im Backofen garen derweil die „Köfta“ (Hackfleischröllchen) und verbreiten einen verführerischen Duft. Rawja Mariam bereitet Falafelteig nach ihrem Hausrezept zu. Obwohl alle Frauen etwas aufgeregt sind, denn für 18 Uhr haben sie Gäste eingeladen, ist die Stimmung entspannt. Sie sind alle gute Köchinnen.

Amal Aderi und Rahaf Alayesh machen den Salat für die Falafelfüllung. Die beiden Frauen aus Damaskus sind erst seit ein paar Wochen in Deutschland und haben sich im Deutschkurs kennengelernt. Kurz vor sechs Uhr wird es dann doch etwas hektisch. „Was machen wir mit dem Brot?“, ruft eine. „Sind die Köfta fertig?“, eine andere. Nun wird es höchste Zeit für die Falafel. Die Kichererbsenbällchen sollten eigentlich in der Fritteuse gegart werden. „Dann stinkt die Küche nicht so“, meint Heidrun Brinkmann. Aber die Fritteuse scheint kaputt zu sein. „Zum Glück“, freut sich Rawja Mariam. „Es ist viel schöner so.“ Sie brät die kleinen Bällchen kurzerhand in heißem Öl in der Pfanne. „So mache ich es zu Hause auch“, lässt sie übersetzen.

Kurz nach sechs ist alles fertig. Köfta, Falafel, Brot, Salat, Hummus, Soßen und die leckeren Nachspeisen werden auf dem Tisch drapiert. Die Gäste kommen. Eingeladen haben die Köchinnen deutsche Frauen, mit denen sie sich verbunden fühlen. Dazu gehören neben Frauen der Initiative WIB, Elsbeth Ruholl vom Familienzentrum und die Gleichstellungsbeauftragte Christine Gaumann.

Wie heißt Guten Appetit auf Arabisch?“, fragt Monika Neumann. „Unsere Freundinnen sollen uns jetzt bitte zeigen, wie wir ohne Messer und Gabel essen.“ Nesrim Alahmadalkash macht es vor. Sie füllt ein dünnes Brot mit Falafel, Soße und Salat, rollt es geschickt zusammen und isst es mit der rechten Hand.

Heidrun Brinkmann ist begeistert. „Es ist so lecker! Und so preiswert. Mit simplen Sachen kann man so viel machen.“ Sie hätten nur etwas mehr als 60 Euro ausgegeben und beköstigen 20 Frauen. Beim Essen erzählt sie von der außergewöhnlichen Einkaufstour. Außer einem türkischen Supermarkt besuchten die Frauen eine Helal Schlachterei und eine Bäckerei für arabisches Brot.

Am Ende sind sich alle einig, dass die Generalprobe der neuen Gruppe „Hand in Hand“ vollkommen geglückt ist. Künftig wollen sie einmal im Monat zusammen kochen.

Beim nächsten Treffen am 17. Mai soll armenisch gekocht werden.

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