Markus Placci und Burkhard Maiss beeindrucken Publikum im Konzertsaal am Bahnhof

Violine, Viola – und ein Zug

Markus Placci (links) und Burkhard Maiss. - Foto: Ulf Kaack

Bassum - Von Ulf Kaack. Premiere gelungen – fast zumindest. Die Musikschule schickte ihre neue Spielstätte, die Kulturstation Bassum im Bahnhofsgebäude, am Freitagabend mit einem Konzert von hervorragender Qualität an den Start. Einzig die Besucherfrequenz ließ mit knapp zwei Dutzend Zuhörern für die Zukunft noch Wünsche offen.

Die ersten Klänge, die durch das frischrenovierte, auf 75 Personen ausgerichtete „Konzertsälchen“ erfüllten, entstammten der Feder von Wolfgang Amadeus Mozart: das „Duo G Dur KV 423“.

Mit dem Violinisten Markus Placci und Burkhard Maiss an der Viola hatten die Veranstalter zweifellos zwei ausgesprochene Meister ihres Fachs verpflichten können. Placci ist Professor für Violine am Konservatorium in Boston/USA und trat als Solist mit diversen renommierten europäischen und amerikanischen Orchestern auf. Maiss – bekannt als Stipendiat des Deutschen Musikwettbewerbs und mit seinem Instrument auf der ganzen Welt zu Hause – machte vor allem als Gründer des „Jacques Thibaud Trio“ von sich reden, mit dem er zahlreiche Preise gewann.

Doch zurück zu Mozart: Das flott vorgetragene und komplex strukturierte „Allegro“ verlangte dem Duo einiges an Virtuosität ab. Das sich anschließende „Adagio“ mutete in krassem Kontrast hingegen eher verhalten, ja geradezu melancholisch an.

In der Folge dieses im klassischen Sonatenstil verfassten Werks schloss sich, so die Ansage von Burkhard Maiss, eine große Oper für zwei Musiker an.

Und wahrlich: Das von Allessandro Rolla, einem Lehrer des Geigenvirtuosen Paganini und einst Kapellmeister an der Mailänder Scala, verfasste „Duo C Dur op. 15“ erwies sich als ein raumfüllendes Werk, das von Vitalität geradezu strotzte. Wieselflink und voller Dynamik flogen die Finger von Markus Placci und Burkhard Maiss über die Saiten ihrer Instrumente, mit Blicken kommunizierten die hochkonzentriert agierenden Musiker untereinander. Das Publikum zeigte sich, dokumentiert durch langanhaltenden und lautstarken Applaus, nachhaltig beeindruckt.

Nach der Pause ging es weiter mit „Madrigal“, einem akzentuierten Zweiminüter von ungewohnt prägnanter Rhythmik des belgischen Komponisten Robert Groslot. Im Kontrast dazu folgte mit „Commodo“ des Finnen Jean Sibelius eine feinsinnige Melodie von hoher Intensität.

Zwei virtuos vorgetragene Solostücke schlossen sich an: die von Henry Vieuxtemps kurz nach dem Tod des legendären Teufelsgeigers komponierte „Hommage à Paganini“, an der Viola von Burkhard Maiss von Trauer erfüllt und voller klanglicher Ästhetik zu Gehör gebracht.

Mal zart, mal dissonant anmutend und final gehetzt kam anschließend die durchaus als experimentell und abseits des „Klassik-Mainstreams“ zu bezeichnende „5. Sonate für Violine Solo“ von Eugène Ysaye daher, nun intoniert von dem Violonisten Markus Placci.

Den Abschluss bildete eine Passacaglia des Norwegers Johan Halvorson nach einem Thema von Georg Friedrich Händel. Als Zugabe präsentierten Markus Placci und Burkhard Maiss schließlich das durchaus mit hintergründigem Humor behaftete „Duo Nr. 44“ des ungarischen Komponisten und Musikethnologen Béla Bartók.

Während des Konzerts wurde aus dem Duo immer mal wieder ein Trio. Nämlich immer dann, wenn ein Zug dicht an der Fensterfront der Kulturstation vorbeirauschte. Trotz bestmöglicher Isolierung ging das keinesfalls geräuschlos und vibrationsfrei vonstatten. Davon ließen sich die beiden Profis keinesfalls aus dem Konzept bringen. Sie betrachteten die Klänge des Schienenstrangs humorvoll als einen natürlichen Teil des Vorgetragenen.

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