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Verwendung geht vor Verschwendung

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Landwirt Markus Kattau mit Angus-Rindern
Streicheleinheiten und Fellpflege: Die Angusrinder stehen in Nordwohlde ganzjährig auf der Weide. Die Zeit mit den Tieren genießt Landwirt Markus Kattau besonders, weil er dort zur Ruhe kommt. © Anika Seebacher

Nordwohlde – 365 Tage im Jahr, rund um die Uhr und bei jedem Wetter im Einsatz: Landwirte haben mit Stall- und Feldarbeit, Maschinen und Dokumentationen einen abwechslungsreichen Beruf. Für Markus Kattau ist es noch viel mehr als das: Für den Nordwohlder ist sein Beruf auch eine Berufung.

Im Gespräch mit dem 28-Jährigen wird nicht nur seine Leidenschaft für den landwirtschaftlichen Familienbetrieb deutlich, sondern auch sein Bemühen, mehr Verständnis für den Berufsstand zu gewinnen.

Für 2022 hat sich Kattau vorgenommen, mehr Aufklärung über landwirtschaftliche Themen zu leisten. Einen Weg, seine Arbeit transparenter zu machen, hat er in den sozialen Medien gefunden. Über den Instagram-Kanal hombach_hof gibt der junge Landwirt Einblicke in seine Aufgaben und Erlebnisse auf dem Hof.

„Ich könnte dort sicherlich noch viel mehr zeigen. Dafür fehlt mir aber leider die Zeit“, bedauert er, dass man online lediglich einen kleinen Eindruck bekommt. Immerhin „ist die Landwirtschaft ein unglaublich komplexes und vielseitiges Berufsfeld“. So gehören neben dem rücksichtsvollen Umgang mit Pflanzen und Tieren auch die Bereiche Boden, Klima und Zwischenmenschlichkeit zum Alltag, so Kattau.

Ein weiterer wichtiger Aspekt in Sachen Öffentlichkeitsarbeit ist für den Nordwohlder Landwirt der direkte Kontakt mit den Menschen vor Ort. „Sprecht miteinander“, fordert Kattau Landwirte und Konsumenten gleichermaßen auf. Nur wer sich selbst einen Eindruck von etwas verschaffe, bekomme die Gelegenheit, mit falschen Bildern und Vorurteilen aufzuräumen. Das habe er bereits selbst erfahren und bietet deshalb, sofern es seine Zeit und die Pandemie zulassen, Hofrundgänge an. „Denn vieles kann der Verbraucher nicht auf den ersten Blick nachvollziehen“, sagt Kattau. Dazu brauche es den Blick hinter die Kulissen.

Der Hombachhof, der bereits 1896 gebaut wurde, startete damals mit zwei Kühen. Mit jeder Generation ist der Betrieb weiter gewachsen. „Jeder hat dem Hof seine eigene Note gegeben“, sagt Markus Kattau mit Blick auf die Spezialisierungen, die es im Verlauf der zurückliegenden Jahre gegeben hat. Heute findet man auf dem Familienbetrieb neben 20 Angusrindern, 700 Hühnern und einem kleinen Hofladen in der Einfahrt mit zusätzlichen regionalen Produkten neben den eigenen Erzeugnissen auch eine Biogasanlage.

Hofladen Kattau
In dem Hofladen verkauft Markus Kattau eigene und weitere regionale Produkte. © Anika Seebacher
In dem Hofladen verkauft Markus Kattau eigene und weitere regionale Produkte. Nachdem der Sturm die rote Holzhütte zerstört hat, behilft sich die Familie mit einem provisorischen Container.
Nachdem der Sturm die rote Holzhütte zerstört hat, behilft sich die Familie Kattau mit einem provisorischen Container. © Kattau

Bei uns passiert alles im familiären Rahmen“, betont Kattau. Der staatlich geprüfte Agrarbetriebswirt arbeitet derzeit als Angestellter auf dem elterlichen Hof, der rund 220 Hektar umfasst. „Jeder kümmert sich um einen Bereich, der ihm besonders liegt“, erklärt der Landwirt zur Aufgabenverteilung. Wichtige Entscheidungen treffe man stets gemeinsam.

Vorurteile und Anschuldigungen gegen Landwirte gibt es viele, weiß Kattau, der sich „von der breiten Masse nicht verstanden“ fühlt. Umso wichtiger ist ihm, dass die Menschen verstehen, „dass die Grundlage des Lebens aus der Landwirtschaft stammt“. Kattau unterstreicht: „Wir Landwirte sorgen dafür, dass die Regale beim Einkaufen gefüllt sind. Somit ist die heimische Landwirtschaft unser aller Grundstein des Lebens.“

Besonders ärgert er sich über die Unmengen an weggeworfener Lebensmittel und somit über diejenigen, „die den Wert von Lebensmitteln nicht verstehen“. Für ihn geht Verwendung vor Verschwendung.

Ein häufiges Vorurteil gegen seinen Berufsstand ist laut Kattau die Ansicht, dass Landwirte alle viel Geld hätten und deshalb große Maschinen fahren. „Diese Geräte erleichtern uns die Arbeit und sind für unseren Alltag wichtig“, erklärt Kattau. Dennoch bedeuten sie für den Betrieb häufig eine finanzielle Belastung. Auch würden die Maschinen die Straßen nicht stärker kaputt machen als andere Fahrzeuge.

„Wir sind keine Umweltsünder“, stellt der Landwirt darüber hinaus klar. Der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln und Dünger sichere neben dem Ertrag auch die Qualität der Ernte und belaste keinesfalls die Lebensmittel. „Manche Entscheidungen müssen wir treffen, um uns abzusichern“, verdeutlicht er weiter, dass man nicht einfach nur mit dem Finger auf Landwirte zeigen solle. Allgemein ist für Kattau wichtig, bei Meinungen nicht zu pauschalisieren. „Es gibt immer rücksichtslose Menschen, aber das sind meistens die Ausnahmen“, sagt er.

„Landwirtschaft ist gerade in der heutigen Zeit mit Sorgen verbunden“, sagt Kattau und nennt „einen Fehler im System“ als möglichen Grund. Er sieht die Politik in der Verantwortung und wünscht sich einen stärkeren Austausch. Als Beispiel nennt er die Vorgaben zur Nitratbelastung: „Wir dürfen in den sogenannten roten Gebieten jetzt 20 Prozent weniger düngen als die Pflanze benötigt.“ Dass aber die heute gemessenen Nitratwerte auf die Bodenbewirtschaftung vor vielen Jahren zurückgehen, ließen viele außer Acht. Daher ergibt das derzeitige Konzept für Kattau keinen Sinn. Deshalbt wünscht er sich: „Veränderungen sind auf jeden Fall wichtig, aber man sollte mit den Menschen vor Ort sprechen.“

Von Anika Seebacher

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