Auffällige Schüler lernen, Konfliktsituationen zu meistern

Vertrauen und Verlässlichkeit – Strategie gegen Gewalt

Bassum  - Von Julia Kreykenbohm. Es ist ein schwieriger Drahtseilakt: Einem Kind klar zeigen, dass sein Verhalten nicht in Ordnung ist – aber ihm gleichzeitig auch das Gefühl geben, dass es trotzdem geliebt und geschätzt wird. Die Botschaft rüberbringen: „Was du tust, wird nicht akzeptiert, aber du als Mensch wirst es immer.“ Holger Arntjen weiß, wie das geht. Der Diplom-Sozialpädagoge arbeitet normalerweise für den Verein „Kontakt“ mit straffällig gewordenen Jugendlichen.

Aber wenn er die Kapazitäten hat und seine Hilfe gebraucht wird, kommt er auch gern an die Schulen im Landkreis Diepholz, um mit verhaltensauffälligen Schülern zu sprechen. Für Sozialpädagogin und Präventionsfachkraft Erika Stötzel vom Oberschulzentrum Bassum ist Arntjen ein guter und verlässlicher Ansprechpartner, dessen Hilfe sie gern in Anspruch nimmt. „Wir haben bereits zum dritten Mal einen Kurs für auffällige Jugendliche angeboten“, berichtet Stötzel.

Ihr fiel auf, dass einige der Schüler sich einfach nicht an Regeln halten konnten und immer wieder Grenzen überschritten. „Sie waren nicht in der Lage, Probleme friedlich zu lösen“, berichtet Stötzel. Diese Kinder sitzen dann regelmäßig bei ihr, doch allein eine – vor allem nachhaltige – Lösung für die Situation zu finden, ist schwer. Also rief die Sozialpädagogin Holger Arntjen an und bat um seine Unterstützung. Zwar arbeitet der sonst mit einem anderen Klientel, aber das Grundproblem sei das selbe: „Die Unfähigkeit, sich an Regeln zu halten und der mangelnde Respekt vor dem Gegenüber.“

Nach einem Gespräch mit dem Jugendamt war auch die Finanzierung für Arntjes Kursus geklärt und der Pädagoge kam für zwei Vormittage in die Schule. 13 Jungen im Alter von elf bis zwölf Jahren saßen vor ihm und lernten durch verschiedene Spiele, wie wichtig es ist, Grenzen nicht zu überschreiten – und was passiert, wenn man es doch tut. „Wir zeigen ihnen auch, wie sie sich selbst besser einschätzen lernen, zu erkennen, wann sie kurz davor stehen, die Beherrschung zu verlieren und dann die Situation zu verlassen“, berichtet Arntjen. Wer eine Regel bricht, zum Beispiel einen anderen in der Gruppe nicht ausreden lässt, wird sofort darauf hingewiesen. Angenehm ist das natürlich nicht. Zumal viele der Kinder solch ein Verhalten gar nicht kannten. „Am ersten Tag hatten sie alle Angst vor Holger“, erzählt Stötzel und schmunzelt. „Seine Art war neu für sie und ihnen nicht geheuer.“

Doch dieses Misstrauen wandelte sich schon in wenigen Stunden. „Kinder können damit umgehen, wenn sie mit ihren Fehlern konfrontiert werden“, berichtet Arntjen. „Auch wenn es erstmal nicht schön ist, lernen sie diese Klarheit schnell schätzen. Nein heißt eben Nein. Aber das ist auch ein Zeichen von Zuverlässigkeit, was wiederum Vertrauen schafft. Es sorgt für eine klare Linie, an der sie sich orientieren können. Die Kinder erkennen: auf den kann ich mich verlassen. Was er sagt, steht. Ob das nun ein Nein oder ein Ja ist.“

Wie richtig Arntjen mit seiner Einstellung liegt, zeigte sich schon am nächsten Tag. „Da wollten die Kinder plötzlich Autogramme von ihm und baten um seine Telefonnummer, um auch weiterhin mit ihm in Kontakt zu bleiben“, berichtet Stötzel. Einer Bitte, der Arntjen gerne nachkommt. Mit einem Schützling aus seinem früheren Kursus hat er noch heute, nach einem Jahr, Kontakt und unterstützt ihn.

Diese Hilfe sei wichtig, um das, was in den zwei Tagen angelegt worden ist, weiter zu pflegen, damit es wachsen kann. Aus diesem Grund werden auch die Eltern mit ins Boot geholt und beraten. Und natürlich hat Erika Stötzel im Alltag weiterhin ein Auge auf ihre Schützlinge. Sie sieht bereits einen großen Fortschritt. „Von den 13 Jungen sind bisher nur zwei wieder auffällig geworden.“

Schulen, die Holger Arntjen für solch einen Gewaltpräventionskurs einladen möchten, können sich direkt bei ihm unter Telefonnummer 04242/50074 oder unter 0172/ 5207390 sowie per E-Mail unter holger.arntjen@kontaktev-dh.de melden.

Rubriklistenbild: © dpa

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