Internet in Bassum

Ärger mit Vodafone: Ehepaar schaltet Anwalt ein

Auf Knopfdruck Fernsehen – das funktioniert nicht immer.
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Auf Knopfdruck Fernsehen – das funktioniert nicht immer.

Bassum – Weil der Ärger nach Abschluss ihres Vodafone-Vertrages kein Ende nahm, haben Christina und Hans-Joachim Koch die Sache einem Anwalt übergeben. „Unsere Geduld war mehr als nur am Ende“, sagt die 67-jährige Bassumerin – und möchte so schnell wie möglich einen Schlussstrich ziehen unter eine nervenaufreibende Erfahrung. Am Dienstag nun die Erleichterung: „Wir haben heute die Kündigung erhalten“, so Christina Koch .

Sie fügt hinzu: „Alleine hätten wir das nicht geschafft.“ Die Erfahrungen, die dem Gang zum Juristen vorausgegangenen waren, schildert Christina Koch so: Im September hatte ihr Ehemann Hans-Joachim Koch (76) einen Vodafone-Vertrag abgeschlossen – per Telefon. Postwendend liefert das Unternehmen die notwendigen Geräte zum Selbstaufbau. Das traut sich das ältere Ehepaar nicht zu. „Wir haben einen Fachmann mit dem Aufbau beauftragt und auch bezahlt“, so die 67-Jährige.

Doch die Erwartung auf ein entspanntes Fernseherlebnis erfüllt sich nicht. Meistens sei nur ein Durcheinander aus bunten Farben auf dem Bildschirm zu sehen gewesen: „Es war eine Katastrophe.“ Weil ein Techniker von Vodafone keinen Fehler findet, kauft das Ehepaar einen neuen Fernseher: „Wir dachten, das liegt an unserem Gerät.“

Kündigung von Vodafone nicht akzeptiert

Doch das Bild verbessert sich nicht. Wieder wendet sich das Paar an Vodafone. Insgesamt drei Techniker kommen dem Ehepaar zufolge im Laufe der Wochen und überprüfen die Anlage: „Wir haben eine neue Box erhalten und auch einen größeren Verstärker.“ Doch das habe alles nichts gebracht. „Die Leitungen geben das hier nicht her“, zitiert Christina Koch einen der Techniker.

Deshalb kündigt das Ehepaar am 13. November den für 24 Monate abgeschlossenen Vertrag – per Einschreiben. „Vodafone hat uns dann zurückgeschrieben, dass unsere Kündigung nicht akzeptiert wird“, schildert die 67-Jährige die Reaktion. Obwohl die vereinbarte Leistung nicht erbracht worden sei, habe Vodafone die monatlichen Beiträge eingezogen: „Die haben wir uns dann zurückgeholt.“ Am 1. Dezember sei ein Schreiben von Vodafone eingetroffen: „Wir sollen Geduld haben, ein technischer Mitarbeiter wird sich melden.“ Antwort des Ehepaars: „Wir haben zum zweiten Mal gekündigt.“

Ärger mit dem Fernsehempfang: Christina und Hans-Joachim Koch haben einen Anwalt beauftragt, um sich gegen die Probleme mit Vodafone zu wehren.

Denn zwischenzeitlich haben Christina und Hans-Joachim Koch ein weiteres Mal auf eigene Kosten einen Fachmann beauftragt: „Der hat alle Vodafone-Geräte wieder abgebaut.“ Sie werden nun zurückgeschickt. Zum Glück, so die 67-Jährige, könne man von einem zentralen Kabelanschluss im Haus profitieren. Das Paar kann fernsehen – nun sogar auf zwei eigenen TV-Geräten. „Über unsere Erfahrungen berichten wir gerne“, bietet das Ehepaar Koch Betroffenen an. Zu erreichen sind sie per E-Mail: koch.hans-joachim@t-online.de.

„So geht man nicht mit Kunden um!“, sagt das Bassumer Paar, das sich von Anwalt Hinnerk Mysegades aus Weyhe vertreten ließ. Er kennt ähnliche Fälle – mit unterschiedlichen Anbietern von Kommunikationsleistungen. „Wir haben die Erfahrung gemacht, dass sie auf private Schreiben nicht reagieren. Wenn ein Anwalt dahinter steht, geht es schneller“, sagt Hinnerk Mysegades.

Es ist nicht das erste Mal, dass es in Bassum Probleme mit dem Anbieter gibt. Im Dezember hielt eine Internetstörung Bassum in Atem.  72 Betroffene hatten eine Petition gestartet und die Beendigung ihrer Verträge gefordert, weil ihr Sonderkündigungsrecht nicht akzeptiert worden war. Jetzt arbeitet Vodafone an der Lösung des Problems, aber die Suche gestaltet sich schwierig.

Welche rechtlichen Möglichkeiten haben Kunden, sich zu wehren? Einerseits könne man sich passiv verhalten, antwortet Hinnerk Mysegades. Will heißen: Würde ein Kunde im Akutfall seine Rechnungen nicht zahlen, müsste das Unternehmen ihn verklagen. Andererseits bestehe die Möglichkeit einer sogenannten negativen Feststellungsklage. In dem Fall müsse das Gericht darüber entscheiden, ob der Vertrag besteht oder nicht.

Und wie sieht das Unternehmen Vodafone die Sachlage? Weil sie die einzelnen Fakten des Bassumer Falls nicht kenne, so Heike Koring als Pressesprecherin von Vodafone, könne sie auf konkrete Einzelheiten nicht eingehen. Grundsätzlich gelte: „Man muss den Einzelfall anschauen.“

Wenn das Unternehmen die vertraglich vereinbarte technische Leistung nachweislich nicht erbringe, müsse es „in einer zumutbaren Zeit“ Nachbesserung leisten. Dabei habe der Kunde eine Mitwirkungspflicht, nennt die Pressesprecherin eine Bedingung. Sprich der Kunde müsse den Techniker in die Wohnung lassen. Sollte der Fehler beim Unternehmen liegen, könne das Sonderkündigungsrecht greifen.

Fehler im hausinternen Netz

Allerdings zeige die Praxis, dass Fehler oft im hausinternen Netz auftreten würden, sagt Heike Koring. „Dafür ist dann der Eigentümer zuständig.“ Grundsätzlich sei Vodafone bemüht, mit allen Kunden zu einer akzeptablen Lösung zu kommen.

Das ist auch im Falle von Heiner Dührkop aus Bassum so. Nachdem er immer wieder Schwierigkeiten mit dem Internet dokumentiert und geltend gemacht hatte, bekam er die Kündigung. Jetzt wartet er händeringend auf Nordischnet, Partner des Landkreises Diepholz. „Das Netz hätte in Deutschland schon vor Jahren ausgebaut werden müssen“, betont Dührkop.

Von Anke Seidel

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