Kammermusik im Stift Bassum

Vierhändig am Flügel

Reinhard Schmiedel und seine Ehefrau Larissa Kondratjewa am Kohl-Flügel. - Foto: Kratz

Bassum - Von Angelika Kratz. Äbtissin Isabell von Kameke ließ es sich nicht nehmen, ihre Gäste zum dritten Termin der diesjährigen Kammermusikreihe unter dem Motto „Die Sonate – Siegeszug einer Form“ zu begrüßen. Längst weiß die eher kleine Fangemeinde mit ihren musikalisch geübten Ohren um die Qualität der Konzerte im Kapitelsaal und sollte auch am Sonntag nicht enttäuscht werden.

Wie gewohnt öffnete Stephan Steinkühler als musikalischer Fachmann vorab sein Buch des Wissens. Verständlich und sehr amüsant nahm er das Publikum mit in die notwendige Theorie der Sonate, deren Siegeszug vom 16. Jahrhundert ungebremst bis in die heutige Zeit reicht. Im Fokus stand die vierhändige Umsetzung am Klavier, denn Reinhard Schmiedel und Prof. Larissa Kondratjewa sollten im Anschluss am historischen Kohl-Flügel perfekte Harmonie zeigen.

Wolfgang Amadeus Mozart spielte mit seiner Schwester vierhändig am Klavier. „Geschwister können das, er spielte die linke, sie die rechte Hand“, verriet Steinkühler über angeborene Übereinstimmung. Die hätten leider hochkarätige Komponisten und Musiker trotz ihrer Professionalität nicht immer und täten sich oft schwer, ihr perfektes Zusammenspiel zu finden. „Bei Ehepaaren ist das wieder etwas anderes“, blickte Steinkühler auf die beiden hochkarätigen Pianisten Reinhard Schmiedel und die gebürtige Russin Larissa Kondratjewa. Kennengelernt hat sich das Ehepaar beim Studium in Leningrad.

Im Stift erlebte das Publikum die beiden Pianisten zunächst mit der Sonate in C, KV 521. Der junge Mozart hatte diese 1787 in Wien geschrieben. Noch Jahrhunderte später verzaubert er mit seiner Auslegung einer Sonate voller Fröhlichkeit, Temperament und unglaublicher Schnelligkeit für vier Hände.

Ihm schloss sich Franz Schubert mit seiner teilweise sehr dramatischen Fantasie aus dem Jahr 1828 an. „Er hat die Sonatenform gewaltig verändert“, schwärmte Steinkühler von Schuberts Ausführungen.

Völlig gegen den damaligen Zeitgeist komponierte Modest Mussorgski (1839 bis 1881) seine Sonate C-Dur als Kunstmittel zur Kommunikation mit den Menschen.

Bei Francis Poulenc gab es bei der im Jahre 1918 geschriebenen Sonate gewaltig was aufs Gehör. Vor gut einhundert Jahren geschrieben, erstaunte das Werk sicherlich so manchen hinsichtlich seiner Modernität.

Versöhnlich wurde es wieder mit einem Blick auf Mozart bei Gaetano Donizetti (1797 bis 1848). Seine Passage aus Mozarts Werken wiederholten Larissa Kondratjewa und Reinhard Schmiedel als Zugabe eines wunderschönen Konzertnachmittages voller perfekter Übereinstimmung bis in das letzte kleine Hämmerchen bei mehr als 100000 geschätzten Anschlägen.

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