Christoph Lanzendörfer tritt trotz Wahlerfolgs nicht an

Verzicht auf Kreistagsmandat

Dr. Christoph Lanzendörfer verzichtet auf sein Kreistagsmandat. - Foto: Seidel

Bassum - Von Anke Seidel. Wenn am 7. November der neue Kreistag im Neubruchhauser Hotel „Zur Post“ zu seiner konstituierenden Sitzung zusammenkommt, ist eines der neu gewählten Mitglieder nicht dabei: Dr. Christoph Lanzendörfer, der kreisweit das drittbeste Ergebnis für die SPD geholt hatte, verzichtet auf sein Mandat. Nachrückerin ist seine Parteifreundin Luzia Moldenhauer aus Bassum.

Fünf Jahre hatten die beiden im Kreistag Seite an Seite gesessen. Doch während Dr. Lanzendörfer für die SPD mit 1947 persönlichen Stimmen erneut ins Kreisparlament gewählt wurde, schaffte Luzia Moldenhauer den Wieder-Einzug nicht. Genau den ermöglicht der SPD-Landtagsabgeordneten nun der Mandatsverzicht des Mediziners.

Was hat den 60-Jährigen zu diesem Schritt bewogen? Lanzendörfer begründet das vor allem mit dem Ergebnis der Kommunalwahlen in seiner Heimatstadt Bassum. Weil seine Fraktion einen Sitz verloren habe und die Ausschuss-Konstellation unverändert bleibe, „kommt auf uns erheblich mehr Arbeit zu“, nennt er einen Punkt für seine Entscheidung. Hinzu komme, dass die Bassumer Fraktion viele neue Mitglieder habe. Will heißen: Die kommunalpolitische Arbeit wird intensiver, braucht mehr Kraft und Zeit.

Genau das aber fordert bereits sein Beruf von dem Sozialdemokraten, der sich seit vier Jahrzehnten kommunalpolitisch engagiert. Dr. Lanzendörfer lässt keinen Zweifel daran, dass die um 15 oder 16 Uhr beginnenden Sitzungen des Kreistags und seiner Ausschüsse ihn als Arzt mit eigener Praxis vor enorme Herausforderungen gestellt haben. „An nicht einer Ausschusssitzung habe ich in fünf Jahren teilnehmen können“, beschreibt der 60-Jährige den Konflikt zwischen seiner Aufgabe als Mediziner und seinem kreisweiten politischen Engagement. Eine Wahlperiode hat der Bassumer Sozialdemokrat im Kreistag mitgewirkt. Unter anderem hatte sich Dr. Lanzendörfer für die Verschmelzung der Kreissparkassen Syke und Grafschaft Diepholz zu einer Kreissparkasse im Kreis Diepholz stark gemacht.

Welche Themen erachtet er persönlich als weiterhin wichtig für die Kreistagsarbeit? „Das SY-Kennzeichen“, antwortet er spontan. Der Syker Antrag auf Wiedereinführung dieses Autokennzeichens war vor drei Jahren vom Kreistag abgelehnt worden. „Dabei ist das ein individuelles Recht“, sagt Lanzendörfer. „Wir erlauben uns, dieses individuelle Recht zu missachten“, kommentiert er die bisherige politische Entscheidung.

Vor allem aber wünscht sich der Bassumer Mediziner eine Gesundheitspolitik, „die diesen Namen auch verdient“. Die Krankenhäuser im Landkreis Diepholz hätten einen Versorgungsauftrag „und keinen Gewinnauftrag“. Grundsätzlich, so wünscht sich der 60-Jährige, sollte über eine Übernahme der Kliniken als GmbH unter das Dach des Landkreises diskutiert werden. Das Know-how, sprich die Geschäftsführung, könne der Landkreis einkaufen: „Das müssen die Alexianer ja auch!“ Außerdem müsse der Kreistag ohnehin die Defizite für die Kliniken beschließen.

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